Kampf um Kobane?:Was die SNA im Nordwesten Syriens vorhat
von Anna Feist
Kampf um Kobane: Pro-türkische Milizen der SNA rücken mit Unterstützung der Türkei auf die kurdische Stadt vor. Ein Symbol des Widerstands steht erneut im Fokus.
Die Türkei plant einen 40 Kilometer tiefen Sicherheitskorridor ins kurdische Gebiet Syriens
Quelle: dpa / epaUnterwegs an der türkisch-syrischen Grenze. Hier will die Türkei einen sogenannten Sicherheitskorridor einrichten, der bis zu 40 Kilometer tief ins Kurdengebiet nach Syrien reicht. Ein lang gehegter Wunsch, der nun Realität werden könnte.
Denn: Kaum zwei Wochen nachdem die islamistischen Rebellen Städte wie Hama, Homs und Damaskus übernommen und den Diktator Assad zum Sturz gebracht haben, stehe nun die "Befreiung" des Nordosten Syriens an, des kurdischen Autonomiegebiets, erzählt uns ein Mann, der sich als General der Syrischen Nationalen Armee vorstellt. Die sogenannte SNA ist eine pro-türkische islamistische Miliz, die sich zur neuen syrischen Regierung bekennt.
SNA meldet Fortschritte in Syrien
Priorität habe für sie die Bekämpfung der Terroristen, dazu zählen neben den Kämpfern des Islamischen Staates insbesondere die kurdischen Kämpfer der YPG und ihrer Bruderorganisation, der Terrororganisation PKK: "Wir werden auf jeden Fall das Gebiet säubern, wo sich PKK und sein verlängerter Arm (gemeint ist die YPG, Anmerkung der Redaktion) befindet. Wir haben bereits gestern die Operation in benachbarten Dörfern durchgeführt und rücken immer näher an Ain-Al Arab ran", erzählt uns General Abdulsalam Humaydi im ZDF-Interview.
Auch wenn es Krieg geben wird, ist unser Ziel so wenig wie möglich zivile Verluste. Und deswegen umzingeln wir Ain Al Arab und geben ihnen Zeit, damit sie freiwillig aufgeben.
Abdulsalam Humaydi, General der Syrischen Nationalen Armee
Kobane, das Symbol des Wiederstands
Ain Al Arab, so nennen sie die kurdische Stadt Kobane. "Kobane hat eine symbolhafte Bedeutung für die Kurden", erzählt uns ein Kurde, der nur 200 Meter vor Kobane auf türkischer Seite lebt. Mehr als vier Monate haben die Kurden, insbesondere die Kämpfer der YPG, Kobane gegen die IS-Terrormiliz verteidigt. Ihr Kampf wurde zum Symbol für den Widerstand.
Bis heute werden kurdische Streitkräfte insbesondere von den USA unterstützt. Die bemühen sich derzeit um einen Waffenstillstand, amerikanische Soldaten patrouillieren seit Tagen in der Gegend. Es gibt Bilder, die zeigen wie Anfang der Woche sogar die amerikanische Flagge in Kobane gehisst wurde. Doch laut General Humaydi wird sich das ändern:
Es wird wahrscheinlich einen Deal zwischen der Türkei und der USA geben, damit sich die Kurden zurückziehen. Und die amerikanischen Flaggen werden entfernt. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Amerikaner ihre Unterstützung zurückziehen.
Abdulsalam Humaydi, General der Syrischen Nationalen Armee
Nach dem Sturz des Assad-Regimes liefern sich pro-kurdische und syrische Milizen im Nordosten Syriens schwere Kämpfe. Die Türkei unterstützt die syrischen Kämpfer gegen die Kurden.
19.12.2024 | 2:25 minErdogan siegessicher: Kampf gegen PKK und YPG
Gegenüber türkischen Journalisten gibt sich auch der türkische Präsident Erdogan am Freitag siegessicher: Die Zeit von PKK und YPG sei abgelaufen, der Kopf von PKK und YPG und ISIS werde in Kürze zerquetscht werden.
Wir wollen von dem General der Syrischen Nationalen Armee wissen, welche Rolle die Türkei derzeit spielt: "Wir bekommen von der Türkei logistische Unterstützung, geheimdienstliche Informationen." Damit sie die Anführer dieser Milizen vernichten können, bekämen sie Informationen durch Dronenaufklärung, erläutert der General. Und: "In Gebieten, wo es schwierig ist, wird aufgestockt durch türkische Artillerie; dort wo wir mit unseren eigenen Waffen nicht auskommen, bitten wir um türkische Unterstützung."
"Es sind genug"
Genaue Zahlen wieviel Mann stark die Nationale Syrische Armee und ihre Verbündeten sind, will uns der Mann nicht verraten, nur soviel: "Es sind genug." Ihr Ziel: Man wolle die Feinde verjagen ins Kandil-Gebirge (Irak). Dieses gilt als Rückzugsort für die PKK. Den Syrern unter ihnen sei es freigestellt die Waffen abzugeben, dann gelte eine Art Amnestie:
Ihnen wird es genauso gehen wie Assads Soldaten.
Abdulsalam Humaydi, General der Syrischen Nationalen Armee
Wann es soweit sein wird, dass die pro-türkischen Milizen der SNA Kobane einnehmen werden, wollen wir noch wissen. "Sehr bald", versichert uns der General. Mit einem großen Lachen verabschiedet er uns schließlich: "Ich hoffe Euch morgen früh in Kobane zu sehen".
Anna Feist berichtet als ZDF-Reporterin.
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