Russland und das Netz: Kreml verschärft Internetblockade

Internet-Abschaltungen in Russland:Wie Putin die Kommunikation immer stärker kontrolliert

von Felix Klauser

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In Moskau wird das mobile Internet abgestellt, gleichzeitig forciert der Kreml die Nutzung staatlicher Messengerdienste. Russland schränkt freie Kommunikation so immer weiter ein.

Russland, St. Petersburg: Menschen schauen auf ihre Smartphones an einer Bushaltestelle. Die russische Telekom-Aufsichtsbehörde Roskomnadsor hat weitere Beschränkungen gegen verschiedene Messenger-Dienste angekündigt, darunter auch Telegram.

Hohe Strafen für Telegram und die Förderung staatlicher Alternativen: Russland verschärft im fünften Kriegsjahr die Zensur und drängt Nutzer auf offiziell kontrollierte Kanäle.

18.03.2026 | 2:32 min

In Russlands Hauptstadt heißt es dieser Tage immer öfter: "Nichts geht mehr". Weder lässt sich per Handy bezahlen, noch lassen sich Nachrichten verschicken. Geschweige denn, den Weg per Smartphone finden.

Moskaus mobiles Internet wird immer wieder - und ohne Vorwarnung - massiv eingeschränkt. Bei Lieferdiensten, Taxifahrern oder Pendlern, die sich orientieren wollen, gehören ratlose Gesichter mittlerweile zum Alltag.

Der Kreml führt "Sicherheitsgründe" für die Abschaltungen des Netzes an, bleibt ansonsten aber auffällig vage. Auch deshalb regt sich Protest - selten zwar, aber doch.

Ein russischer Soldat an der Front bedient eine Drohne.

In Russland herrscht Aufruhr. Erst wurde der russischen Armee der Starlink-Zugang gekappt, jetzt stört der Kreml den Zugang zu Telegram. Ein Problem für die Front.

14.02.2026 | 2:15 min

Protest gegen Internetblockade: 80-jähriger Russe festgenommen

Russische Behörden haben in den vergangenen Tagen immer wieder Demonstrationen untersagt, die sich gegen die Internetabschaltungen richten. Dort, wo Russinnen und Russen trotzdem auf die Straße gehen, greifen die Behörden rigoros durch.

In der Provinzstadt Perm, rund 1.150 Kilometer nordöstlich von Moskau, wurde Anfang der Woche der 80-jährige russische Internetaktivist Viktor Gilin festgenommen.

Wladimir Putin! Ich fordere die Rückkehr der Gedanken- und Meinungsfreiheit! - INTERNET!

Protestplakat des Internetaktivisten Viktor Gilin

Gilin war trotz Demonstrationsverbots auf die Straße gegangen - und hatte nur wenige Minuten Zeit, seinen Protest kundzutun, bevor die Polizei ihn festnahm.

Der Ärger vieler Menschen im Land ist auch deshalb groß, weil der russische Staat die Kommunikation zusätzlich erschwert. Der in Russland beliebte und einst dort entwickelte Messengerdienst "Telegram" wird seit Monaten immer wieder blockiert. Offenbar sind die Behörden unzufrieden mit der Kooperationsbereitschaft des Unternehmens.

Roblox

Russlands Internet-Aufsicht hat die Internet-Plattform Roblox blockiert. Millionen russische Kinder wurden von der Entscheidung überrascht, für sie brach mit einem Schlag eine ganze Welt zusammen

17.12.2025 | 2:20 min

Russlands staatliche Alternative: der Messenger "MAX"

Angesichts dessen wird nun die Nutzung der staatlichen Messenger-Alternative "MAX", nun ja, empfohlen. Öffentliche Einrichtungen wie Schulen oder Universitäten kommunizieren zunehmend über "MAX". Seit dieser Woche ist auch der Kreml auf die neue Plattform umgestiegen.

Michail Klimarjow, der von Deutschland aus für die russische NGO "Gesellschaft zum Schutz des Internets" arbeitet, hat eine eindeutige Erklärung, warum der "MAX-Messenger" vom russischen Staat so geschätzt wird.

"Telegram ist derzeit die letzte große Plattform in Russland, die nicht unter Kontrolle des Kreml steht", sagt Klimarjow. "Das passiert jetzt stattdessen beim Messenger 'MAX' - den wollen viele nicht benutzen, weil sie wissen, dass dort alles überwacht wird und der Geheimdienst mitliest."

