Steigende Nachfrage:Wie der Iran-Krieg den Solarboom befeuert
Rasant steigende Preise für Öl, Gas und Strom - da denken viele Hausbesitzer über die eigene Energiequelle nach. Die Solarbranche jedenfalls registriert eine steigende Nachfrage.
Die eigene Energiequelle auf dem Dach: Solaranlage
Quelle: dpaDer Krieg in Iran hat eine globale Energiekrise ausgelöst - und ist zum Weckruf für Hausbesitzer in ganz Europa geworden. Denn um den explodierenden Kosten zu entkommen, setzen immer mehr auf eine eigene Energiequelle auf dem Dach: die Solaranlage.
In Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden hat sich die Nachfrage nach solchen Anlagen seit Kriegsbeginn teils mehr als verdoppelt, berichtet die Agentur Reuters und verweist auf Zahlen von Energieversorgern und Großhändlern. Demnach ist die Motivation der Kunden nicht nur finanzieller Natur - es geht auch um Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit.
Im Kampf gegen steigende Energiepreise setzt die Bundesregierung auf Tankrabatte. Experten sehen darin eine politische Rolle rückwärts und fordern die zügige Abkehr von fossilen Brennstoffen.
19.04.2026 | 3:52 minSolar-Firmen verzeichnen stark steigende Nachfrage
Die Zahlen belegen den Ansturm. Der Großhändler Solarhandel24 verdreifachte seinen Nettoumsatz im März im Vergleich zum Vorjahr auf fast 70 Millionen Euro und rechnet für April mit einer weiteren Verdreifachung. Das Unternehmen will deshalb rund ein Drittel mehr Personal einstellen. Auch das deutsche Solar-Unternehmen Enpal verzeichnete im März einen Auftragsanstieg um 30 Prozent auf 130 Millionen Euro. Der Energiekonzern E.ON berichtet von einer Verdopplung der Kundenanfragen. "Das lässt sich nicht allein mit saisonalen Faktoren erklären", sagt E.ON-Manager Filip Thon. Die Aktie des Wechselrichter-Herstellers SMA Solar ist seit Kriegsbeginn um 50 Prozent gestiegen.
"Dies ist eine Frage der europäischen Widerstandsfähigkeit", sagt Mario Kohle, Gründer und Chef von Enpal. "So wie Europa in der Lage sein muss, sich selbst zu verteidigen, müssen wir auch in der Lage sein, uns selbst mit Energie zu versorgen." Janik Nolden, Mitgründer von Solarhandel24, sieht das ähnlich.
Der Krieg hat nur das Problem offengelegt, das schon immer bestand: die Energieabhängigkeit.
Janik Nolden, Solarhandel24
Die europäischen Regierungen seien sehenden Auges in eine Falle getappt, sagt Nolden.
Tausende Menschen haben unter dem Motto "Erneuerbare Energien verteidigen" in mehreren deutschen Großstädten demonstriert. Sie forderten eine Abkehr von fossilen Energien.
18.04.2026 | 1:09 minSolarmarkt war 2025 noch geschrumpft
Der aktuelle Boom ist umso bemerkenswerter, als der europäische Solarmarkt im Jahr 2025 erstmals seit fast einem Jahrzehnt leicht geschrumpft war. Ein Grund dafür war die schwache Nachfrage von Privatkunden, nachdem staatliche Förderprogramme ausgelaufen waren. In Deutschland kommt nun als zusätzlicher Treiber eine geplante Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes hinzu - sie soll unter anderem die staatliche Förderung privater Solaranlagen stark reduzieren.
Die Kosten für eine Anlage für ein durchschnittliches Einfamilienhaus liegen zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Gefragt sind dabei komplette Systeme. Die Kunden verknüpfen die Solarpaneele auf dem Dach meist direkt mit Batteriespeichern und Ladestationen für Elektroautos, sogenannten Wallboxen. So kann überschüssiger Strom gespeichert und später genutzt werden.
Um Steuergelder zu sparen, möchte Wirtschaftsministerin Reiche die staatliche Förderung für kleine Solaranlagen streichen. Ob sie sich in der Koalition dursetzen kann, ist noch offen.
27.02.2026 | 1:29 minWiederkehrende Energiekrisen
Die Nachfrage nach Speichertechnologie ist dem Branchenverband Holland Solar zufolge um 40 bis 50 Prozent gestiegen. Eine große Abhängigkeit bleibt jedoch bestehen: Fast 90 Prozent der weltweit installierten Solarpaneele stammen aus China. Dortige Hersteller erklärten jedoch, der Nachfrageschub aus Europa werde kaum ausreichen, um die massiven Überkapazitäten der Branche abzubauen.
Für Experten ist die Entwicklung dennoch ein klares Signal. Der Nachfrageschub sei eine "strukturelle Verschiebung, die durch die aktuellen geopolitischen Ereignisse beschleunigt, aber nicht erst geschaffen wird", sagt Ed Janvrin vom britischen Energieanbieter OVO Energy. Jannik Schall, Mitgründer der deutschen Firma 1Komma5Grad, sieht eine Parallele zur Energiekrise von 2022, als die Nachfrage noch höher gewesen sei: "Die wiederkehrenden Energiekrisen geben dem Sektor der Erneuerbaren recht."
"Die Lage ist ernst", so die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer. Auf Knappheit "muss es eine Reaktion geben". Das Preissignal solle man weitergeben und wirken lassen, so dass Verbraucher weniger fahren.
01.04.2026 | 5:41 minMehr zur Energiewende
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