Südsudan: Hunderttausende leiden an Hunger, viele in Lebensgefahr

Hunderttausende von Hunger betroffen:Hilfsorganisation: Lage im Südsudan "völlig verzweifelt"

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Im Südsudan sind laut der Hilfsorganisation Oxfam Hunderttausende Menschen akut von Hunger betroffen, vielen droht der Tod. Die Krise im Land verschärfte sich zuletzt wieder.

Ein Mann rennt einem voll beladenen Lastwagen hinterher, der den Grenzübergang Joda-Wunthow im Bezirk Renk im Bundesstaat Upper Nile im Südsudan verlässt.

Durch die neu ausgebrochenen Kämpfe geraten Hunderttausende Menschen im Südsudan in Lebensgefahr. Hilfsorganisationen haben wegen Sicherheitsbedenken inzwischen ihre Aktivitäten ausgesetzt.

09.02.2026 | 0:30 min

Inmitten neuer Kämpfe im Südsudan ist die Versorgungslage für Hunderttausende Menschen laut Oxfam dramatisch. Familien seien von Nahrungsmitteln, sauberem Wasser und dringend benötigter humanitärer Hilfe abgeschnitten, erklärte die Hilfsorganisation.

Gesundheitseinrichtungen und Vorräte von Hilfsorganisationen seien geplündert, Beschäftigte zur Flucht gezwungen worden. Oxfam habe aufgrund der schlechten Sicherheitslage Aktivitäten aussetzen müssen.

Oxfam zum Südsudan: "Die Situation ist völlig verzweifelt"

Schon vor den jüngsten Kämpfen seien in der Region Jonglei mehr als 700.000 Menschen von akutem Hunger und Hungersnot betroffen gewesen. Seit Dezember seien nun mehr als 280.000 Menschen vor der Gewalt aus ihren Häusern geflohen.

Flüchtlinge aus dem Südsudan sitzen verteilt

Der Südsudan, selbst bettelarm, hat rund 900.000 Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Sudan aufgenommen, wo sich eine der schlimmsten humanitären Katastrophen der Welt abspielt.

15.01.2025 | 10:07 min

Shabnam Baloch, Oxfam-Landesdirektorin im Südsudan, erklärt:

Familien werden gewaltsam in Gebiete vertrieben, in denen die Lage bereits sehr schlecht ist.

Shabnam Baloch, Oxfam

"Einige sind verletzt und kaum noch in der Lage, sich fortzubewegen. Viele sind vom Hungertod bedroht und gezwungen, Wasser aus verschmutzten Flüssen und Sümpfen zu trinken", sagt Baloch und betont:

Die Situation ist völlig verzweifelt.

Shabnam Baloch, Oxfam

Seit vielen Jahren Kämpfe in Sudan und Südsudan

Nach der Unabhängigkeit des Südsudans vom Sudan 2011 begann ein Bürgerkrieg, der 2018 mit einem Abkommen zwischen den Konfliktparteien endete.

Sudanesische Schüler aus Schulen in der Region Ost-Nil der Hauptstadt halten während einer Protestkundgebung gegen die Verstöße der Rapid Support Forces (RSF) gegen die Bevölkerung von El-Fasher am 3. November 2025 in Khartum die sudanesische Flagge hoch. Nach 18 Monaten Belagerung, Bombardierung und Hunger ergriff die paramilitärische Rapid Support Forces (RSF) am 26. Oktober die Kontrolle über die Stadt El-Fasher im Westen des Sudan und verdrängte damit die letzte Bastion der Armee in der westlichen Region Darfur im Sudan. Die Staatsanwaltschaft des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) äußerte „tiefe Besorgnis und größte Beunruhigung” über Berichte aus El-Fasher über Massenmorde, Vergewaltigungen und andere mutmaßlich begangene Verbrechen.

Emergency Response Rooms in Sudan: Rückzugsorte inmitten der Zerstörung. Die Zentren sollen ein wenig Normalität im Krieg bieten – und Hoffnung. Denn Sudan ist mehr als nur Krieg.

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Mit dem Kompromiss wurde eine gemeinsame Regierung von Präsident Salva Kiir und Vizepräsident Riek Machar gebildet, die sich zuvor in dem Konflikt gegenübergestanden hatten. Das Abkommen wurde wiederholt gebrochen. Der Machtkampf eskalierte erneut.

Nach Einschätzung des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha) sind in diesem Jahr mehr als zehn Millionen Menschen im Südsudan auf Unterstützung angewiesen. Das sind rund zwei Drittel der Bevölkerung. Auch im Sudan ist die humanitäre Lage katastrophal.

Quelle: epd
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Neue Kämpfe gefährden Hunderttausende" am 09.02.2026 um 14:02 Uhr.
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