Auf dieser Abbildung ist ein Computerbildschirm mit dem MAX Messenger zu sehen.

In Russland wird ein neuer Messenger-Dienst etabliert, der es leichter machen könnte, die Bürger zu überwachen. Außerdem wurden Gesetze zur Kontrolle im Internet verschärft.

01.09.2025 | 1:39 min

Telegram in Russland immer stärker unter Druck

Am Montag wurde Telegram in Moskau in gleich fünf Verfahren - angesetzt im Fünf-Minuten-Takt - verurteilt. Die Strafe: 35 Millionen Rubel, rund 360.000 Euro, weil angeblich extremistische Inhalte nicht gelöscht worden seien. Beobachter erwarten ein baldiges Verbot.

Kommunikation auf staatlich verordneten Kanälen, das Internet regelmäßig abgeschaltet: Im fünften Kriegsjahr macht Russland mit der Kontrolle von Internet und Kommunikation ernst.

Die russische Regierung will Telegram wegen befürchteter Sicherheitsrisiken verbieten.

Weil die russische Regierung den Messengerdienst Telegram als Sicherheitsrisiko betrachtet, könnte die App in Russland abgeschaltet werden.

18.03.2026 | 1:40 min

Kreml bezeichnet "fremde Kommunikationssysteme" als Gefahr für das Militär

Und weil man im Kreml trotz allem um die Beliebtheit Telegrams - auch in der russischen Armee - weiß, legt man seit Wochen Wert auf Inszenierung. Anfang März lud Wladimir Putin Militärs in den Kreml und ließ sich von Sicherheitsrisiken berichten, denen russische Soldaten angeblich durch die Nutzung "fremder Kommunikationssysteme" (wie Telegram) ausgesetzt seien.

Das Kalkül ist ziemlich klar: Wenn es der Sicherheit russischer Soldaten dient, dann - so die Hoffnung - könnte die Akzeptanz des neuen staatlichen Messengers steigen.

Senatspalast hinter der Kremlmauer in Moskau

Wie denken die Menschen in Russland über den Angriffskrieg in der Ukraine? Informationen aus Russland zu bekommen, ist schwer: Viele Russen haben Angst vor Repressionen - und sprechen nur anonym.

24.02.2026 | 9:40 min

Verkauf von Stadtplänen in Moskau wegen Internetausfällen gestiegen

In Moskau macht das fehlende mobile Netz die Menschen unterdessen erfinderisch. Weil die Kommunikation per Smartphone immer häufiger nicht funktioniert, sollen vermehrt Walkie-Talkies gekauft werden. Auch wenn sich die Frage stellt, wie praktikabel deren Nutzung in einer Stadt mit mehr als 13 Millionen Einwohnern wohl ist.

Lokale Medien berichten unterdessen von einem weiteren Effekt der Internetausfälle: Der Verkauf von Stadtplänen soll um 170 Prozent gestiegen sein.

Felix Klauser berichtet als Korrespondent über Russland, den Kaukasus und Zentralasien.

Über dieses Thema berichtete unter anderem das heute journal in dem Beitrag Russland: Kontrolle über das Netz am 18.03.2026 ab 21:45 Uhr.

Russland seit dem Angriffskrieg

  1. Eine Frau geht an einem Wintertag in Moskau, Russland, auf einer Straße vor einem Souvenirladen entlang.

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  2. Grab des russischen Oppositionellen Alexej Navalny
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  3. Eine Reihe von Kampfausrüstungen hängt zur Schau, während Schüler am Tag des Wissens, am 01.09.2025, zum Beginn des neuen Schuljahres in die Klasse der Sekundarschule Nr. 87 in Jekaterinburg, Russland, gehen.

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  4. Eine junge blonde Frau bei einem Straßenkonzert, ein russischer Polizist steht ihr gegenüber

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  6. Ein russischer Soldat an der Front bedient eine Drohne.

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  7. Eine Frau hält bei einer Demonstration ein Schild mit der Aufschrift: "Nein zu Blocks, Roblox ist eine Spiele- und Social-Media-Plattform." Sie protestiert gegen die Sperrung von Roblox in Russland.

    Russland schaltet Roblox ab:Warum Putin den Kindern das Gamen verbietet

    von Sebastian Ehm
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  8. Deutsche Welle in Bonn - Logo an Hauswand