Schah-Sohn Pahlavi warnt vor Verhandlungen mit "Schlächtern"

Dramatischer Appell in Berlin:Schah-Sohn Pahlavi warnt vor Verhandlungen mit "Schlächtern"

Daniel Pontzen

von Daniel Pontzen

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Mit Berichten über brutale Hinrichtungen mahnt der Exil-Iraner Pahlavi die deutsche Öffentlichkeit: Neutralität sei keine Option. Bei seinem Besuch wird er mit Farbe attackiert.

Reza Pahlavi

Der Besuch des iranischen Exilpolitikers Reza Pahlavi in Berlin polarisiert: Einige sehen in ihm einen Hoffnungsträger, andere einen potenziellen Unterdrücker.

22.04.2026 | 0:19 min

Diesmal war es anders. Oft geht es im großen Saal der Bundespressekonferenz (BPK) gleich neben dem Bundestag in Berlin ums gesetzgeberische Kleinklein, um Ministeraussagen und Ausschusstermine. Diesmal war es anders.

Diesmal ging es um eine 38-jährige Krankenschwester, die vor den Augen ihres Kindes und ihres Ehemanns exekutiert worden sei, per Schuss ins Herz.

Schergen des Mullah-Regimes hätten während der Proteste im Januar ihr Zuhause gestürmt, nachdem sie dort zuvor Demonstranten Zuflucht gewährt und sie versorgt habe, so erzählt es der weltweit wohl bekannteste iranische Exil-Oppositionelle, der heute zu Gast ist in der BPK: Reza Pahlavi, Sohn des früheren Schahs von Persien.

Demonstrierende halten Portrait des Sohn des Schahs hoch

Die iranische Oppostion im In- und Ausland ist zerstritten. Trotzdem gilt besonders eine Figur als Gegenspieler des Mullah-Regimes und möglicher Kandidat für eine neue Regierung.

28.02.2026 | 3:13 min

40.000 Iraner ermordet?

Neben dem Schicksal der Krankenschwester nennt er einige weitere, weil er der Meinung ist, dass das leichter verständlich sei als die Zahl 40.000. So viele Iraner, vorwiegend junge, habe das Regime ermordet, nachdem sie für ihre Freiheit protestiert hatten. Eine Zahl, die von westlichen Medien nicht verifiziert werden kann, aber von Fachleuten als realistisch eingestuft wird.

Pahlavi, 65, galt vielen zum Jahreswechsel als mögliche künftige Führungsfigur des Iran, sollte es einen Regime-Change geben. Damals hatte US-Präsident Donald Trump - wie Pahlavi - die iranischen Demonstranten lautstark ermutigt, ihre vermeintliche Chance zu ergreifen - es wirkte für viele wie ein Jetzt-oder-nie-Moment.

Doch nach seinem strategischen Desaster versucht Trump sich längst mit den neuen Vertretern des alten Regimes zu verständigen, Regime-Change: offenbar abgesagt.

Ein Polizeibeamter geht vor einem Medienzentrum an einer Plakatwand zu den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran vorbei.

In Pakistans Hauptstadt Islamabad ist alles für weitere Verhandlungen vorbereitet. Allerdings lassen beide Seiten offen, ob es zu neuen Verhandlungen kommt.

20.04.2026 | 1:28 min

Pahlavis zentrale Botschaft

Wenn es so etwas wie die zentrale Botschaft gibt bei seinem Auftritt heute, dann die, dass das iranische Volk derzeit vom Rest der Welt ignoriert werde. Die Menschen hätten keine Stimme am Verhandlungstisch, stattdessen sehe man tagtäglich weltweit in den Fernsehnachrichten die Vertreter des Schlächter-Regimes.

Dass viele westliche Regierungen nun darauf hofften, dass es sich bei Teherans neuer Führungsriege nun um Pragmatiker handle, mit denen man künftig gut auskomme, sei ein teurer Trugschluss.

Das Regime werde sich aber nicht ändern, so Pahlavi, könne es gar nicht, es könne vielmehr nur dann fortexistieren, wenn es weiter mache als Ideologie-Exporteur. Auch Deutschland hatte Anfang April erklärt, die Kontakte zum Regime wieder aufzunehmen.

