Sicherheitsexpertin: Nato stark beschädigt, aber "handlungsfähig"

Interview

Sicherheitsexpertin Babst:Nato stark beschädigt, aber "handlungsfähig"

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Lange galten die USA als Schutzmacht Europas und verlässliches Nato-Mitglied. Der Fall Grönland zeigt einmal mehr: Mit Trump kam eine echte Zeitenwende. Aber wie damit umgehen?

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Die ehemalige Nato-Chefstrategin Stefanie Babst zur Lage der Nato - das ganze Interview im ZDF-Morgenmagazin.

20.01.2026 | 5:49 min

Dass die Politik von US-Präsident Donald Trump den Zusammenhalt und die Glaubwürdigkeit der Nato stark beschädigt hat, "ist ganz offenkundig", sagt die ehemalige Chefstrategin des Bündnisses, Stefanie Babst, im ZDF-Morgenmagazin.

Expertin rät zu "gesichtswahrender Lösung" und "knallharter Ansage"

Die Sicherheitsexpertin rät den Entscheidern, eine Art von Doppelstrategie zu fahren. Es helfe nicht, "Trump zu provozieren, ihn auszugrenzen oder auf weitere Eskalation zu setzen". Stattdessen empfiehlt Babst:

Man muss ihm jetzt - auch mit Blick auf Grönland - eine irgendwie gesichtswahrende Lösung anbieten. Vielleicht könnte das ein besonderer Gipfel sein, ein Nato-Gipfel.

Stefanie Babst, Sicherheitsexpertin

Das sei aber nur der Teil, der auf der politischen Bühne sichtbar werden solle. Hinter verschlossenen Türen müssten Europäer und Kanadier mit der Trump-Administration Tacheles reden und "eine knallharte Ansage machen", sagte Babst im ZDF. Es gehe darum, eine "undiplomatische Ansage" zu machen und "Fakten zu schaffen".

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Neue Strukturen, um Nato am Leben zu erhalten

Schlussendlich bedeute das, eine Nato am Leben zu erhalten, die von Europäern und von Kanadiern geführt werde "und die dann auch wirklich überlebensfähig ist".

Derzeit hält die Sicherheitsexpertin das Bündnis nicht für ein geeignetes politisches Forum, in dem sich Europäer und Kanadier echte Handlungsoptionen überlegen können, wie sie mittel- oder langfristig der Trump-Administration begegnen könnten.

Das geht alleine deswegen nicht, weil ein amerikanischer Vertreter im Nato-Rat sitzt.

Stefanie Babst, Sicherheitsexpertin

Die ehemalige Nato-Chefstrategin schlägt daher vor: "Dass sich eben diese Gruppe europäischer Staatenvertreter und Kanadier einen anderen Raum sucht, um dann wirklich auch jenseits der Öffentlichkeit ihre Handlungsoptionen gegenüber der Trump-Administration zu besprechen und abzustimmen." Gegenwärtig könne das in der Nato nicht gut klappen.

coerper-moskau

Während Trump das transatlantische Verhältnis schwächt, bleibt es aus Russland auffallend still. "Vor den Füßen Russlands zerlegt sich die Nato gerade quasi selbst", berichtet ZDF-Korrespondent Armin Coerper aus Moskau.

20.01.2026 | 3:24 min

Expertin: Nato ist handlungsfähig

Was die militärische Seite des Bündnisses angeht, ist die Einschätzung der Sicherheitsexpertin durchaus positiv - das hätten die militärischen Aktivitäten der Vergangenheit, etwa gegenüber Russland, gezeigt:

Wir sind ganz sicher abschreckungsfähig und handlungsfähig.

Stefanie Babst, Sicherheitsexpertin

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Dennoch sei es nötig, dass Kanadier und Europäer sich auf eine Situation einstellen müssten, in der man in der Lage sei, mehr Gewicht in den Kommandostrukturen zu entwickeln, "wo wir mehr führen können". Die "verteidigungspolitische Emanzipation Europas und der Kanadier" müsse deutlich verstärkt werden, meint die Expertin.

Wir müssen sehr, sehr viel mehr Dampf in den Kessel bekommen um unsere eigene militärische Handlungsfähigkeit zu verstärken.

Stefanie Babst, Sicherheitsexpertin

Mit Blick auf die Bundeswehr bedeute dies, dass die geplante Aufrüstung und Verstärkung der Bundeswehr deutlich schneller vorangetrieben werden müsse als derzeit vorgesehen.

Das Interview im ZDF-Morgenmagazin führte Eva-Maria Lemke, zusammengefasst hat es Julia Vonier.

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Über dieses Thema berichtete das ZDF-Morgenmagazin am 20.01.2026 ab 05.30 Uhr.

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