Interview mit Maybrit Illner:Selenskyj: US-Verhandler "haben keine Zeit für Ukraine"
von Katja Belousova
Im exklusiven Interview mit Maybrit Illner erklärt der ukrainische Präsident, welche negativen Auswirkungen der Iran-Krieg auch auf sein Land habe. Für Deutschland gibt es Lob.
Was bedeutet der Iran-Krieg für die Lage der Ukraine? Und wie ist das Verhältnis zu den USA und Deutschland? Antworten gibt der ukrainische Präsident im Exklusiv-Interview mit Maybrit Illner.
14.04.2026 | 36:11 minLaut Aussage des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj beschäftigen sich die USA angesichts des Iran-Kriegs immer weniger mit der Ukraine. In einem exklusiven ZDF-Interview mit Maybrit Illner sagte er am Dienstag über die beiden US-Verhandler Jared Kushner und Steve Witkoff: "Sie sind ständig in Kontakt mit Iran und haben keine Zeit für die Ukraine".
Lob gab es hingegen für Bundeskanzler Friedrich Merz und Deutschland. "Der größte strategische Partner in Europa ist ganz sicher Deutschland", sagte Selenskyj und erklärte zudem, dass Deutschland seinem Land heute mehr helfen würde als die USA.
Zuvor hatte sich Selenskyj am Dienstag mit Merz getroffen. Hintergrund waren deutsch-ukrainische Regierungskonsultationen in Berlin.
Zum ersten Mal seit 20 Jahren haben sich die deutsche und ukrainische Regierung zu Konsultationen in Berlin getroffen. Beide Länder wollen eine strategische Partnerschaft aufbauen.
14.04.2026 | 1:30 minSelenskyj sieht negative Auswirkungen des Iran-Kriegs
Im Interview machte der Präsident klar, dass der Iran-Krieg negative Auswirkungen auf sein Land habe: "Wenn der Krieg länger dauert, wird es weniger Waffen für die Ukraine geben", sagte er und ergänzte mit Blick auf das Patriot-Abwehrsystem: "Wir haben so ein Defizit gerade, schlimmer geht es nicht mehr."
Das ist eine Herausforderung für alle. Ein Krieg der ganzen Welt. Nicht nur der USA und Israel.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Selenskyj bot zudem Hilfe in der Straße von Hormus an. "Die Straße von Hormus ist gesperrt und die wollen wir entsperren, durch die Sperrung des Schwarzen Meers haben wir schon Erfahrungen. Amerika hat uns noch nicht gefragt", sagte Selenskyj.
Die USA haben nach eigenen Angaben damit begonnen, die Straße von Hormus teilweise zu blockieren. Ziel ist es, zu verhindern, dass Schiffe iranische Häfen anlaufen oder verlassen.
13.04.2026 | 1:53 minEuropa am Verhandlungstisch? "Kein Signal von Seiten der USA"
Mit Blick auf das Verhältnis Donald Trumps zu Wladimir Putin erklärte der ukrainische Präsident, dass Amerika eine konstruktivere Diplomatie mit Russland habe als mit den Europäern.
In trilateralen Gesprächen ist es schwierig für europäische Länder, einen Platz zu finden. Das ist wichtig, aber schwierig. Und ich sehe kein Signal von Seiten der USA, dass sie das wünschen.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Auf eine Frage zu Trumps Haltung zur Ukraine antwortete er: "Ich habe das Gefühl, er hat schon von Anfang an gesagt, er bleibt in der Mitte. Das zeigt, dass er weder auf meiner noch auf Russlands Seite steht."
Der Iran-Krieg ist "nicht unser Krieg", heißt es aus Berlin, auch Kanzler Merz distanziert sich. US-Präsident Trump kritisiert das scharf - welche Konsequenzen hat das?
12.04.2026 | 3:45 minSelenskyj: Ukraine soll EU beitreten
Dabei betonte er gleichzeitig, wie wichtig der Druck von Seiten der USA auf Russland sei, und stimmte der Bewertung zu, dass Trump der einzige sei, vor dem Putin Angst habe.
Wenn die USA keinen Druck auf Russland ausüben, dann werden sie keine Angst mehr haben.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Perspektivisch hofft Selenskyj auf einen EU-Beitritt seines Landes. Das bekräftigte er in dem Interview. "Für die Ukraine ist es wichtig, in der EU Mitglied zu sein", sagte er. "Das sollte auch der Wunsch der EU sein. Unsere Armee und unsere Technologie werden die EU nur stärken." Die Wahrscheinlichkeit in die Nato einzutreten sei hingegen geringer. Auch, weil die USA dies blockieren würden.
Nach Merz, Macron und Rubio spricht der ukrainische Präsident Selenskyj bei der Münchner Sicherheitskonferenz. ZDFheute live analysiert, was er sich von Europa erhofft.
14.02.2026 | 88:54 minPräsident auch über den Krieg hinaus?
Danach gefragt, ob er sich vorstellen könnte, auch nach dem Krieg Präsident der Ukraine zu bleiben, gab sich Selenskyj bedeckt. "Ich weiß es nicht, es ist keine einfache Arbeit als Präsident", sagte er.
Diese Arbeit hat mich meiner Familie genommen. Das muss ich mit meiner Frau und mit meinen Kindern besprechen.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Ukrainische Männer in Deutschland
Selenskyj äußerte sich auch zur Forderung von Friedrich Merz, dass die Ukraine dafür sorgen solle, wehrfähige Männer im Land zu behalten, statt sie etwa nach Deutschland ausreisen zu lassen. "Ich kann den Menschen nicht verbieten, sich freiwillig zu bewegen", sagte der ukrainische Präsident.
Natürlich möchte ich, dass sie zurück in die Ukraine kommen.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Er sehe aber die Belastung für Deutschland: "Ich höre, was Friedrich sagt. Ich verstehe, dass das eine Belastung für den deutschen Haushalt ist."
Nach einer Ausreiselockerung haben Zehntausende junge Männer die Ukraine verlassen. Daran gibt es Kritik. Was heißt das für die Ukraine? Und was sagen Betroffene?
04.04.2026 | 9:24 minAktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog: