Protestbewegung im Iran-Krieg:Demonstrant: Das Regime ist "ein bösartiger Tumor"
In den Irak geflohene iranische Demonstranten blicken mit Genugtuung auf die Bombardierung Irans. Nur mit ausländischer Hilfe könne Iran vom Regime befreit werden, sagen sie.
Der Protestaufruf des 29-jährigen Iraners Ali Rezai-Majd ging viral. Inzwischen ist er in den Irak geflohen.
Quelle: ZDFDer 29-jährige Ali Rezai-Majd schloss sich im Januar der iranischen Protestbewegung an. Sein Protestaufruf ging viral: Auf Instagram wurde sein Video neun Millionen Mal angeklickt. Der Fitnesstrainer und Ernährungscoach aus Dorud in der westiranischen Provinz Lorestan musste untertauchen, nachdem Agenten in Zivil nach ihm fahndeten. Schließlich floh er ins nordirakische Kurdistan. Ein Gespräch.
Mehr als drei Millionen Menschen aus Iran sind auf der Flucht, einige erreichen den Irak. ZDF-Reporterin Golineh Atai spricht mit Betroffenen über Angst, Verlust und Hoffnung.
23.03.2026 | 4:44 minZDFheute: Warum wurden sie im Januar zur Stimme der Demonstranten?
Ali Rezai-Majd: Der Grund waren unsere Lebensbedingungen: die tiefe Korruption des Staatsapparats, die Diktatur, die Armut, die fehlende Aufmerksamkeit für die Belange der Bevölkerung. Drogen fordern in Iran extrem viele Opfer. Als Sportler - und es gibt viele Sportler in Irans Protestbewegung - habe ich eine Lebensform gewählt, die Drogen entschieden ablehnt. Nach meiner Beobachtung arbeitet die Regierung zuweilen aktiv daran, zum Drogenkonsum zu ermutigen - durch ihre Medien, durch ihre Entertainer und Sänger.
In einem Land, in dem alles teuer ist, sind Drogen so billig wie Mineralwasser.
Ali Rezai-Majd
In Iran gehen die Menschen seit Wochen auf die Straße. Erst gegen die hohen Preise, weiteten sich die Demonstrationen zu Protesten gegen das Regime aus. Und das schlägt mit aller Härte zurück.
14.01.2026 | 6:40 minAll diese Gründe waren ausschlaggebend für die Proteste. Wer in Iran protestiert, spielt mit seinem Leben. Aber der Druck, der auf den Leuten lastete, war gewaltig. Irgendwie hatte mich mein Ehrgefühl gepackt, die Stimme der Jugendlichen zu sein, die ich im Fitnessstudio betreute.
Ich habe mich für einen Weg entschieden, der gleichbedeutend mit dem Tod ist. Ich wusste, dass die Leute jemanden brauchen, der ihre Stimme ist. Der ihren Mut vervielfältigt.
Ich habe gesagt, dass ich weder der Mossad bin noch sonst ein ausländischer Agent. Ich bin nur ein Mensch.
Ali Rezai-Majd
Während Israel und die USA Iran angreifen, feuert Iran Raketen und Drohnen auf Nachbarstaaten. Auch dort gibt es Verletzte, sind die Menschen in Angst oder auf der Flucht.
11.03.2026 | 14:39 minZDFheute: Sie veröffentlichten das Video vor dem Höhepunkt der Proteste. Was passierte dann?
Rezai-Majd: Das Video war mein Todesurteil. Meine Schüler sagten mir, dass ich nur wenig Zeit hätte und Agenten in Zivil mich suchten.
Ich zerstörte meine SIM-Karte und haute mit zwei Koffern ab. In Nord-Iran tauchte ich unter.
Ali Rezai-Majd
Ich sah, wie die Menschen auf der Straße alles riskierten. In Ramsar sah ich, wie schnell Proteste durch gezielte Schüsse im Keim erstickt wurden. Im benachbarten Rascht konnten sie die Menge nicht so schnell kontrollieren. Anfang Januar sah ich, wie die Beamten in Zivil von Motorrädern aus auf die Leute schossen. Wie die Demonstranten die Moschee und Banken in Brand setzten.
In Iran sind Moscheen keine Orte der Andacht, sondern von dort kontrolliert das Regime die Menschen.
Ali Rezai-Majd
Erst setzt Donald Trump Iran ein Ultimatum wegen der blockierten Straße von Hormus. Nach "produktiven Gesprächen" mit Iran ist es verschoben. Iran dementiert Gespräche mit den USA.
