Solar-Boom in Asien:Wie Pakistan der Energiekrise trotzt
von Lea Scholz
Die Energiekrise treibt Pakistan an den Rand des Abgrunds - doch die Menschen machen aus der Not eine Tugend. Über die Energierevolution in einem der ärmsten Länder Asiens.
Weil Energie in Pakistan unbezahlbar wird, bauen die Menschen auf eigene Faust. Millionen setzen auf Solar und sichern so ihr Überleben, auch gegen Krisen wie den Iran-Krieg.
09.04.2026 | 2:40 minErst vergangene Woche erhöhte die pakistanische Regierung die Preise für Diesel um knapp 55 Prozent. Was den Energieverbrauch senken soll, treibt die Menschen in den Ruin: Ein Liter Diesel kostet jetzt fast die Hälfte des durchschnittlichen Tageslohns. Und der reichte schon vor der Energiekrise kaum zum Überleben: Von den knapp 250 Millionen Einwohnern leben mehr als 100 Millionen unter der Armutsgrenze von umgerechnet 3,60 Euro.
Wie tief das Land in der Krise steckt, zeigt sich nun wie unter einem Brennglas: "Wenn das so weitergeht, werden wir ernste Probleme bekommen, Kämpfe und Aufstände. Noch zwei Monate und das ganze System wird zusammenbrechen", sagt LKW-Fahrer Ahmed Ahsan.
Die steigenden Energiepreise treffen Pakistan besonders hart: Rund 85 Prozent des Öls kommen durch die Straße von Hormus. Die Folgen der Krise sind im Alltag bereits deutlich spürbar.
09.04.2026 | 1:36 minKampf um die wirtschaftliche Existenz
Pakistan, das über 80 Prozent seines Öls und Flüssiggases aus der Golfregion importiert, ist hochverschuldet und steckt seit Jahren in einer tiefen Finanzkrise. "Es wird für uns zunehmend schwieriger, auf den internationalen Märkten Energie zu kaufen. Wir haben nicht genügend Dollar in der Kasse, um die hohen Preise zu zahlen", erklärt Muhammad Badar Alam, Energie-Experte der pakistanischen Denkfabrik PRIED. Eines hätte die Krise gezeigt, meint er:
Wir dürfen uns nicht auf importierte Energie verlassen, um unsere Wirtschaft am Laufen zu halten - denn die sind abhängig von internationalen Konflikten und Machtdynamiken.
Muhammad Badar Alam, Energie-Experte der Denkfabrik PRIED
Um an der Krise wirtschaftlich nicht zugrunde zu gehen, machen sich nun immer mehr Menschen in Pakistan auf eigene Faust von den Energiepreisen unabhängig - und setzen auf Energie vom eigenen Dach.
Nachdem sich die USA und Iran auf eine Waffenruhe geeinigt haben, sollen in Pakistan Friedensgespräche stattfinden. Wie aussichtsreich diese sein werden, schätzt ZDF-Korrespondentin Gaa ein.
08.04.2026 | 1:09 minSolar-Boom erfasst Pakistan
"Mit den steigenden Öl- und Strompreisen mussten wir die Solaranlage bauen", erzählt Yaqub Aslam, der in einer Fabrik in Faisalabad Eisblöcke herstellt, bei über 30 Grad Außentemperatur ein energieintensiver Prozess. Die gigantischen Eiswürfel kaufen vor allem arme Menschen als Alternative zum Kühlschrank. Nur durch den Wechsel auf Solarenergie konnte Yaqub Aslam die Preise stabil halten und sogar einen kleinen Profit machen. "Mein Tipp an alle: Investiert ein wenig, um dann zu sparen", sagt er.
Die Solarbranche in Pakistan boomt. Bereits im vergangenen Jahr nutzten 25 Prozent der Haushalte Sonnenenergie, wie eine vom pakistanischen Statistikamt durchgeführte Befragung ergab. Der Iran-Krieg facht die Energierevolution nun weiter an.
"Die Leute bauen sich ein Panel mit einer Leistung von 600 Watt auf ihre Dächer, das hält dann 20 Jahre und ist billig", sagt Muhammad Sayyam, der an einer Straßenecke die Solarmodule verkauft. Importiert aus China kostet so ein Panel umgerechnet 60 Euro und liefert Strom für ein paar Ventilatoren und Lampen. Größere Anlagen kann sich trotz der stark gesunkenen Preise der chinesischen Module in den vergangenen Jahren allerdings nur die Mittelschicht leisten.
Die beiden Nachbarstaaten Afghanistan und Pakistan haben wegen des Endes des Fastenmonats Ramadan eine Feuerpause beschlossen. Fünf Tage lang sollen die Waffen schweigen.
18.03.2026 | 0:44 minEnergierevolution als Graswurzelbewegung
Der Energie-Experte Alam erklärt: "Das Geld kommt nicht von der Regierung und es kommt auch nicht von den Banken."
Die Pakistaner haben fünf Milliarden Dollar aus ihrer eigenen Tasche gezahlt, um die Solarpanele zu importieren und auf ihren Dächern, Läden und Fabriken zu installieren.
Muhammad Badar Alam, Energie-Experte der Denkfabrik PRIED
Und das entlastet auch den pakistanischen Haushalt. Allein in diesem Jahr könnten durch die Solarenergie bei aktuellen Marktpreisen bis zu fünf Milliarden Euro eingespart werden, wie Daten des Beratungsunternehmens Renewables First zeigen.
Obwohl Pakistan bereits im Zuge der Großinvasion Russlands in die Ukraine einen ersten Solarboom erlebte, bei dem die Öl- und Gasimporte um 40 Prozent sanken, scheint die pakistanische Regierung noch keinen effizienten Umgang mit dem Anstieg an Erneuerbaren Energien gefunden zu haben. Denn wer Solarpanels besitzt, bezieht in der Regel seinen Strom daraus und greift nur bei Flauten wie in der Nacht auf die nationale Versorgung zurück. "Dadurch steigt der Strompreis aus dem Versorgungsnetz stark an, während Überkapazitäten an Solarstrom nicht eingespeist werden können", erklärt Muhammad Badar Alam.
Umso beliebter werden nun importierte Batterien aus China, die die Solarenergie speichern können. Pakistan könnte damit ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Energieunabhängigkeit gelingen - den mittlerweile auch andere Länder der Region wie Vietnam und Thailand angetreten haben.
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