Fake-Panzer vor dem Kanzleramt:Massive Kritik an Google: Neues Werkzeug für KI-Manipulation
von Nils Metzger
Ein neues Google-Feature erleichtert die KI-Manipulation von Satellitenbildern - so lassen sich etwa erfundene Bombenkrater einzeichnen. Experten warnen vor gefährlichen Folgen.
Ein neues Feature im Kartendienst Google Earth erleichtert die KI-Manipulation von Satellitenfotos - so lassen sich etwa falsche Bombenkrater einzeichnen. Experten warnen vor gefährlichen Folgen.
31.07.2026 | 1:15 minSatellitenbilder sind ein mächtiges Werkzeug für Forscher und Journalisten weltweit, wenn es darum geht, die Wahrheit herauszufinden. Die mutmaßliche US-Bombardierung einer Schule in Iran, russische Militärbewegungen, Umweltzerstörung weltweit: Bei all diesen Themen liefern Aufnahmen aus dem All essenzielle Erkenntnisse. Und durch Dienste wie Google Earth oder Google Maps sind viele solcher Daten für alle frei zugänglich.
Nun hat der Software-Gigant ein neues Feature bei Google Earth eingeführt: Mit nur einem Klick können Nutzer dort eine Künstliche Intelligenz beauftragen, Kartenausschnitte nach ihren Wünschen zu verändern oder Objekte einzufügen.
Google-Ankündigung für neues KI-Feature
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Zuerst war der niederländische Recherche-Experte Henk van Ess auf diese neue Option in der Software gestoßen. Auf seinem Blog warnt er vor einem großen Potenzial für Missbrauch: "Was um alles in der Welt macht Google da?", schreibt van Ess.
Nach einer Entscheidung der Europäischen Kommission soll der US-Konzern Google 890 Millionen Euro Strafe zahlen. Anlass sind Verstöße gegen das EU-Gesetz über digitale Märkte.
23.07.2026 | 2:57 minSolche Manipulationen sind möglich
Auch ZDFheute konnte leicht bedenkliche Bilder generieren. Etwa Aufnahmen von einem zerstörten Bahnhof Friedrichstraße in Berlin, oder Panzer, die vor dem Bundeskanzleramt auffahren.
Ein KI-manipuliertes Kartenbild von Google Earth: Panzer stehen vor dem Bundeskanzleramt
Quelle: Google Earth / ZDFheuteDie Bilder weisen viele Fehler auf, sind für Experten schnell als Fälschung zu identifizieren - mal stimmen Details oder Größenverhältnisse bei den Panzern nicht, oder die Schiffe auf der Spree scheinen von der eingestürzten Eisenbahnbrücke nicht beeinträchtigt zu werden. Die KI-Bearbeitung verändert auch viele der Kartenbeschriftungen bis zur Unkenntlichkeit. Mit mehr zeitlichem Aufwand und einem Bezahl-Abonnement für den Google-Dienst können auch aufwändigere Fake-Bilder erstellt werden.
Anschläge oder Katastrophen erfinden: Eine in Google Earth KI-manipulierte Aufnahme des Bahnhofs Friedrichstraße in Berlin.
Quelle: Google Earth / ZDFheuteAuch bei fehlerbehafteten manipulativen Bildern besteht die Gefahr, dass weniger bewanderte Nutzer sie nicht erkennen. In einer aufgeladenen Nachrichtenlage können sie dennoch viral gehen. Und die Glaubwürdigkeit von Satellitenaufnahmen insgesamt kann künftig leichter in Zweifel gezogen werden.
Die EU-Kommission hat das Verhängen der Strafe gegen Google immer wieder aufgeschoben. Es bestehe Sorge, dass US-Präsident Trump "zurückschlägt", so ZDF-Korrespondent Röller.
23.07.2026 | 1:11 minExperten kritisieren Google: Sind sie "dumm oder böse"
Die Reaktion von Experten im Netz zeigt breites Entsetzen über das neue Werkzeug im Kartendienst.
"Ist Google dumm oder sind sie böse?", fragt die britische Journalistin Carole Cadwalladr, die den "Cambridge Analytica"-Skandal aufdeckte.
Der potenzielle Schaden ist so unfassbar offensichtlich.
Carole Cadwalladr, Investigativjournalistin
"Die Möglichkeiten für Missbrauch und Desinformation sind grenzenlos", beklagt Evan Hill, Recherchespezialist bei der "Washington Post". "Wer dachte, dass das eine gute Idee ist?", schreibt Kyle Glen von der auf die Untersuchung von Kriegsverbrechen spezialisierten Organisation Centre for Information Resilience.
Wegen unzulässiger Wettbewerbspraktiken soll Google eine Millionenstrafe zahlen. Das Urteil der EU-Kommission sei mild, aber zwingend nötig, so KI-Expertin Miriam Meckel.
23.07.2026 | 4:52 minGoogle verweist auf SynthID-Wasserzeichen als Schutz
Google selbst reagierte am Freitag auf die breite öffentliche Kritik mit einem kurzen Statement auf dem Dienst X. Dort verwies das Unternehmen darauf, dass man das Generieren von Bildern zu "schädlichen Themen" verhindere. Die zahlreichen kursierenden Screenshots von manipulierten Aufnahmen belegen jedoch das Gegenteil.
"Wir nehmen Missinformation ernst", heißt es weiter. Bilder, die über das Werkzeug in Google Earth erstellt werden, enthielten ein sogenanntes SynthID-Wasserzeichen, mit dem Nutzer überprüfen könnten, ob es sich um ein KI-generiertes Bild handle.
Sie hatten solche Sehnsucht: Aliens landen angeblich auf Sylt. Auch lustig gemeinte KI-Fakes können missverstanden werden oder ernste Folgen haben.
Quelle: Google Earth / ZDFheuteSynthID-Markierungen hinterlegt Google bei allen Bildern, die mit seinen KI-Diensten erstellt wurden. Sie sind auch für Journalisten ein wichtiges Hilfsmittel, um Manipulationen zu erkennen. Da sie für das menschliche Auge jedoch unsichtbar im Bild hinterlegt sind und einzeln händisch durch Nutzer mit Googles KI-Diensten überprüft werden müssen, dürften sich viele Nutzer im Netz dennoch täuschen lassen.
Glaubwürdigkeit echter Bilder wird leiden
Mit Künstlicher Intelligenz veränderte Satellitenbilder waren auch zuvor schon möglich - ZDFheute berichtete etwa über gezielt veränderte Aufnahmen iranischer Angriffe auf eine US-Basis in Bahrain in diesem Jahr.
Doch je leichter die Manipulation ist, desto einfacher ist es, das Internet mit solchen Aufnahmen zu fluten. Personen wie Staaten können solche Werkzeuge nutzen, um Fakes zu verbreiten, oder die Glaubwürdigkeit echter Aufnahmen in Zweifel zu ziehen.
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