Ukraine: Wie das Land im Krieg sein Mobilfunknetz sichert

Trotz Angriffen auf Energieinfrastruktur:Wie die Ukraine im Krieg ihr Mobilfunknetz absichert

Dominik Lessmeister | ZDF-Korrespondent in Kiew

von Dominik Lessmeister, Kiew

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Russlands Angriffe auf die Energieinfrastruktur in der Ukraine führen immer wieder zu längeren Stromausfällen. Eine Herausforderung auch für Mobilfunkbetreiber.

Ukraine-Krieg - Kiew

Mobilfunkmasten werden mit Generatoren betrieben und von Technikern gewartet. So bleibt das Handynetz der Ukraine stabil. Für die Menschen wichtig, um in schweren Zeiten Kontakt zu halten.

11.03.2026 | 2:39 min

Demjan hat ein volles Programm. Gemeinsam mit einem Kollegen will er heute zehn Mobilfunkmasten in der Region um Kiew abfahren. Ohne sie würde es keinen verlässlichen Mobilfunk geben, geschweige denn mobiles Internet. Vor dem Krieg waren an den Stationen unter den großen Funkmasten nur Batterien installiert. Für Stromausfälle von ein paar Stunden, ähnlich wie in Deutschland auch.

Doch in Kriegszeiten reichen diese Reserven nicht mehr aus. Die Stromausfälle in der Ukraine können länger dauern als die Akkuleistung der Batterien. Deshalb haben die Netzbetreiber die Funkmasten mit großen Generatoren ausgestattet.

"Zu jedem Generator fahren wir ungefähr alle zwei bis drei Tage. Wir sind derzeit ziemlich viel im Einsatz wegen der instabilen Situation im Energiesystem. Deshalb müssen wir alle zwei bis drei Tage jeden Generator anfahren und Treibstoff nachfüllen", erzählt Demjan.

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12.03.2026 | 1:48 min

Krieg in der Ukraine: Unberechenbare Stromausfälle

500 Liter fasst der Generator an ihrer ersten Station. Demjan kontrolliert zuerst den Zustand des Stromerzeugers. Läuft die Maschine rund? Wie viel Treibstoff muss er nachfüllen? Auf der Ladefläche seines Geländewagens hat Demjan einen größeren Behälter installiert. Daraus pumpt er den Treibstoff in den Tank des Generators. Gut gefüllt sollte dieser sein, denn keiner weiß, wie lange der nächste Stromausfall dauert.

Netzinfrastruktur Ukraine

Demjan ist Techniker und überprüft regelmäßig die Generatoren in der Region Kiew.

Quelle: ZDF

"Unter idealen Bedingungen sollte er acht Stunden arbeiten und mindestens zwei Stunden pausieren. Aber es gibt Situationen, in denen der Generator auch 24 Stunden ohne Unterbrechung läuft," so Demjan.

Mobilfunknetz trotz Angriffen stabil

Die Mobilfunknetze in der Ukraine haben durch den massiven Einsatz von Generatoren und Batterien eine bemerkenswerte Resilienz im russischen Angriffskrieg gezeigt. Trotz gezielter Attacken auf das Energienetz konnte das Mobilfunknetz stabil gehalten werden. Das liegt auch daran, dass sich die Firmen früh um die Resilienz des Netzes gekümmert haben.

Oleksandr Ananjew ist Direktor für die Netzinfrastruktur bei "Vodafone Ukraine", einem der großen Netzbetreiber in Land. Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine habe die Herangehensweisen an den Netzbetrieb vollständig verändert, sagt er. "Wir sind ein energieabhängiges Unternehmen. Ohne Elektrizität können wir nicht arbeiten. Deshalb haben wir schon zu Beginn des Krieges verstanden, dass, damit das Netz stabil wird, damit es arbeitet, wir in die Energie-Unabhängigkeit gehen müssen", sagt Ananjew.

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11.03.2026 | 2:32 min

Smartphones als Lebensretter

Das Handynetz in der Ukraine hilft den Menschen in schwierigen Situationen, wie bei einem Luftangriff, mit der Außenwelt in Kontakt zu bleiben. In Kiew hat Taisiia Borysenko, wie viele andere, zu Hause immer wieder keinen Strom. Deshalb ist sie froh, zumindest mobil erreichbar zu sein. "Wir haben uns leider schon daran gewöhnt, ohne Strom zu leben, an die ständigen Abschaltungen. Und Gott sei Dank gibt es Internet, denn das Internet ist wahrscheinlich für viele Menschen, die in Kiew und überhaupt im Land leben, sehr wichtig", erzählt Taisiia Borysenko. "Ohne Internet kannst du keine berufliche Tätigkeit ausüben."

Ich kann mir nicht vorstellen - wie sollen wir mit unseren Verwandten in Kontakt bleiben, wie können wir die wichtigsten Informationen, etwa über Sirenen und Luftangriffe, ohne mobiles Internet erhalten?

Taisiia Borysenko

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Nach den erneuten Luftangriffen auf die Ukraine betonte der ukrainische Präsident Selenskyj, dass die Ukraine Hilfe brauche. ZDF-Korrespondent Lessmeister mit einer Einschätzung aus Odessa.

07.03.2026 | 1:11 min

Warnungen kommen analog und digital

Vor jedem russischen Luftangriff wird in Apps auf den Handys gewarnt. Die Region des Angriffs wird angezeigt. Auch deshalb ist ein funktionierendes Netz überlebenswichtig. "Das heißt, heute arbeitet der Mitarbeiter des Zivilschutzes mit zwei Instrumenten. Er hat physische Sirenen auf den Straßen, die er über das alte System aktiviert. Und er hat bereits unsere vollständig digitale Lösung, mit der er den Alarm in einem bestimmten Gebiet, in einer Gemeinde oder in der ganzen Ukraine aktiviert und das je nach Art des Alarms", erklärt Walentyn Hryzenko von der Softwarefirma Ajax Systems, die Warnsysteme in der Ukraine entwickelt.

Die Regierung hat die Netzbetreiber verpflichtet, mindestens 72 Stunden Betrieb ohne Strom zu garantieren. "Insgesamt werden es bis zu 8.000 Generatoren im ganzen Netz sein", ergänzt Oleksandr Ananjew, Direktor für Netzinfrastruktur von "Vodafone Ukraine".

In Zukunft will das Unternehmen vor allem auf stärkere Batterien setzen. Ein Projekt zur Modernisierung der Anlagen sieht 42.000 Lithiumionenbatterien für die bessere Netzsicherheit vor. Nur einen Teil der Ausgaben dürfen die Unternehmen an die Kunden weitergeben. "Die Regulierungsbehörden erlauben uns nicht, die Gebühren wegen des Krieges für die Dienste stark zu erhöhen."

Bei uns steht an erster Stelle die soziale Verantwortung. Wenn es um die Rettung von Leben geht, um das Funktionieren des Landes, dann geht es zuerst nicht um Profit, sondern um Verantwortung für die Verbindung.

Oleksandr Ananjew, Vodafone Ukraine

"Verdienen werden wir nach dem Krieg", sagt Oleksandr Ananjew.

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Über dieses Thema berichtete "heute - in europa" am 11.03.2026 ab 16 Uhr.

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