Widersprüchliche Aussagen:Iran-Krieg: Führen Netanjahu und Trump denselben Kampf?
Wollen Israel und die USA in Iran noch dasselbe? Mit Blick auf ein mögliches Kriegsende im Iran sind sich Donald Trump und Benjamin Netanjahu offenbar uneins.
Aussagen von Trump zu einem möglichen Ende der Angriffe auf Iran stünden im Kontrast zu Truppenverlegungen in die Region und neu beantragtem Geld für den Krieg, so Claudia Bates.
21.03.2026 | 2:20 min"Ich bin stolz, der beste Freund zu sein, den Israel jemals hatte." Vor und nach dieser Aussage von US-Präsident Donald Trump im Herbst 2025 liegen zwei an der Seite Israels geführte Kriege.
Im Sommer 2025 bombardierten die Streitkräfte Israels und der USA iranische Atomanlagen. Vor gut drei Wochen zogen sie dann wieder gegen die autoritär regierte Islamische Republik Iran in den Krieg.
Obwohl Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu betonen, dass kein Blatt Papier zwischen sie passe, deutet einiges auf unterschiedliche Prioritäten im Iran-Krieg hin.
Kriegsende in Iran: USA sagen das eine, Israel das andere
Spekulationen über Risse im Verhältnis der Verbündeten werden genährt durch wankelmütige und nicht immer synchrone Kommunikation - auch wenn Trump zuletzt bekräftigte: "Unsere Beziehung ist sehr gut."
Die Angaben der Waffenbrüder sind jedoch oft widersprüchlich oder passen nicht zum tatsächlichen Kriegsgeschehen.
US-Berichten zufolge hat Iran eine amerikanisch-britische Luftwaffenbasis ins Visier genommen – in rund 4000 Kilometer Entfernung. Auch ohne Treffer ein Angriff mit Signalwirkung.
21.03.2026 | 2:00 minSo spricht Trump am Freitag davon, die US-Angriffe zurückzufahren, da man kurz davor sei, die Kriegsziele zu erreichen. Darauf deute jedoch nicht viel hin, sagt ZDF-Korrespondentin Claudia Bates im heute journal. Zum einen seien offenbar derzeit Tausende weitere US-Soldaten auf dem Weg in die Region, zum anderen habe das Verteidigungsministerium gerade weitere 200 Milliarden Dollar für den Krieg beantragt.
Die Frage, ob Israel bereit sei, den Krieg zu beenden, wenn die USA es sind, beantwortet Trump mit: "Das denke ich, ja." Tags darauf klingt es aus dem Munde des israelischen Generalstabschefs aber ganz anders. Drei Wochen Krieg hätten den iranischen Machtapparat zwar geschwächt, man sei aber gerade erst "auf halbem Weg", so Militärchef Ejal Zamir.
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz kündigt am Samstag sogar eine weitere Verstärkung der Angriffe Israels und der USA in Iran an. Netanjahus Äußerungen dazu sind unterschiedlich nuanciert. Auf Hebräisch sagt er am Donnerstagabend, der Krieg werde weitergehen, "so lange dies notwendig ist". Auf Englisch kündigt er an, dass der Krieg "viel schneller enden wird, als die Leute denken".
Laut dem iranischen Regime soll es einen Angriff auf die Atomanlage gegeben haben. US-Präsident Trump erwägt ein Zurückfahren der Angriffe auf Iran, Israel will diese weiter verstärken.
21.03.2026 | 2:01 minTrump: Krieg endet, wenn ich es fühle
Für Kopfschütteln sorgte Trump mit einer Aussage bei Fox News Radio. Auf die Frage, wann der Krieg zu Ende sei, antwortete er: "When I feel it in my bones" - was so viel heißt wie:
Wenn ich es tief in mir spüre.
Donald Trump, US-Präsident
"Diese Widersprüche sind Trumps Kommunikation", sagt Claudia Bates. "Vielleicht habe ich einen Plan, vielleicht nicht. Wir brauchen Hilfe der Nato, wir brauchen keine. Das Atomprogramm ist vollständig zerstört, wir müssen es zerstören", zählt sie aktuelle Aussagen von Trump auf. Sollte dahinter eine Taktik stecken, so Bates, dann möglicherweise die, Gegner und Verbündete zu verunsichern.
Die Regierung in Washington hatte zu Beginn des Bombardements eine Kriegsdauer von vier bis sechs Wochen in Aussicht gestellt. Doch während Präsident Trump davon spricht, dass Iran - trotz seiner andauernden Angriffe - militärisch quasi ausgeschaltet sei, sieht Israels Militär noch eine umfangreiche Liste an Zielen in Iran.
Die USA wollen die iranische Blockade der Straße von Hormus militärisch lösen. Wie kompliziert so ein Einsatz ist, erklärt Moritz Brake, Experte für maritime Sicherheit, bei ZDFheute live.
21.03.2026 | 17:22 minAngriff auf Gasfeld in Iran: Trump kritisiert Israel
Auch ein Post Trumps auf Truth Social ließ vor Tagen aufhorchen: "Es werden keine weiteren Angriffe von Israel" auf ein wichtiges Gasfeld in Iran erfolgen. Die Vereinigten Staaten hätten von der Attacke nichts gewusst.
Es war das erste Mal, dass der Republikaner den Verbündeten im Krieg in aller Öffentlichkeit so scharf zurechtwies. Kritiker hatten dem US-Präsidenten zuvor vorgeworfen, sich von Netanjahus Regierung praktisch am Nasenring durch die Manege ziehen zu lassen und sehr wohl in Israels Angriffspläne einbezogen gewesen zu sein.
Wie so oft stellt sich bei Trump die Frage, wie viel in einen einzigen Beitrag des Präsidenten hineinzuinterpretieren ist. Israels Regierung war nach seinem Post jedenfalls darum bemüht, zu betonen, man ziehe weiter an einem Strang. Netanjahu versicherte: "Israel hat allein gegen die Gasförderanlage gehandelt."
Die Zeitung "Israel Hajom" berichtete aber unter Berufung auf amerikanische und israelische Beamte, der israelische Angriff auf das Gasfeld sei sehr wohl koordiniert gewesen. Auch US-Medienberichte legen das nahe.
Der Konflikt wirkt weit über die Region hinaus: Besonders asiatische Volkswirtschaften leiden unter ihrer starken Abhängigkeit von Energie aus den Golfstaaten.
20.03.2026 | 1:32 minVerfolgen die USA und Israel dasselbe Ziel in Iran?
Schon zu Beginn der Kampfhandlungen in Iran fuhr die US-Regierung einen Schlingerkurs bei der Frage, warum sie überhaupt Krieg führt. Zunächst bediente Trump das Motiv von einem Regimewechsel, indem er die Iraner aufrief, die Führung des Landes in die Hand zu nehmen, sprich: die autoritäre Regierung zu stürzen.
Dann rückte er den militärischen Aspekt in den Vordergrund, das Waffenarsenal Irans vernichten zu wollen und dem Land keine atomare Bewaffnung zu gestatten. Schließlich versuche Iran, Israel zu vernichten. Und: Man wolle auch das amerikanische Volk verteidigen.
Hinzu kommt die Frage, inwiefern die Kriegsziele beider Länder übereinstimmen. Das liegt auch an der Arbeitsteilung der Kriegspartner. US-Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard sagte, während die israelische Regierung sich darauf konzentriere, die iranische Führung auszuschalten, lege Trump den Fokus darauf, die Produktionskapazitäten für ballistische Raketen und die - für die Sicherheit der Straße von Hormus bedrohliche - iranische Marine auszuschalten.
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