Orient-Experte Reinicke: Mullahs haben "ganz furchtbare Trümpfe"

Interview

Orient-Experte Andreas Reinicke:Mullahs haben "ganz furchtbare Trümpfe" in der Hand

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Die USA und Iran reden wieder miteinander. Wie ehrlich ist dieser Versuch wirklich? Experte Andreas Reinicke erklärt, warum er skeptisch bleibt und was nun auf dem Spiel steht.

Andreas Reinicke | Direktor Deutsches Orient-Institut

Gespräche seien ein "logischer Schritt, bei vorhandener Drohkulisse", sagt Andreas Reinicke, Direktor Deutsches Orient-Institut, zu den Verhandlungen zum Atomprogramm zwischen USA und Iran.

06.02.2026 | 4:50 min

Das Verhältnis zwischen den USA und Iran ist seit Jahren extrem angespannt - nun sind Vertreter beider Länder im Oman zu Gesprächen zusammengekommen. 

Andreas Reinicke, Direktor des Deutschen Orient-Instituts, spricht im ZDF-Morgenmagazin von "mühsamen Verhandlungen" und ordnet ein, warum die Hoffnung auf Frieden trügerisch sein könnte. Das sagt Reinicke über ...

... die Aussichten auf Erfolg

Reinicke hält es zunächst einmal für einen "logischen Schritt", dass sich beide Seiten an einen Tisch setzen, da der Druck der Nachbarstaaten wachse. Trotzdem warnt er vor zu hohen Erwartungen: Bisher habe man sich nicht einmal auf die Themen geeinigt.

Das klingt nach mühsamen Verhandlungen und ob die Amerikaner die Geduld haben werden, sich darauf einzulassen, das sehe ich im Augenblick nicht.

Andreas Reinicke, Direktor des Deutschen Orient-Instituts

Ein großes Hindernis dabei: Iran weigert sich derzeit, über sein Raketenprogramm zu verhandeln. Denn die Machthaber betrachten dieses Programm laut Reinicke als ihre Lebensversicherung, um ihre Verteidigungsfähigkeit gegenüber Gegnern wie Israel zu behalten.

Die Mullahs "glauben immer noch, aus einer Position der Stärke verhandeln zu können. Ich fürchte, sie kalkulieren da falsch".

Iran

In Maskat treffen sich die USA und Iran zu neuen Gesprächen. Streit gibt es über Atomprogramm, Raketen und Milizen. Nach Angriffen und Drohungen ist das Misstrauen groß.

06.02.2026 | 1:59 min

... die Druckmittel des iranischen Regimes

Selbst wenn Iran in einer schweren Krise steckt, ist das Regime laut Reinicke noch lange nicht am Ende. Die Führung besitze Druckmittel:

Das sind ganz furchtbare Trümpfe.

Orient-Experte Andreas Reinicke über die Druckmittel der Mullahs

Einerseits könne der Staat wieder mit extremer Gewalt gegen die eigene Bevölkerung vorgehen. Andererseits drohe bei einem Zusammenbruch des Landes ein Chaos, in dem die Revolutionsgarden in den Untergrund gehen könnten, ähnlich wie die Terrorgruppe IS.

Kadetten der iranischen Revolutionsgarde marschieren während einer jährlichen Militärparade anlässlich des Jahrestages des Kriegsbeginns des ehemaligen irakischen Diktators Saddam Hussein gegen den Iran vor 44 Jahren vor dem Schrein des verstorbenen Revolutionsgründers Ayatollah Khomeini in der Nähe von Teheran

Die EU-Staaten haben die iranischen Revolutionsgarden als Terrororganisation eingestuft. Grund sei die Tötung Tausender regierungskritischer Demonstranten in Iran.

30.01.2026 | 2:36 min

... die Rolle der iranischen Bevölkerung

Angesprochen auf die Situation der iranischen Bevölkerung erklärte Reinicke, man könne vermuten, dass Berichte über Folter und Gewalt etwa in den Gefängnissen der Realität entsprächen. In dieser Lage komme der iranischen Bevölkerung eine tragische, aber entscheidende Rolle zu:

Letztendlich wird es das iranische Volk machen müssen. Das ist ganz furchtbar.

Orient-Experte Andreas Reinicke

Hilfe von außen sei zwar möglich, aber letztendlich müsse die Bevölkerung den Kampf gegen das Regime schaffen, auch wenn dies ein "furchtbarer Widerspruch" angesichts der Übermacht der Mullahs bleibe.

heute journal - der Podcast
:Aufstand in Iran: Von Hoffnung und Angst

Seit Wochen halten die Proteste in Iran an. Das Mullah-Regime geht brutal gegen die Demonstrierenden vor. Über 3400 Menschen sollen laut Menschenrechtsgruppen dabei ums Leben gekommen sein.
Video39:00
heute journal - der Podcast mit Helene Reiner und Christian Sievers
Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete das ZDF-Morgenmagazin am 06.02.2026 ab 05:30 Uhr.
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