Großbritannien: TV-Verbot für Junkfood - weil Kinder zu dick sind

Kampf gegen Übergewicht:Zu viel Junkfood: Britische Regierung erlässt Werbeverbot

von Wolf-Christian Ulrich, London

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Weil britische Kinder zu ungesund essen, gilt für Fritten, Chips und Co. im TV und im Internet jetzt ein Werbeverbot. Das soll Kinder vor Fettleibigkeit bewahren. Kann das klappen?

Ein Kind sitzt vor einem Burger und Pommes

Um die Fettleibigkeit bei Kindern zu bekämpfen, ist Werbung für ungesunde Lebensmittel in Großbritannien ab sofort im Fernsehen nur noch nach 21 Uhr erlaubt. Im Internet ist sie ganz verboten.

05.01.2026 | 1:53 min

Chips, Donuts, Pommes, Toffee-Puddings, Sandwiches: Für manchen Briten ist das deliziös. Doch aus Sicht der britischen Regierung ist derlei inzwischen: ein echtes Problem.

Niemand in Europa isst so viel "Junkfood" wie die Briten. Mehr als die Hälfte des britischen Speiseplans besteht aus ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln, die meisten von ihnen voll mit ungesundem Zucker, Salz und Fett. Junkfood übersetzt sich etwa mit Müll-Essen. Zum Vergleich: In Italien dagegen sind es nur etwa 13 Prozent.

Großbritannien: Werbeverbot für Junkfood

Die britische Regierung findet, dass vor allem Kinder das nicht mehr essen sollen und hat deshalb ein Werbeverbot für Junkfood erlassen. Tagsüber im Fernsehen - online immer. "Das durchzusetzen war ein harter Kampf," sagt Katherine Jenner von der Obesity Health Alliance.

Die Lebensmittelindustrie hat jede Chance genutzt, das Gesetz zu verwässern und zu verzögern. Wir müssen mehr tun, wenn wir Fettleibigkeit bekämpfen wollen.

Katherine Jenner, Obesity Health Alliance

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06.03.2022 | 44:27 min

Der britische Verband der Lebensmittelindustrie beteuert, man habe den neuen Werbebann schon seit Oktober freiwillig umgesetzt. Doch in den sozialen Medien ist Junkfood-Werbung weiter zu finden. Wo überdies Influencer mit hohen Followerzahlen riesige Summen verdienen, indem sie für große Fast-Food-Ketten oder für eigene, selbst auf den Markt gebrachte Produkte werben.

Dabei sei genau solche Werbung mitverantwortlich für schlechte Essgewohnheiten, so Ernährungsberaterin Clémence Cleave gegenüber dem ZDF.

Wenn man einmal an Fettleibigkeit leidet, dann sind die Chancen hoch, dass man den Rest des Lebens mit diesem Gesundheitsproblem zu tun hat. Deshalb muss man den Trend bei Kindern brechen.

Clémence Cleave, Ernährungsberaterin

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Fast jedes dritte Kind übergewichtig

Fast jedes dritte Kind in England gilt als übergewichtig. Die Folgen zu behandeln, kostet den staatlichen Gesundheitsdienst NHS mehr als dreizehn Milliarden Euro pro Jahr. Dass die Briten so viel Junkfood essen: wohl auch Frage der Esskultur. Viele essen schnell mal zwischendurch, beim Gehen, beim Arbeiten, beim Fernsehen.

Im Vereinigten Königreich gibt es eine Snack-Kultur. In anderen Ländern gibt es bestimmte Zeiten, um zu essen, das ist eine Kulturfrage.

Clémence Cleave, Ernährungsberaterin

Die Werbung im TV und online trage dazu bei, so Experten. "Eine Studie zeigt, dass Leute, die Junkfood-Werbung sehen, sofort 30.000 bis 60.000 Kalorien zusätzlich zu sich nehmen", berichtet Clémence Cleave.

Berlin Food Night

Auf der Berlin Food Night werden innovative Konzepte vorgestellt – von fermentierten Getränken bis Pilz-Myzel. Parallel macht die Berlin Food Week Lust auf Berufe in der Gastronomie mit über 30 Workshops.

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Keine Zeit für gutes Essen

Zudem suggerieren britische Werbespots immer wieder, wer Fertigprodukte bestelle, habe mehr Zeit für die Kinder. Dass man mit den Kindern auch zusammen kochen kann, so gesünder isst und im Vergleich zu Fertigprodukten oft noch Geld spart - sagt die Werbung nicht.

Deshalb genügt ein Junkfood-Werbebann wohl nicht, um etwas gegen die Fettleibigkeit britischer Kinder zu tun, so Experten. Am Ende müssen die Eltern verstehen: Wie ihre Kinder besser und gesünder essen - und sich dafür auch begeistern.

Wolf-Christian Ulrich ist Korrespondent im ZDF-Studio London.

Über dieses Thema berichtete heute - in Europa am 05.01.2026 ab 16:00 Uhr.

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