Freihandelsabkommen:Mercosur: Was bringt der Deal Wirtschaft und Verbrauchern?
Nach langen Verhandlungen kann das Mercosur-Abkommen zum Abschluss kommen. Was bedeutet der Freihandelspakt mit südamerikanischen Staaten für Wirtschaft und Verbraucher?
Eine Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten hat heute dem Mercosur-Abkommen zugestimmt. Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen entsteht so die größte Freihandelszone der Welt.
09.01.2026 | 1:36 minMehr als ein Vierteljahrhundert lang wurde erbittert um Details gerungen - jetzt kann das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den vier südamerikanischen Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay endlich abgeschlossen werden.
Mit dem Abkommen soll eine der weltweit größten Freihandelszonen mit mehr als 700 Millionen Menschen entstehen. Wer profitiert, für wen gibt es Risiken? Fragen und Antworten im Überblick:
Was erhofft sich die EU von dem Freihandelsabkommen?
Im Endeffekt geht es um Jobs und Wohlstand. Über einen besseren Zugang zu den Märkten in den Mercosur-Ländern sollen europäische Unternehmen neue Wachstumsmöglichkeiten bekommen.
Bislang müssen Importeure von EU-Waren zum Teil sehr hohe Zölle zahlen, die der Wettbewerbsfähigkeit schaden. Am Ende könnten pro Jahr Abgaben in Höhe von rund vier Milliarden Euro eingespart werden, hat die EU-Kommission ausgerechnet.
Mit dem Mercosur-Abkommen zwischen der EU und Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay entsteht die größte Freihandelszone der Welt. Andreas Stamm berichtet.
09.01.2026 | 1:05 minWas sind die Kernpunkte des Mercosur-Deals?
Der Staatenbund Mercosur wird die Zölle auf 91 Prozent der EU-Exporte abbauen. Dies betrifft unter anderem Autos, auf die bislang ein Zoll von 35 Prozent erhoben wird. Der Abbau soll über einen Zeitraum von 15 Jahren erfolgen. Im Gegenzug wird die EU schrittweise die Zölle auf 92 Prozent der Mercosur-Exporte über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren beseitigen.
Der Mercosur-Block wird Zölle auf Agrarprodukte aus der EU wie Wein (bislang 27 Prozent) und Spirituosen (35 Prozent) streichen. Die EU wiederum bietet für einige Agrarerzeugnisse höhere Einfuhrquoten an. Dazu gehören 99.000 Tonnen Rindfleisch zusätzlich pro Jahr sowie eine zollfreie Quote von 30.000 Tonnen für Käse. Weitere Quoten gibt es für Geflügel, Schweinefleisch, Zucker und Ethanol.
Was macht den Mercosur für die EU so interessant?
In den Mercosur-Ländern Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay leben rund 270 Millionen Menschen. Zusammen bilden sie die sechstgrößte Wirtschaftsregion der Welt mit einem jährlichen Bruttoinlandsprodukt von 2,7 Billionen Euro.
2024 importierten sie aus der EU Waren im Wert von rund 53 Milliarden Euro, in umgekehrter Richtung betrug das Exportvolumen etwa 57 Milliarden Euro. An EU-Exporten in die Mercosur-Länder hängen nach EU-Angaben mehr als 750.000 Arbeitsplätze.
In Brüssel soll der Weg für den Abschluss des EU-Freihandelsabkommens mit den vier südamerikanischen Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay geebnet werden.
09.01.2026 | 2:14 minWerden auch Verbraucher Vorteile haben?
Durch die Liberalisierung des Handels könnten Preise für importierte Produkte aus den Mercosur-Staaten sinken - zum Beispiel für Fleisch, Obst, Soja, Kaffee und Zucker.
Zum Schutz der EU-Landwirtschaft sollen bei bestimmten Agrarprodukten die Märkte aber nicht vollständig geöffnet werden. Die Zollerleichterungen würden dort nur für eine bestimmte Liefermenge gelten.
Warum ist der Deal für die EU so wichtig?
Angesichts der protektionistischen Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump will die EU ihre Wirtschaftsbeziehungen breiter aufstellen und neue Absatzmärkte für europäische Unternehmen erschließen.
Zudem wird die Gefahr gesehen, dass sich die Mercosur-Staaten noch deutlich mehr als ohnehin schon China zuwenden, wenn sich die EU nicht stärker dort engagiert. Für eine Reihe von Ländern in der Region wie beispielsweise Brasilien ist China schon jetzt der wichtigste Handelspartner.
Nach über 25 Jahren zäher Verhandlungen steht das Mercosur-Abkommen: Die EU-Staaten haben mehrheitlich zugestimmt. ZDF-Wirtschaftsexperte Frank Bethmann ordnet die Reaktionen ein.
09.01.2026 | 1:50 minLetztlich hofft die EU auch, ein Zeichen für freien Welthandel setzen zu können. Im Idealfall sollen in Kürze auch die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Indien abgeschlossen werden können.
Wann wird das Abkommen in Kraft treten?
Das ist noch nicht ganz klar. Rechtlich könnte es bereits direkt nach dem Abschluss vorläufig angewendet werden - also sogar noch vor einer ausstehenden Abstimmung im Europäischen Parlament. Zuletzt wurde allerdings erwartet, dass die zuständige EU-Kommission von Ursula von der Leyen die Abstimmung abwartet.
Die Zustimmung des Parlaments gilt angesichts der Zugeständnisse an die Agrarlobby als sehr wahrscheinlich. Die Unterzeichnung des Abkommens soll bereits in den nächsten Tagen erfolgen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa wollen dazu nach Paraguay reisen.
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