Merz macht Iran ein Angebot

Analyse

Sanktionen als Druckmittel:Merz macht Iran ein Angebot

Wulf Schmiese

von Wulf Schmiese

|

Der Iran-Krieg hat Folgen weit über die Region hinaus. Auch die deutsche Wirtschaft lahmt. Der Kanzler signalisiert Teheran nun Zugeständnisse. Doch er hat zwei Bedingungen.

Wulf Schmiese ist mit einem Mikrofon zu sehen, im Hintergrund ist eine Fluglandebahn mit Flugzeug zu sehen.

In Zypern kommen die EU-Regierungschefs zusammen. "Das Hauptthema wird Iran sein", sagt ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese.

23.04.2026 | 1:50 min

Näher ran an Iran hätte Friedrich Merz innerhalb der EU nicht kommen können. Am Donnerstagabend ist er in Zypern gelandet zum informellen Europäischen Rat. Der geteilte Inselstaat - im Süden griechisch, im Norden türkisch - hat die Ratspräsidentschaft inne. Zypern ist daher Gastgeber dieses Gipfeltreffens - und liegt geografisch fast schon im Nahen Osten.

Iran ist von hier zwar noch immer fast 1.500 Kilometer entfernt, doch beim Dinner wohl das buchstäblich brennendste Thema. Und das, obwohl auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilnimmt. Denn wie Bundeskanzler Merz sind hier alle Staats- und Regierungschefs Europas in größter Sorge um die heimische Wirtschaft - wovon wiederum die Kraft abhängt, mit der die Ukraine weiter gegen Russland unterstützt werden kann.

Symbolbild: Flaggen der EU und von Zypern

In Zypern treffen sich die EU Staats- und Regierungschefs. Die Themen: Iran, Ukraine, Energie.

23.04.2026 | 3:48 min

Folgen des Iran-Kriegs treffen auch Deutschland

Eben erst hat die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose halbieren müssen auf mickrige 0,5 Prozent. Der erwartete - und trotz enormer Neuverschuldung ausgebliebene - Aufschwung werde durch "geopolitische Schocks ausgebremst", sagte Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) vor der Abreise des Kanzlers. "Der Krieg im Iran treibt die Preise für Energie und Rohstoffe in die Höhe", so ihre Begründung.

500 Millionen Euro pro Tag koste der Krieg Europa, rechnete der EU-Energiekommissar Dan Jorgensen vor. Jeder der Gipfelteilnehmer kann die erschreckenden Zahlen in seinen Unterlagen finden, wie auch diese düstere Aussicht des Kommissars, dass es auf Jahre schwierig werden könne:

Selbst im besten Fall ist es noch schlimm.

Dan Jorgensen, EU-Energiekommissar

Vorstellung der Fruehjahrsprojektion 2026 der Bundesregierung

Die Bundesregierung senkt ihre Wachstumsprognose in Folge des Iran-Kriegs deutlich: Statt 1 Prozent werden nur noch 0,5 Prozent erwartet.

22.04.2026 | 1:30 min

Merz macht Iran ein Angebot

Merz will dazu beitragen, dass der Konflikt befriedet und die Straße von Hormus wieder frei für die Schifffahrt wird. Die Verlängerung des Waffenstillstands zwischen den USA und Iran lobt er als "eine wichtige Chance, die diplomatischen Verhandlungen in Islamabad fortzusetzen, um Frieden zu schließen und eine Eskalation des Krieges abzuwenden".

Doch neu ist ein Angebot, das Merz an Iran sendet in einer schriftlichen Mitteilung des Bundespresseamts:

Gelingt eine umfassende Übereinkunft, ist die Bundesregierung bereit, mit ihren Partnern schrittweise bestehende restriktive Maßnahmen zu lockern.

Schriftliche Mitteilung des Bundespresseamts

Die Drohung folgt gleich im nächsten Satz: "Blockiert der Iran dagegen weiterhin die Straße von Hormus, steht die Bundesregierung bereit, zusätzliche Sanktionen zu erörtern."

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) komm am Flughafen Larnaka International auf Zypern an.

Ankunft in Zypern: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor dem informellen Gipfel der EU Staats- und Regierungschefs.

Quelle: dpa

Hilfe unter Bedingungen

Als stärkstes EU-Land hat Merz bereits konkrete Hilfe angeboten: Minenkampfboote und Seefernaufklärer, also Flugzeuge zur Überwachung und Ortung am Persischen Golf. Doch er hat zwei Bedingungen: Eine "verlässliche Waffenruhe" ist die eine - und scheint wegen des täglichen Hin und Her zwischen Iran und USA nicht erfüllt. Die andere Bedingung des Kanzlers ist ein "internationales Mandat". Erst dann könne der Bundestag grünes Licht geben für einen Einsatz deutscher Soldaten.

Ein UN-Mandat wäre Merz das Liebste. Doch es werden in Zypern offenbar auch andere Möglichkeiten erwogen, mit denen die Bundesregierung leben könnte. Merz betont allerdings immer wieder, bis dahin sei der Weg noch weit.

Us-Präsident Trump vor einer Karte von Iran

US-Präsident Trump hat die auslaufende Waffenruhe vorzeitig verlängert. Iran war nicht daran beteiligt. ZDFheute live schaut auf die aktuellen Entwicklungen.

23.04.2026 | 33:03 min

Hoffnung auf eine dauerhafte Lösung

Merz klingt, als hoffe er auf eine diplomatische Lösung von Dauer. Zwischen den USA und einem Regime in Teheran, von dem zumindest nicht mehr geopolitisch Gefahr ausgeht für den Handel.

So hoffen sie heute schon im Hafen des weltbekannten Badeorts Ayia Napa, umgeben von hunderten Mega-Jachten der Reichen, dass der Krieg von allein endet. Damit Europa nicht ärmer wird und seine Wirtschaft endlich wieder wächst.

Wulf Schmiese ist stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios.

Über dieses Thema berichtete das ZDF in mehreren Sendungen, darunter das ZDF-Mittagsmagazin am 23.04.2026 ab 12:30 sowie heute am 23.04.2026 ab 17:00 Uhr.

Mehr zum Iran-Krieg

  1. Die Halle im Azadi-Sportkomplex in der iranischen Hauptstadt liegt in Trümmern, nachdem eine Reihe von Angriffen der USA und Israels die Anlage zerstört hat
    Liveblog

    Aktuelle Entwicklungen der Eskalation:Iran-Krieg: Alle Nachrichten im Liveblog


  2. Sicherheitspersonal steht neben Schildern zu den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran vor einem Medienzentrum. (Archiv)
    Interview

  3. Reza Pahlavi (M.), im Exil lebender Sohn des letzten Schahs des Iran, spricht nach einer Pressekonferenz in der Bundespressekonferenz mit den Medien in Berlin, Deutschland, am 23. April 2026.

    Dramatischer Appell in Berlin:Schah-Sohn Pahlavi warnt vor Verhandlungen mit "Schlächtern"

    von Daniel Pontzen

  4. Symbolbild: Flaggen der EU und von Zypern

    Staats- und Regierungschefs in Zypern:EU-Gipfeltreffen von Iran-Krieg überschattet

    mit Video1:44