Orthodoxes Osterfest:Ukraine-Krieg: Tausende Verstöße gegen Osterwaffenruhe
Zum orthodoxen Osterfest hatten Russland und die Ukraine einen Waffenstillstand vereinbart. Nun werfen sich beide Seiten jedoch Brüche der Einigung vor - tausendfach.
Die Ukraine und Russland werfen sich gegenseitig Verstöße gegen die Feuerpause zum orthodoxen Osterfest vor. Ungeachtet dessen fordert Präsident Selenskyj eine Verlängerung.
12.04.2026 | 0:20 minRussland und die Ukraine werfen einander vor, die vereinbarte Feuerpause über das orthodoxe Osterfest gebrochen zu haben. Das ukrainische Militär teilte am Sonntagvormittag mit, russische Truppen hätten bislang in 2.299 Fällen gegen die Vereinbarung verstoßen, unter anderem durch Drohnen- und Artillerieangriffe.
Konkret gab es demnach unter anderem 479 Fälle von Beschuss und rund 1.800 Angriffe mit kleineren Drohnen. "Schläge mit Raketen, Gleitbomben und Drohnen vom Typ Shahed gab es nicht", teilte der Generalstab mit. Unabhängig überprüfen lassen sich solche Angaben über das Kampfgeschehen nicht.
Russland wirft Ukraine ebenfalls fast 2.000 Verstöße vor
Das russische Verteidigungsministerium warf der Ukraine seinerseits ebenfalls gezielte Angriffe vor. "Insgesamt wurden im Zeitraum vom 11. April, 16:00 Uhr, bis zum 12. April, 8:00 Uhr, 1.971 Verstöße gegen den Waffenstillstand durch Einheiten der ukrainischen Streitkräfte registriert", teilte das Ministerium in Moskau mit. Unter anderem betroffen waren die Gebiete Donezk, Dnipropetrowsk und Sumy.
Die Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
In Russland und der Ukraine soll am Nachmittag eine 32-stündige Waffenruhe beginnen. Kiew hatte sie zum orthodoxen Osterfest vorgeschlagen - Moskau stimmte zu.
11.04.2026 | 0:20 minZugleich behauptete das Ministerium, dass sich "alle Truppenverbände" an die von Kremlchef Wladimir Putin angeordnete Waffenruhe hielten. Putin hatte verfügt, dass die Waffen bis Mitternacht (23:00 Uhr deutscher Zeit) am Sonntag schweigen sollen.
Schon bei Feuerpausen in der Vergangenheit haben sich die Kriegsparteien gegenseitig massenhafte Verstöße vorgeworfen. Auch diesmal hatten beide Seiten angekündigt, auf Angriffe des Gegners entsprechend zu reagieren.
Orthodoxe Christen in der Ukraine feiern erst dieses Wochenende Ostern. Dafür wurde eine Waffenruhe angekündigt. Doch wie gestalten sich die Feierlichkeiten mitten in Krieg und Zerstörung?
10.04.2026 | 4:34 minSelenskyj würdigt in Osterbotschaft Standhaftigkeit
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in seiner Osterbotschaft indessen den Mut und die Standhaftigkeit seiner Landsleute im inzwischen fünften Jahr des russischen Angriffskrieges gewürdigt. Das Land habe gerade den schwersten Winter seiner Geschichte überstanden, sagte er mit Blick auf die heftigen russischen Angriffe auf ukrainische Energieanlagen. Die Ukraine verteidige sich unerschütterlich, sagte Selenskyj, der mit seiner Frau Olena in der Sophienkathedrale in Kiew auftrat.
Damit auf das fünfte Osterfest in Kriegszeiten das erste friedliche Osterfest folgt. In unserem ganzen Land, für alle unsere Menschen.
Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Präsident
Orthodoxes Osterfest eine Woche später
Die orthodoxen Christen feiern in diesem Jahr eine Woche nach den westlichen Kirchen Ostern. "Wir vertrauen nicht nur auf die himmlischen Mächte, sondern auch auf unsere Sicherheits- und Verteidigungskräfte", sagte Selenskyj. Das Land hoffe auf die Treffsicherheit seiner Waffen. Der Präsident appellierte im fünften Kriegsjahr auch an den Zusammenhalt der Ukrainer.
Putin würdigt Rolle der Kirche im Krieg
Dagegen ging Kremlchef Wladimir Putin in seinen Glückwünschen zum Osterfest kaum auf den Krieg ein. Der russische Präsident würdigte aber die Rolle auch der russisch-orthodoxen Kirche bei der Unterstützung der Teilnehmer an der "militärischen Spezialoperation" in der Ukraine, wie er seine Invasion offiziell nennt. Putin feierte in der Erlöser-Kathedrale in Moskau bei einem nächtlichen Gottesdienst Ostern mit einer Kerze in der Hand.
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