Russlands hybride Angriffe in Europa:Hängt Europas Kurs gegen Putin am Ende an Trump?
von Christian Hauser
Berlin wirft Russland hybriden Krieg vor - und rückt von der bisherigen Linie ab. ZDF-Korrespondenten erklären im auslandsjournal-Podcast, wie stark Trump Europas Kurs beeinflusst.
Deutschland spricht von russischem hybridem Krieg. Was bedeutet das für Europa, die Nato und die Ukraine - und wie gefährlich ist Trumps Nähe zu Putin?
02.09.2026 | 61:19 minBei Pressekonferenzen des US-Präsidenten decken die Themen eine erstaunliche Bandbreite ab. In der vergangenen Woche verkündete Donald Trump unter anderem die Umbenennung des 'Lake Ontario' in 'Lake America'.
Neben ihm war eine große Landkarte aufgebaut, auf der der Grenzsee zwischen den USA und Kanada zu sehen war. Auslöser für Trumps Umbenennung war offenbar der andauernde Zollstreit zwischen den Nachbarländern.
Donald Trump hat den Grenzsee zwischen den USA und Kanada in "Lake America" umbenannt. Kanada will davon nichts wissen und kontert mit einer Aktion.
30.08.2026 | 0:40 minNur wenige Momente später wurde er auf sein Verhältnis zum russischen Präsidenten Wladimir Putin angesprochen. Die Frage einer Journalistin: Habe Putin ihm versichert, kein Nato-Territorium anzugreifen? Trump verneinte, berichtete aber zugleich von einem guten Gespräch mit dem Kremlchef.
Ganz anders verläuft die Debatte, wie der aktuelle Umgang mit Russland aussehen sollte, in Deutschland und Europa.
Die Bundesregierung macht Russland für den Anschlagsversuch in Leipzig verantwortlich. Gegenmaßnahmen sind strengere Einreisekontrollen sowie die Schließungen von Konsulat und russischem Haus.
02.09.2026 | 2:43 minZDF-Korrespondentin: "Das sind klare Signale"
In der aktuellen Folge des auslandsjournal-Podcasts "Der Trump-Effekt" ordnen die ZDF-Korrespondenten Katrin Eigendorf, Elmar Theveßen und Ulf Röller die neuen Maßnahmen der Bundesregierung im Hinblick auf Russland ein und blicken auch auf Trumps See-Umbenennung.
Für die Internationale Sonderkorrespondentin des ZDF, Katrin Eigendorf, ist die Reaktion Deutschlands mehr als die Antwort auf einen einzelnen Vorgang: "Da hatte ich weniger erwartet. Das sind schon sehr klare Signale." Für sie ist es "ein deutliches Abrücken von der bisherigen Linie Deutschlands."
Auch der ZDF-Studioleiter in Brüssel, Ulf Röller, sieht eine Veränderung in den Beziehungen:
Stell dir vor, es ist Krieg, und wir schauen nicht mehr weg, sondern wir schauen hin und benennen das.
Ulf Röller, ZDF-Studioleiter in Brüssel
Folgen Deutschlands Partner dem Kurs?
Nach den Ankündigungen Deutschlands stellt sich die Frage, inwiefern weitere Staaten mitziehen werden.
Europäische Partner und Kanada dürften vergleichsweise leicht von einem gemeinsamen Kurs gegenüber Russland zu überzeugen sein, erwartet der ZDF-Studioleiter in Washington, Elmar Theveßen. "Aber mit den USA wird das viel schwieriger werden."
In Irland beraten die EU-Außenminister über weitere Sanktionen gegen Moskau. Für die Reaktion auf den Anschlagversuch am Flughafen Leipzig erhält Außenminister Wadephul breiten Rückhalt.
02.09.2026 | 1:32 minUngewiss bliebe ebenso, ob die US-Regierung bereit wäre, den Druck auf Staaten wie Indien oder China zu erhöhen, "die Russland weiterhin am Leben erhalten, was das Finanzielle angeht", so Theveßen.
Sollte Europa diesen Weg weiter beschreiten, könnte es nach Einschätzung von Ulf Röller "auch einen Konflikt mit den indirekten Profiteuren des Kriegs in der Ukraine" geben. Diese nähmen weiterhin gerne günstiges russisches Öl ab, so Röller.
Kanada steckt im Zollkrieg mit den USA, neue Iran-Sanktionen verschärfen den Konflikt im Nahen Osten. Nutzt Trump die Eskalation als Strategie oder zeigt sie politische Schwäche?
24.08.2026 | 60:37 minAuf Donald Trump kommt es an
Die Podcast-Runde schlägt in diesem Zusammenhang schnell wieder die Brücke zu Donald Trump. Für Katrin Eigendorf hängt der Erfolg eines härteren Kurses gegenüber Putin maßgeblich von der Positionierung des US-Präsidenten ab.
"Europa kann mit seiner Abwehrpolitik eigentlich nur erfolgreich sein, wenn Donald Trump diese Unterstützung des Regimes in Moskau beendet oder zumindest in dieser Form nicht weiter fortführt", so Katrin Eigendorf.
Noch deutlicher wird Theveßen mit Blick auf Trump: "Er scheint auf dem Auge blind zu sein, was Wladimir Putin angeht."
Trotz alledem sieht Katrin Eigendorf Russland langfristig nicht in einer Position der Stärke:
Russland ist ein Auslaufmodell. Militärisch, politisch und wirtschaftlich ein Auslaufmodell.
Katrin Eigendorf, Internationale Sonderkorrespondentin des ZDF
CIA-Chef Ratcliffe soll Russland in Moskau vor einem Angriff auf einen Nato-Staat gewarnt haben. Der Kreml weist die Berichte zurück und bezeichnet sie als "Schauergeschichte".
27.08.2026 | 1:17 minEuropa ist noch da
Zusammenfassend kommt Ulf Röller zu dem Schluss, dass für Europa in den vergangenen Jahren gleich mehrere Gewissheiten verloren gegangen seien. "Die Sicherheit haben die Amerikaner garantiert. Die Energie kam aus Russland. Und der Markt waren die Chinesen", so der ZDF-Korrespondent. "Alles drei ist jetzt weg."
Dennoch sei Europa nicht auseinandergebrochen, analysiert Ulf Röller. Im Gegenteil: "Europa ist noch da."
Die neue Podcast-Folge von "Der Trump-Effekt" gibt es in voller Länge auf ZDFheute und überall, wo es Podcasts gibt.
Christian Hauser ist Redakteur beim ZDF-auslandsjournal.
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