Waffenstillstand im Iran-Krieg: Wie Pakistan zum Vermittler wurde

Verhandlungen im Iran-Krieg:Wie Pakistan zum Vermittler zwischen Iran und USA wurde

von Lea Scholz

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Als Vermittler betritt Pakistan das diplomatische Parkett im Iran-Krieg. Warum gelingt das ausgerechnet jenem Land, das selbst Kriege führt und vor dem wirtschaftlichen Ruin steht?

PAKISTAN-WAR-IRAN-US-ISRAEL

Die steigenden Energiepreise treffen Pakistan besonders hart: Rund 85 Prozent des Öls kommen durch die Straße von Hormus. Die Folgen der Krise sind im Alltag bereits deutlich spürbar.

09.04.2026 | 1:36 min

Es war ein Appell in letzter Minute. Nur wenige Stunden vor Ablauf des Ultimatums von US-Präsident Donald Trump bat der pakistanische Regierungschef Shehbaz Sharif die Kriegsparteien eindringlich um einen Waffenstillstand. Keine fünf Stunden später konnte Sharif ihn verkünden. Nun finden in der pakistanischen Hauptstadt die Verhandlungen über einen Friedensplan statt.

Doch dass sich gerade Pakistan im Iran-Krieg als Vermittler durchsetzte, ist kein Zufall. Es ist das Resultat eines Drahtseilakts aus lang angebahnter Diplomatie, militärischen Verflechtungen - und einem drohenden Kollaps im Land selbst.

Ex-US-General Ben Hodges vor einer Weltkarte, auf der die Nato und weitere Weltmächte markiert sind.

Israelische Angriffe im Libanon, Spannungen in der Nato und eine fragile Waffenruhe: Der Iran-Krieg bleibt ein globaler Krisenherd. ZDFheute live zieht ein Zwischenfazit.

09.04.2026 | 28:40 min

Pakistan setzt auf Zurückhaltung und offene Gesprächskanäle

Als die USA und Israel Iran Ende Februar angriffen, standen die Vorzeichen für Pakistan schlecht, nicht wie die Golfstaaten in den Krieg hineingezogen zu werden. Spätestens als der Iran Saudi-Arabien angriff, hätte Pakistan wegen seines Beistandspakts mit dem saudi-arabischen Königreich Kriegspartei werden müssen. Stattdessen trat die Atommacht als Vermittler auf, setzte auf Telefon- und Pendeldiplomatie.

Die amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran verurteilte Pakistan zwar, nannte die USA aber nicht explizit. Das mühsam aufgebaute Fundament eines guten Verhältnisses zum US-Präsidenten würde es für Friedensverhandlungen brauchen. Noch im letzten Jahr hatte Pakistan Trump für den Friedensnobelpreis nominiert - der schwärmte seither vom pakistanischen Armeechef Asim Munir als seinem "Lieblingsfeldmarschall".

Die pakistanische Strategie ging auf: Der nun vereinbarten Waffenruhe stimmte der US-Präsident nach eigener Aussage "aufgrund von Gesprächen mit dem pakistanischen Premierminister und dem Feldmarschall" zu.

Vertriebene Kinder greifen nach gespendeten Lebensmitteln in der Nähe von Zelten, die ihnen als Unterschlupf dienen, nachdem sie vor dem israelischen Bombardement im Südlibanon geflohen sind.

Iran und die USA planen Friedensgespräche in Pakistan. Iran teilte allerdings mit, nicht verhandeln zu wollen, solange die aktuelle Feuerpause in Nahost nicht auch für den Libanon gelte.

10.04.2026 | 0:25 min

Sorge davor, Kriegspartei zu werden

Gleichzeitig ließ Pakistans Premierminister Sharif die Gespräche mit dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian nicht abreißen. Die beiden Staaten teilen eine 900 Kilometer lange Grenze - groß ist die Angst auf pakistanischer Seite, der Konflikt könnte in die Provinz Belutschistan herüberschwappen. Dort lebt die weltweit größte schiitische Gemeinschaft außerhalb Irans.

Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Aufständen. Nach der Tötung Chameneis wurden bei Ausschreitungen mindestens 20 Menschen getötet, die Armee verhängte eine dreitägige Ausgangssperre.

Tanker in der Straße von Hormus

Teheran meldete gestern eine erneute Sperrung der Straße von Hormus und warnte Schiffe vor der Durchfahrt.

09.04.2026 | 0:22 min

Um bloß nicht Kriegspartei zu werden, musste Pakistan aber auch seinen wichtigsten Geldgeber und militärischen Verbündeten Saudi-Arabien davon abhalten, trotz der iranischen Angriffe und dem frisch unterzeichneten Beistandspakt den militärischen Einsatz der Atommacht einzufordern. Pakistan in der Rolle des Vermittlers schien dabei das überzeugende Gegenangebot zu sein.

Energiekrise wird zum Kampf um die wirtschaftliche Existenz

Der Krieg trifft das arme - und durch die Konflikte mit Indien und Afghanistan ohnehin gebeutelte - Land mit voller Härte. Mittlerweile kostet ein Liter Benzin ein Drittel des durchschnittlichen Tageslohns. Und der reichte schon vor der Energiekrise kaum zum Überleben: Knapp die Hälfte der Pakistaner verdient am Tag weniger als vier Euro und liegt damit unterhalb der internationalen Armutsgrenze.

Dieses vom pakistanischen Außenministerium am 29. März 2026 veröffentlichte Foto zeigt den pakistanischen Außenminister Ishaq Dar (2.R.) zusammen mit seinen Amtskollegen Hakan Fidan (R.) aus der Türkei, Faisal bin Farhan (2.L.) aus Saudi-Arabien und Badr Abdelatty aus Ägypten bei ihrer Ankunft zu einem Treffen im Außenministerium in Islamabad.

Pakistans Außenminister Ishaq Dar hatte die Gespräche zwischen Iran und den USA angekündigt.

29.03.2026 | 0:33 min

Zwar konnten durch Verhandlungen mit Iran einzelne pakistanische Tanker die Straße von Hormus seit Kriegsausbruch passieren. Die etwa 80 Prozent des Öls und 99 Prozent des Flüssiggases, die Pakistan vor dem Krieg aus der Golfregion importierte, lassen sich damit aber nicht kompensieren. Und so drohen die ohnehin niedrigen Ölreserven in diesen Tagen leerzulaufen.

In Islamabad hofft man, dass der Appell des Premierministers Sharif für ein Friedensabkommen wie zuletzt beim Waffenstillstand in den beginnenden Verhandlungen Gehör findet. Für das Land stehen dort auch die eigene Sicherheit und der Wohlstand auf dem Spiel - und Diplomatie scheint die einzige Trumpfkarte zu sein.

Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, unter anderem heute Xpress am 10.04.2026 ab 09:00 Uhr und die heute-Nachrichten am 09.04.2026 um 19 Uhr.

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