23.03.2026 | 2:48 minZDFheute: Wie blicken Sie von hier aus nach Iran?
Rezai-Majd: Manche fragen mich hier, wie ich froh sein kann über die Bombardierung meines Landes. Ich sage ihnen, dass Iran wie ein Körper ist mit einem großen, bösartigen Tumor. Ohne das Messer und ohne Blutvergießen kann er nicht entfernt werden. Aber die Operation macht mich glücklich. Es kann sein, dass dabei etwas Wichtiges verletzt wird. Aber es wird getan, damit ich leben kann. Alle Iraner freuen sich, wenn die Zentren der Macht angegriffen werden. Wir akzeptieren den Preis für diese Operation.
Wenn es jetzt keine Angriffe gegeben hätte, würde es bedeuten, dass Tausende Demonstranten im Januar umsonst gestorben sind.
Ali Rezai-Majd
Das Regime in Teheran sei "ein Gewaltregime", sagt Außenminister Wadephul. Was dort geschehe, "an Unterdrückung des Volkes, an Misshandlung von Menschen, ist inakzeptabel", betont er im ZDF.
11.01.2026 | 2:50 minZDFheute: Wer sollte die Islamische Republik ersetzen?
Rezai-Majd: Ich habe meinen Protest im Namen von Reza Pahlavi begonnen, der für mich der rechtmäßige Thronfolger in Iran ist. Auch hier im kurdischen Nord-Irak bleibe ich Pahlavi treu. Er ist die beste, die stärkste, die populärste oppositionelle Kraft in Iran. Ich komme aus der Volksgruppe der Loren, die traditionell den Kurden nahesteht. Wir haben gemeinsame Wurzeln. Ich sehe hier den Graben in Irans Opposition. Die Kurden sind mir sehr sehr nahe. Wenn ich mit ihnen rede, sagen sie mir, dass sie in der Zeit vor der Revolution, unter dem letzten Schah, keine guten Erfahrungen gemacht haben. Darüber muss man miteinander reden. Ich will, dass alle Kurden in West-Iran selbst entscheiden, wie sie leben möchten. Seine Hoheit Reza Pahlavi hat immer gesagt, dass es für den Machtübergang Wahlen geben muss. Ich fühle mich den Kurden brüderlich verbunden.
Die Kurden haben immense Opfer gebracht im Freiheitskampf, mehr als andere.
Ali Rezai-Majd
Ich finde, Pahlavi muss klar und deutlich den Willen des Dialogs mit ihnen zeigen.
ZDFheute: Wie sehen Sie die nächsten Tage und Wochen?
Rezai-Majd: Es darf keinen Druck auf die USA und Israel geben. Sie reinigen unser Land. Ab einer gewissen Stelle müssen wir selbst mit dem Reinigen beginnen. Wir im Volk können nur Waffe gegen Waffe kämpfen, wir haben keine Raketen. Der Tumor wird von den USA und Israel entfernt, wir sind die weißen Blutkörperchen, die dann aktiv werden müssen. Und zwar gegen die Bassidsch-Milizen des Regimes, die wie gewöhnliche Leute unter uns leben und kaum erkennbar sind für Ausländer.
Zerstörungen in Iran und im Libanon, Raketenalarm in Israel: Die gegenseitigen Angriffe im Nahen Osten gehen weiter. Kanzler Merz äußert sich besorgt über die Kriegsführung.
10.03.2026 | 2:41 minZDFheute: Sie meinen, es wird eine Phase des Bürgerkriegs geben?
Rezai-Majd: Ich kann nur für jene sprechen, mit denen ich in Kontakt bin - und die stellen mir ständig die Forderung nach Waffen. Jemand möge kommen und sie organisieren.
Die iranisch-kurdischen Kämpfer hier im Nord-Irak sind genau darin ausgebildet. Ich hoffe, wir kämpfen eng an ihrer Seite.
Ali Rezai-Majd
Wenn wir eins sind mit ihnen, erzielen wir schnellere Resultate. So erfolgreich die Islamische Republik Drogen verbreitet hat, so sehr hat sie kontrolliert, das Volk gründlich zu entwaffnen - sie wissen genau, was sonst passieren würde. Die Iraner würden sich freuen, Waffen zu bekommen. Es gibt nur diese eine Gelegenheit. Die Welt wird noch überrascht sein über den mutigen Freiheitskampf der Iraner.
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Das Interview führte Golineh Atai, Studioleiterin in Kairo.
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