Syrien: Was bedeutet die Waffenruhe?

Hoffnung auf Stabilität:Was bedeutet die Waffenruhe in Syrien?

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Das Abkommen zwischen Damaskus und kurdischen Kräften hat eine Eskalation verhindert. ZDFheute live fragt nach, ob es nun Hoffnung auf Stabilität gibt oder neue Probleme.

Bewaffnete Soldaten in Uniform auf einem Panzer vor einer Karte von Syrien.

Was bedeutet die Waffenruhe für Syrien? Die Analyse bei ZDFheute live

31.01.2026 | 35:42 min

Ein neues Waffenstillstandsabkommen zwischen der syrischen Übergangsregierung und kurdischen Kräften soll eine weitere Eskalation im Norden von Syrien verhindern. Wie fragil die Lage ist, wurde bei ZDFheute live deutlich: Während ZDF-Korrespondentin Golineh Atai von Angst, Anspannung, aber auch vorsichtigem Optimismus berichtet, warnt die Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal eindringlich vor einem "erzwungenen Diktatfrieden", schweren Menschenrechtsverbrechen und einer weiterhin präsenten IS-Ideologie.

"Angst und Anspannung" - Eindrücke aus dem Nordosten Syriens

Atai befindet sich aktuell in den noch kurdisch kontrollierten Regionen im Nordosten Syriens und berichtet von einer hochsensiblen Stimmung. Während ihrer Gespräche mit Menschen in Städten wie Hasaka und Qamishli höre sie immer wieder von "Angst und Anspannung". Selbst die Leute, die optimistisch in die Zukunft blickten, wirkten dabei sichtbar nervös.

Zwischen kurdischen und arabischen Bevölkerungsgruppen habe es "eine Dekade lang böses Blut" gegeben, genau deshalb sei nun entscheidend, "wie man mit dieser Situation umgehen kann", so Atai - und ob das Abkommen tatsächlich umgesetzt werde.

Gleichzeitig berichtet Atai auch von Hoffnung. Viele Menschen seien optimistisch, dass mit dem Abkommen ein erneuter Krieg verhindert worden sei.

Und das war wirklich die allerletzte Minute. Jeder Augenblick später wäre zu spät gewesen.

Goline Atai, ZDF-Korrespondentin in Syrien

Offene Fragen rund um IS-Camps

Besonders unklar ist die Zukunft der Camps für Angehörige von IS-Kämpfern wie dem Al-Ruj- oder dem Al-Hol-Camp, welche in den letzten zehn Jahren von der kurdischen YPG verwaltet wurden. Atai berichtet, dass man aktuell nicht wisse, wie es mit den Lagern weitergehen solle. Aus Damaskus gebe es Signale, die Camps in ihrer bisherigen Form nicht weiter betreiben zu wollen.

Zugleich verweist Atai auf Berichte über entkommene IS-Gefangene bei jüngsten Kämpfen in der Region. Wie viele es tatsächlich seien, lasse sich derzeit nicht verlässlich sagen. Insgesamt bleibe vieles "intransparent", so Atai - auch mit Blick darauf, wie der Kampf gegen den IS unter neuen Zuständigkeiten weitergeführt wird.

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Düzen Tekkal: "Die humanitäre Situation ist katastrophal"

Deutlich härter fällt die Einschätzung der Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal aus, die ebenfalls bei ZDFheute live zugeschaltet war. "Die humanitäre Situation ist katastrophal", sagt Tekkal. Über 250.000 Menschen seien erneut Binnenflüchtlinge, viele Kurden seien wieder auf der Flucht.

Es gehe dabei nicht nur um Territorium, betont Tekkal: "Es geht um viel mehr als um Territorialgebiete." Sie warnt vor einer Unterwerfung unter "kalifatsähnliche Zustände" und Scharia-Strukturen. Ältere Männer würden gedemütigt, Frauen misshandelt, Kämpfer seien enthauptet worden. "Das sind Menschenrechtsverbrechen, Kriegsverbrechen", so Tekkal.

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Warnung vor Rückkehr der IS-Ideologie

Tekkal warnt ausdrücklich vor einer Täter-Opfer-Umkehr. Die IS-Ideologie sei nicht verschwunden:

Diese Ideologie ist nie weg gewesen.

Düzen Tekkal, Menschenrechtsaktivistin

In Camps wie Al-Hol würden IS-Anhänger auf "ihren Befreier" warten - und meinten damit den syrischen Übergangspräsident Ahmad al-Sharaa.

Besonders kritisch sieht Tekkal, dass Teile der Regierungsarmee nicht entwaffnet seien. Sie verweist dabei auf Kämpfer, die weiterhin mit IS-Symbolik unterwegs seien. Die Kurden hätten deshalb weiterhin "Angst vor einer genozidalen Attacke".

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Das Waffenstillstandsabkommen selbst bezeichnet Tekkal bei ZDFheute live als erzwungen:

Das ist kein Abkommen, das ist ein Diktatfrieden.

Düzen Tekkal, Menschenrechtsaktivistin

Al-Sharaa zwischen Staatsmann und Misstrauen

Korrespondentin Atai weist darauf hin, dass sich der IS selbst klar von der Regierung in Damaskus abgrenze und diese als "ketzerisch" bezeichne. Es gebe eine Zusammenarbeit al-Sharaas mit den USA und westlichen Geheimdiensten im Kampf gegen den IS.

Zugleich bleibt offen, wie geschlossen die neuen Regierungstruppen tatsächlich sind. Atai sagt:

Wie diszipliniert und wie kontrolliert er seine Leute wirklich einhegen kann, das vermag im Moment keiner zu sagen.

Goline Atai, ZDF-Korrespondentin in Syrien

Al-Sharaa habe den Kurden zuletzt Zugeständnisse gemacht: Anerkennung von Bildungsabschlüssen, Einbürgerungen, Unterricht in kurdischer Sprache und die Anerkennung des kurdischen Neujahrsfests Newroz als Feiertag. Das seien "große Schritte", die Vertrauen geschaffen hätten, so Atai.

Quelle: ZDF
Über das Thema berichtete ZDFheute live am 31.01.2026 in der Sendung "Syrien: Was bedeutet das Abkommen?"
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