Google rodet Wald für Rechenzentren in Finnland: Polizei ermittelt

KI-Boom in Finnland:Rechenzentren auf Kosten der Umwelt?

von Henner Hebestreit

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Google hat milliardenschwere Investitionen in Finnland angekündigt, für neue Rechenzentren. Dafür wurden bereits Wälder gerodet, offenbar ohne Genehmigung. Die Polizei ermittelt.

Google-Logo

Google will neue Rechenzentren bauen, rodete für eins in Finnland 330 Hektar Wald vor Abschluss der Umweltprüfung. Jetzt sind die Bauarbeiten gestoppt, bis geklärt ist, ob der Bau genehmigt wird.

22.10.2026 | 2:20 min

Google hat vor allem für KI, Cloud- und Internetdienste einen großen Bedarf an Rechenzentren. Mehrere davon sollen in riesigen Komplexen in verschiedenen Regionen Finnlands entstehen. Dafür hat Google nun Hunderte Hektar finnischer Wälder roden lassen, obwohl die vorgeschriebenen Umweltverträglichkeitsprüfungen nach Behördenmeinung noch nicht abgeschlossen waren.

Polizei ermittelt

Nun hat die finnische Polizei Ermittlungen wegen des Verdachts einer Umweltstraftat am geplanten Standort Muhos aufgenommen: Es geht vor allem um mögliche Mängel bei Planung von Entwässerung und Wassermanagement auf dem Gelände.

Das Rechenzentrum in Muhos im Norden Finnlands ist Teil eines milliardenschweren Ausbauprogramms von Google. Insgesamt will das Unternehmen 13 Milliarden Euro in die finnische Digital- und Energieinfrastruktur investieren. Für die kleine Gemeinde Muhos sind die Hoffnungen entsprechend groß. "Dieses Rechenzentrum hat eine große Bedeutung für ganz Finnland", sagt Bürgermeister Kimmo Hinno.

Natürlich hat es auch eine große Bedeutung für Muhos, für die Stärke unserer Kommune und unsere Zukunft. Es ist für uns eine riesige Sache.

Kimmo Hinno, Bürgermeister Muhos

Seine Gemeinde hofft auf sprudelnde Einnahmen aus Immobiliensteuern - und auf neue Arbeitsplätze. Während der Bauphase rechnet Hinno mit tausenden Beschäftigten. Auch nach Fertigstellung erwartet er eine erhebliche Zahl neuer Jobs. Als Vergleich verweist er auf das kleinere Google-Rechenzentrum im finnischen Hamina mit rund 500 Beschäftigten.

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Bauarbeiten teilweise gestoppt

Aktuell aber ruhen die meisten Arbeiten in Muhos: Google hatte dort nach eigenen Angaben rund 330 Hektar Wald roden lassen. Oberboden wurde abgetragen, Straßen und Lagerflächen angelegt und die Entwässerung verändert. Gleichzeitig war die vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung noch nicht abgeschlossen. Die finnische Aufsichtsbehörde ordnete deshalb den Stopp von Bauarbeiten an, die die Umwelt erheblich verändern können: Mitte Oktober wurden nach Angaben der Google-Tochter Tuike Finland die entsprechenden Arbeiten in Muhos und an einem weiteren Projekt bei Kajaani eingestellt.

"Wie man sieht, wurden hier über 300 Hektar Land gerodet, die oberste Erdschicht wurde abgetragen und mit Erdarbeiten begonnen", kritisiert Hanna Halmeenpää, Vorsitzende des finnischen Naturschutzbundes.

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Behörden verlangen neuen Plan für Wassermanagement

Mittlerweile rücken auch mögliche Folgen für die Gewässer in den Mittelpunkt. Die Aufsichtsbehörde hält die bisherigen Unterlagen zum Wassermanagement für nicht ausreichend, um sicherzustellen, dass Auswirkungen auf Gewässer angemessen verhindert und kontrolliert werden können.

Bis zum 5. November muss Tuike Finland deshalb einen detaillierten Wassermanagementplan vorlegen. Dabei sollen unter anderem Starkregen und Schneeschmelze sowie Risiken durch Schwarzschiefer und säurebildende Böden berücksichtigt werden.

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Nach Angaben der Behörde waren für rund um das Gelände neun Kilometer an neuen Gräben vorgesehen, der größte Teil davon war bereits angelegt. Das hätte von Google allerdings zwei Monate im Voraus gegenüber den Behörden angezeigt werden müssen.

Umweltschützerin Halmeenpää sieht darin ein Risiko: "Wenn die Erdoberfläche abgetragen wurde, werden mit dem Regenwasser Feststoffe wie Humus und Nährstoffe weggeschwemmt."

In dieser Region gibt es sehr viel Schwarzschiefer. Es ist möglich, dass saure Verbindungen in die Gewässer gelangen.

Hanna Halmeenpää, Vorsitzende des finnischen Naturschutzbundes

Ob und in welchem Umfang es tatsächlich zu entsprechenden Umweltbelastungen gekommen ist, ist derzeit nicht belegt. Die Umstände rund um Entwässerung und Wassermanagement sind nun Teil der polizeilichen Ermittlungen. Diese sollen nach Angaben der Polizei voraussichtlich im Laufe des kommenden Jahres abgeschlossen werden.

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In Muhos hoffen viele weiter darauf, dass auf die Rodungen "blühende Landschaften" folgen. Auch wenn man sich in der Gemeinde wundert, wie ein Unternehmen wie Google vollendet Tatsachen schaffen konnte. Bürgermeister Hinno ist sauer:

Google muss sich an die finnische Gesetzgebung halten. In Finnland kann man nicht einfach machen, was man will.

Kimmo Hinno, Bürgermeister Muhos

Google gibt an, die vorbereitenden Arbeiten auf Grundlage seines damaligen Verständnisses der erforderlichen Genehmigungen begonnen zu haben. Ob tatsächlich gegen Umweltrecht verstoßen wurde und strafrechtliche Verantwortung besteht, ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen.

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Die Gemeinde Muhos will trotz allem Ärger das Projekt keinesfalls aufgeben: Bürgermeister Hinno setzt auf eine schnelle Klärung und zügigen Weiterbau: "Ich hoffe, dass erst einmal aufgeklärt wird, wie es zu dieser Situation kommen konnte."

Ich hoffe aber, dass das Projekt fortgesetzt wird, nachdem die Umweltverträglichkeitsprüfung abgeschlossen ist, denn Finnland und auch Muhos braucht solche Projekte.

Kimmo Hinno, Bürgermeister Muhos

Sein Fazit beschreibt das Dilemma der Gemeinde: "Niemand hat etwas davon, wenn das gerodete Gelände so bleibt. Muhos braucht dieses Projekt."

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Über dieses Thema berichtete heute in Europa am 22.10.2026 in dem Beitrag Finnland: Rodung stoppt Googles Großprojekt ab 16 Uhr.

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