Inflation in Russland:Warum ein Putin-Plakat für Furore sorgt
von Felix Klauser
Die Preise in Russland steigen deutlich stärker als die Löhne. Das führt zunehmend zu Unzufriedenheit in der Bevölkerung - und einem besonderen Protest in der Provinz.
Die Inflation trifft die Menschen in Russland hart, weitere Teuerungen werden prognostiziert. Viele kommen kaum noch über die Runden, doch der Kreml sagt, die Lage sei stabil und unter Kontrolle.
28.01.2026 | 2:10 minDie Kleinstadt Busuluk dürfte selbst in Russland den wenigsten geläufig sein. Das Städtchen mit rund 80.000 Einwohnern liegt nahe der Grenze zu Kasachstan, etwa 1.200 Kilometer und 14 Autostunden trennen es von Moskau. Man könnte wohl sagen: tiefste russische Provinz.
Vermutlich hätte es Busuluk - bei allem Respekt - eher nicht zu größerer Bekanntheit gebracht. Wäre da nicht ein Video aus einem kleinen Supermarkt gewesen. Und ein Plakat.
"Die Preise sind 2026 gestiegen, dank dieses Mannes", steht auf dem Plakat. Und: "Seid nicht schüchtern, eure Dankbarkeit zu äußern."
In der unscheinbaren Kleinstadt Busuluk taucht ein Plakat auf, das für Furore sorgt.
Quelle: t.me/BuzRzs056Kritik an den steigenden Preisen - und Präsident Putin
Der "Mann", von dem die Rede ist, - ist verpixelt, aber erkennbar. Das Büro, in dem er sitzt, ist es auch.
Es ist Präsident Putin persönlich, der auf dem Plakat mit der hohen Inflation in Russland in Verbindung gebracht wird. Kein Wunder, dass das Video, in dem das Plakat auftaucht, für gewisse Furore sorgt - und Busuluk ungeahnte Aufmerksamkeit beschert.
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28.01.2026 | 2:13 minInflation in Russland: Hohe Werte seit Kriegsbeginn
Solch direkte Kritik am Präsidenten ist in Russland wenig erwünscht - und selten. Im Video verlangen einige Kunden von der Kassiererin, das Plakat sofort zu entfernen. Es sei eine "Beleidigung".
Beleidigung hin oder her: Fakt ist, dass die Inflation in Russland noch immer über den Soll-Werten liegt. Mit Beginn des Krieges stieg sie auf fast 18 Prozent, lag teils noch immer bei 10 Prozent im Jahr 2025 - auch wenn sich die Lage gegen Jahresende entspannte, zuletzt nur noch bei rund 5 Prozent lag.
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Getrieben wird die Inflation vor allem durch hohe Staatsausgaben (insbesondere für Rüstung), stark gestiegene Löhne (vor allem im Militärsektor) und wohl auch durch die Sanktionen. Neu ist all das nicht - neu ist, dass eine Vielzahl der Menschen in Russland die Inflation nun tatsächlich spürt.
"Die Lebensmittelinflation ist höher als die allgemeine Inflation", meint Alexander Koljandr, der seit Jahren zur russischen Wirtschaft forscht. Damit würden, so Koljandr, insbesondere Menschen mit geringen Einkommen stark von der Inflation belastet. Zudem seien bislang Inflation und Löhne parallel gestiegen - nun aber stagnierten die Löhne. Damit werde die Inflation umso spürbarer.
Der Verlust Russlands sei eher geostrategischer Struktur und weniger wirtschaftlich, sagt Militärökonom Dr. Marcus M. Keupp. Russland habe keine Handlungsspielräume.
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Entsprechend häufen sich Beschwerden auf Telegram: Da rechnen Kundinnen entnervt vor, wie viele Rubel ihre Einkäufe mittlerweile kosten. Da präsentiert ein Mann eine hochwertige Dubai-Schokolade, die mittlerweile angeblich in abschließbaren Dosen verkauft wird, weil sie sonst geklaut würde. Da fragt eine Frau, womit das neue Jahr begonnen habe? Richtig, mit steigenden Preisen.
Für echte Proteste in der Bevölkerung mag all das nicht reichen. Die Russen sind schlimmeres gewöhnt. Man erinnere sich an die Wirtschaftskrise der 90er Jahre.
Putin präsentiert Erfolge bei Bekämpfung der Inflation
Trotzdem ist der Kreml darauf bedacht, den Unmut in der Bevölkerung zu begrenzen, so Koljandr. "Soweit ich das beurteilen kann", meint er, "ist die Eindämmung der Inflation eine der Prioritäten Putins."
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24.01.2026 | 1:45 minEnde Dezember gab sich Putin auf seiner Jahrespressekonferenz entsprechend als Kümmerer. Der Kremlchef weiß um das Problem und wählt als Beispiel für Erfolge - na klar - die Eierpreise. Die seien im vergangenen Jahr um mehr als 10, fast 16 Prozent gefallen.
Inflation in Russland: 5 Prozent im Dezember 2025
In Busuluk überzeugt das offenbar nicht. Im Video kontert die Kassiererin ironisch, ob es denn „keine Freiheit im Lande“ gebe. Nach einer Anzeige ermittelten die Behörden – fanden jedoch keine Belege für Fehlverhalten.
Russische Telegram-Kanäle berichten, von einer „linguistische Untersuchung“ des russischen Innenministeriums, die allerdings keine Gesetzesverstöße hätte feststellen können. Die Bürger Busuluks müssen also vorerst weiter mit dem Plakat leben – und die Menschen in Russland mit der hohen Inflation.
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