Krieg in Nahost:Experte: USA bei Iran-Verhandlungen in schwächerer Position
Die USA müssten einsehen, dass sie keine Alternative zu Verhandlungen haben, um den Krieg zu beenden, sagt Nahost-Experte Andreas Reinicke. Teheran sitze am längeren Hebel.
Das Gespräch mit Nahost-Experte Reinicke im Video.
23.04.2026 | 22:29 minAm Verhandlungstisch rund um ein Ende des Iran-Kriegs müssen die USA sich eingestehen, dass sie in der schwächeren Position sind. Dieser Überzeugung ist Nahost-Experte Andreas Reinicke. Bei ZDFheute live sagt er, dass US-Präsident Donald Trump nicht weiter auf militärischen Druck setzen könne, der bewirke offensichtlich nichts.
Wann beide Parteien überhaupt an den Verhandlungstisch zurückkehren, ist allerdings offen - während die Blockade der Straße von Hormus die Weltwirtschaft weiter unter Druck setzt.
Sehen Sie das Interview oben im Video in voller Länge und lesen Sie nachfolgend eine Zusammenfassung der Aussagen.
Iran-Krieg: "Wer kann es länger durchhalten?"
Trump macht die Öffnung der Meerenge zur Bedingung für die Waffenruhe, zugleich hält er an der US-Seeblockade fest, die Schiffe betrifft, die aus iranischen Häfen kommen oder diese ansteuern. Die jüngsten iranischen Angriffe auf Frachter in der Straße von Hormus zeigen jedoch, dass Teheran die Meerenge nach wie vor fest im Griff habe und dadurch die Belastung für die Weltwirtschaft weiter verschärfen kann, schreibt die "New York Times".
Einschätzungen der ZDF-Korrespondenten Elmar Theveßen aus New York und Phoebe Gaa aus Islamabad zur aktuellen Situation sowie zur Frage, ob es in Pakistan erneut Verhandlungen geben wird.
23.04.2026 | 7:11 minReinicke erklärt bei ZDFheute live, dass der "schwarze Peter" im Persischen Golf nicht länger Teheran ist. Bisher habe Iran als der Böse gegolten, der die Straße von Hormus blockierte, aber "auf einmal liegt der Druck auf den Amerikanern, denn alle sagen, die Amerikaner haben Schuld daran, dass die Straße von Hormus geschlossen ist." Weiter sagt er mit Blick auf die Blockade:
Es läuft wirklich darauf hinaus: Wer kann es länger durchhalten?
Andreas Reinicke, Nahost-Experte
Natürlich leide die iranische Bevölkerung, das sei für die Regierung aber vermutlich ein zweitrangiges Problem. Fraglich sei vielmehr, ob das iranische Regime auch leide und ob das Geld noch reiche, um Waffen und die eigenen Leute zu bezahlen, so Reinicke.
Experte: Für USA gibt es keine Alternative zu Verhandlungen
Die USA müssten angesichts der gesperrten Straße von Hormus jedoch erkennen: "Eigentlich sitzen die Iraner in einer besseren Position am Verhandlungstisch als das noch vor einem halben Jahr der Fall war." Militärischer Druck bewirke offenbar nichts, sagt Reinicke, weshalb er für die USA keine Alternative zu Verhandlungen sehe. "Die ganze Weltwirtschaft (würde) endgültig in die Knie gehen", sollte die Blockade noch ein halbes oder gar ganzes Jahr andauern.
In Zypern kommen die EU-Regierungschefs zu einem informellen Treffen zusammen. Dabei wird es laut ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese um die andauernde Blockade der Straße von Hormus gehen.
23.04.2026 | 1:50 minUnd: "Man darf nicht vergessen: Die Iraner haben auch noch eine zusätzliche Karte, nämlich die Huthis im Roten Meer", sagt Reinicke. Die Miliz könne ebenfalls zur Schließung der Straße von Hormus beitragen, etwa durch das Entern von Schiffen.
Doch Reinicke sieht Möglichkeiten zu Kompromissen zwischen Iran und den USA: Die Öffnung der Straße von Hormus könnte durchaus ein Zugeständnis durch Iran sein, im Zweifelsfall auch mit einem Mautsystem. Auch bei der Frage, ob - beziehungsweise wie - Iran Atomkraft friedlich nutzen darf, seien Kompromisse möglich, so Reinicke.
Das Interview führte Philip Wortmann, zusammengefasst hat es Marie Ahlers.
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von Daniel Pontzen