Sudan-Konferenz in Berlin will bei humanitärer Krise helfen

Internationale Gemeinschaft will helfen:Größte humanitäre Krise: Sudan-Konferenz in Berlin beginnt

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Der Bürgerkrieg im Sudan hat zu einer der schwersten humanitären Krisen weltweit geführt. Die Sudan-Konferenz in Berlin soll unter anderem Hilfen für die Bevölkerung mobilisieren.

Sudan

"Im Sudan haben über 20 Millionen Menschen Probleme genug Essen zu finden" und das Land stehe vor enormen humanitären Schwierigkeiten, sagt der Afrika-Experte Gerrit Kurtz.

15.04.2026 | 5:04 min

Deutschland richtet an diesem Mittwoch gemeinsam mit anderen Staaten die dritte internationale Sudan-Konferenz aus. Ziel ist es unter anderem, die Friedensverhandlungen im Sudan wiederzubeleben und Hilfen für die Bevölkerung auf den Weg zu bringen.

An der Konferenz nehmen Regierungsvertreter, Hilfsorganisationen und zivilgesellschaftliche Gruppen teil, die beiden Konfliktparteien aus dem Sudan sind nicht vertreten.

Ein sudanesischer Flüchtling ruht sich vor einem provisorischen Zelt aus

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigt seine Unterstützung für einen Waffenstillstand im Sudan an. Seit drei Jahren herrscht dort Bürgerkrieg. Deutschland ist, laut Ministerium, einer der größten Geldgeber.

15.04.2026 | 0:26 min

Sudan: Bürgerkrieg seit 3 Jahren

Im drittgrößten Land Afrikas liefern sich die Armee von Militärherrscher Abdel Fattah al-Burhan und die RSF-Miliz seines früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo seit drei Jahren einen Machtkampf.

In dem Bürgerkrieg sind Zehntausende Menschen getötet worden, mehr als elf Millionen Menschen wurden vertrieben. Hunger wird dabei gezielt als Waffe eingesetzt und die Agrarproduktion zerstört.

Ein Mann rennt einem voll beladenen Lastwagen hinterher, der den Grenzübergang Joda-Wunthow im Bezirk Renk im Bundesstaat Upper Nile im Südsudan verlässt.

Durch die neu ausgebrochenen Kämpfe geraten Hunderttausende Menschen im Südsudan in Lebensgefahr. Hilfsorganisationen haben wegen Sicherheitsbedenken inzwischen ihre Aktivitäten ausgesetzt.

09.02.2026 | 0:30 min

Merz: Krise kaum im öffentlichen Fokus

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Lage in dem afrikanischen Land als "größte humanitäre Krise der Gegenwart" bezeichnet. Diese Krise stehe aber "nicht sehr häufig im Blickwinkel unserer öffentlichen Wahrnehmung", sagte Merz am Dienstag in Berlin vor einem Treffen mit dem Präsidenten der Afrikanischen Union (AU), Mahmoud Ali Youssouf.

Dort leiden zurzeit über 20 Millionen Menschen an Hunger, das ist fast die Hälfte der Landesbevölkerung.

Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler

Deutschland zähle zu den größten Gebern humanitärer Hilfe und unterstütze die Bemühungen einer Vermittlergruppe aus den USA, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten um einen Waffenstillstand. Die Bundesregierung hatte nach Angaben des Auswärtigen Amts im vergangenen Jahr mehr als 160 Millionen Euro für Sudan und seine Nachbarländer zur Verfügung gestellt.

Sudan humanitäre Hilfe

Im Sudan herrscht seit 2023 ein Krieg zwischen der Regierungsarmee und der Miliz RSF. Laut den Vereinten Nationen ist die Lage im Sudan die größte humanitäre Krise der Welt.

20.12.2025 | 1:56 min

Afrikanische Union strebt Friedenslösung an

Youssouf hat vor der Konferenz konkrete Ergebnisse und Hilfszusagen angemahnt. Es müsse darum gehen, "wie wir das sudanesische Volk am besten unterstützen können". Er warnte, dass der Sudan ohne mediale Aufmerksamkeit und die Mobilisierung von Hilfsgeldern seinem Schicksal überlassen werde.

Die AU, die Mitgastgeberin der Konferenz im Auswärtigen Amt ist, wolle "mit der Unterstützung Deutschlands und anderer Partner" einen Waffenstillstand erreichen.

Nach Ansicht verschiedener Hilfsorganisationen und der Vereinten Nationen hat sich die Lage für die Zivilbevölkerung zunehmend verschlechtert. Drohnen würden verstärkt eingesetzt, die auch Märkte, Gesundheitseinrichtungen und Wohnviertel treffen. Vor allem Frauen und Mädchen erlebten systematisch sexualisierte Gewalt. In Teilen des Landes würden Menschen ausgehungert. Gleichzeitig benötigen fast 34 Millionen Menschen humanitäre Hilfe. Die Zahl derer, die im Land vertrieben oder in Nachbarländer geflüchtet sind, wird auf knapp 12 bis mehr als 14 Millionen geschätzt. Laut Vereinten Nationen sind für das Jahr 2026 bislang nur rund 16 Prozent der benötigten Mittel gedeckt.
Quelle: kna


Hilfsorganisationen fordern mehr Einsatz

Der Geschäftsführer von Save the Children Deutschland, Florian Westphal, forderte deutlich höhere Anstrengungen für den Schutz der Zivilbevölkerung. "Das Problem ist nicht, dass die Krise im Sudan unbekannt ist", sagte Westphal. "Das Problem ist, dass nicht genug getan wird, um ihr zu begegnen."

Es scheint, als würde die Welt dieser Krise tatenlos zusehen, anstatt aktiv dagegen vorzugehen.

Florian Westphal, Geschäftsführer Save the Children Deutschland

Westphal verwies auf einen UN-Bericht, dem zufolge allein im vergangenen Jahr mehr als 1.300 Kinder im Sudan getötet oder verstümmelt worden seien. Mehr als 190 Kinder wurden diesem Bericht zufolge vergewaltigt oder Opfer sexueller Gewalt. "Und diese Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs, da viele der an Kindern begangenen Verbrechen nicht dokumentiert sind", betonte er.

Quelle: dpa, AFP, Reuters, kna
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 15.04.2026 um 01:28 Uhr in dem Beitrag: "Unterstützung für Waffenstillstand im Sudan".
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