Regierungskrise in London: König Charles eröffnet Parlament

Wirbel um Starmer:König Charles eröffnet Parlament in stürmischen Zeiten

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Viel vor, doch noch wenige Antworten für die europäischen Partner. Mitten in der Regierungskrise um Premier Starmer hat König Charles das Parlament eröffnet. Es gibt viel zu tun.

King's Speech: Ansprache vor britischem Parlament

Ansprache von König Charles III. vor dem britischen Parlament

13.05.2026 | 17:02 min

König Charles III. (77) hat inmitten einer tiefen Regierungskrise bei der feierlichen Eröffnung des britischen Parlaments mehrere Sozialgesetze sowie eine weitere Annäherung an die EU angekündigt. So sagte der Monarch zu Beginn seiner "King's Speech":

Eine zunehmend gefährliche und unbeständige Welt bedroht das Vereinigte Königreich.

König Charles III.

"Meine Regierung wird dieser Welt mit Stärke begegnen und darauf hinarbeiten, ein Land zu schaffen, das für alle gerecht ist", sagte der König. Angekündigt wurden etwa eine Stärkung der wirtschaftlichen Beziehungen zur Europäischen Union, mehr Investitionen im Bereich Verkehr und eine Reform des Sozialsystems. Dazu gehören demnach Reformen im maroden Gesundheitssystem NHS und Maßnahmen zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit.

Das "State Opening" zählt zu den wichtigsten Terminen im royalen und politischen Kalender und folgt jahrhundertealten Regeln. Die "King's Speech" legt die Vorhaben der Regierung dar - der König hat allerdings keinen Einfluss auf die Inhalte, sondern trägt diese nur vor. Der Monarch war gemeinsam mit seiner Frau Königin Camilla (78) mit viel Pomp per Kutsche in einer Prozession vom Buckingham-Palast angereist.

Der britische Premierminister Sir Keir Starmer spricht am 08.05.2026, einen Tag nach den Kommunalwahlen, vor Mitgliedern der Labour-Partei im Gemeindesaal der Kingsdown Methodist Church in Ealing, West-London.

Die Labour-Partei erlebte bei den Kommunalwahlen ein Debakel. Premier Starmer steht massiv unter Druck - doch trotz wachsender Kritik in der Partei schließt er einen Rücktritt aus.

08.05.2026 | 3:09 min

ZDF-Korrespondent Ulrich: Europäer erwarten konkrete Antworten

"Der König trägt die Regierungserklärung der Regierung Starmer vor - wobei nicht sicher ist, wie lange Keir Starmer noch Regierungschef ist", sagt ZDF-Korrespondent Wolf-Christian Ulrich.

Schon morgen, so sickert es in mehreren Medien durch, könnte Gesundheitsminister Wes Streeting sein Amt aufgeben und versuchen, neuer Parteichef und Premierminister zu werden.

ZDF-Korrespondent Wolf-Christian Ulrich

Starmer habe am Montag schon gesagt, er wolle die Beziehungen zur EU verbessern, etwa bei der Jugendmobilität. Eine Einigung darüber könne in diesem Sommer stehen. Auch um die Wirtschaft anzukurbeln und mehr Wachstum zu ermöglichen, wolle die britische Regierung bessere Beziehungen. "Die große Frage ist, wie das konkret aussehen soll. Und darauf gibt es bisher keine konkrete Antwort. Genau das werden die Europäer aber erwarten."

Die deutsche Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, spricht am 27. April 2026 auf dem deutsch-britischen Wirtschafts- und Regierungsforum in Berlin. Das Forum baut auf dem Kensington-Vertrag auf, einem wegweisenden Kooperationsabkommen, das im Juli 2025 in London unterzeichnet wurde. Der Vertrag markiert eine neue Partnerschaft zwischen Deutschland und Großbritannien nach dem Brexit und schafft einen umfassenden Rahmen für eine strategische Partnerschaft mit den Schwerpunkten Verteidigung, Energiesicherheit und digitaler Handel.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat angekündigt, bei der Sicherung seltener Erden mit Großbritannien zusammenzuarbeiten. Diese Rohstoffe werden in Handys oder Laptops verwendet.

27.04.2026 | 0:42 min

Aus deutscher Sicht werde man auch aufmerksam verfolgt haben, so Ulrich weiter, dass das Vereinigte Königreich die Sicherheitsbeziehungen zu den europäischen Partnern verbessern will.

Bei aller Sorge über die Zukunft der Nato sehen sich die Briten weiter eng an der Seite Europas.

ZDF-Korrespondent Wolf-Christian Ulrich

Starmer bangt weiter um Amt

Premierminister Starmer bangt indes weiter um seinen Verbleib im Amt. Seit den für Labour desolaten Kommunal- und Regionalwahlen am Donnerstag sind vier Junior-Minister (Parliamentary Under-Secretary of State) aus Protest gegen den Premier zurückgetreten, zudem mehrere Regierungsmitarbeiter. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge ist die Zahl der Abgeordneten, die Starmer zum Rücktritt auffordern, auf mindestens 80 gestiegen.

Am Dienstag überstand der Premierminister eine Krisenkabinettssitzung schadlos. Mehrere Ministerinnen und Minister sprachen Starmer im Anschluss öffentlich das Vertrauen aus - die Forderungen nach einem Abgang dürften allerdings nicht abreißen.

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Quelle: dpa, ZDF
Über dieses Thema berichtete phoenix vor Ort am 13.05.2026 ab 14 Uhr.

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