"maybrit illner" im ZDF

Sendungshinweis: Reza Pahlavi ist heute um 22:15 Uhr zu Gast in der ZDF-Sendung „maybrit illner“ mit dem Thema „Welt im Öl-Schock – unterschätzt die Regierung die Krise?"

23.04.2026 | 0:28 min

Pahlavi mit roter Flüssigkeit attackiert

Proteste in Berlin richteten sich derweil auch gegen Pahlavi selbst. Während seines Besuchs wurde Pahlavi mit roter Farbe attackiert. Danach wurde ein Mann festgenommen, wie die Polizei mitteilt. Die soßenartige Flüssigkeit war auf der Schulter und am Hals Pahlavis zu sehen.

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Im Vorfeld hatte etwa die Gesellschaft von Deutsch-Iranern (GDI) darauf hingewiesen, dass Pahlavi zwar als Verfechter eines freien und demokratischen Iran auftrete, sich jedoch öffentlich stets geweigert habe, sich klar von der autoritären und brutalen Regentschaft seiner Familie zu distanzieren und auch künftig eine Monarchie im Iran nicht ausschließen wolle.

Hierzu befragt sagte Pahlavi nun, man möge ins europäische Ausland schauen: in Belgien, Schweden oder Großbritannien gebe es auch ein Nebeneinander von Monarchie und Demokratie - im Iran sollten die Menschen eines Tages selbst darüber entscheiden, welches System sie für sich am besten geeignet finden.

Ein Mitglied der iranischen paramilitärischen Basij-Truppe zeigt bei einer Militärparade außerhalb von Teheran das Victory-Zeichen.

Der Krieg zwischen den USA und Iran stärkt vor allem die iranischen Revolutionsgarden. Sie sind inzwischen die Herrscher im Land und schwören das Volk auf einen langen Kampf ein.

22.04.2026 | 6:06 min

Gespräche mit CDU und SPD

Dem Vorwurf, er handle im Auftrag Israels, entgegnete Pahlavi, er sei "ein Freund Israels", aber "nicht Israels Agent" - und verwies auf die "biblische Verbindung" beider Völker und darauf, dass sein Land einst auch jüdischen Flüchtlingen Zuflucht gewährt habe, die von Hitler verfolgt wurden.

Die Frage, die nun zu stellen sei, laute nicht, ob es einen Regimewechsel geben müsse, sondern wie viele unschuldige Tote es auf dem Weg dahin geben werde.

Im Anschluss an seine Pressekonferenz standen Gespräche mit Bundestagsabgeordneten auf dem Programm, mit Armin Laschet (CDU) etwa und Adis Ahmetović (SPD). Die Grünen sagten ihre Teilnahme ab.

Ali Chamenei bei einer Veranstaltung am Tag der Berufung in Teheran

Stürzt Irans Regime, stellt sich die Frage: Was kommt danach? Aus dem US-Exil meldet sich immer häufiger Reza Pahlavi, der Sohn des gestürzten Schahs.

28.02.2026 | 3:31 min

Pahlavi: Neutralität keine Option

Ob er weiter auf Trump zähle, der kürzlich drohte, die iranische Zivilisation auszulöschen, wurde Pahlavi gefragt. Man solle Washington an seinen Taten messen, nicht an Social-Media-Posts. Prinzipiell gelte: Ein Land, das wie der Iran 25 Jahrhunderte existiere, sorge sich nicht vor einem, das in Kürze seinen 250. Geburtstag feiere. Was in den USA am 4. Juli der Fall ist.

Der Westen dürfe nun seine Augen nicht verschließen, so Pahlavi, es gebe Momente in der Geschichte, wo Neutralität keine legitime Option sei. Das alte Regime in neuer Besetzung anzuerkennen bedeute, dabei zuzusehen, wenn unschuldige Menschen geschlachtet würden.

Das Schicksal der Krankenschwester, von der Pahlavi eingangs erzählte, habe mit ihrer Ermordung nicht geendet. Danach sei ihre Leiche von Schergen des Regimes sexuell missbraucht worden. Fotos davon seien dann dem Ehemann geschickt worden.

Daniel Pontzen ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.

Über das Thema berichtet ZDFheute Xpress am 22.04.2026 in dem Beitrag "Schah-Sohn Pahlavi in Berlin erwartet" um 21:00 Uhr

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