"Leute, so geht das nicht":Strack-Zimmermann: Europa muss bei Trump deutlicher werden
Die FDP-Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sieht Europa nach dem US-Einsatz in Venezuela im Dilemma. Sie warnt vor Folgen für Völkerrecht, Ukraine und die Nato.
"Es ist schlichtweg völkerrechtswidrig", sagt die Europapolitikerin Strack-Zimmermann zu der Entführung von Machthaber Maduro durch die USA. Diese habe die Europäer in ein Dilemma gestürzt.
06.01.2026 | 5:57 minDie EU tut sich schwer, den US-Angriff in Venezuela als völkerrechtswidrig zu benennen. Zwar mahnen 26 EU-Staaten die Wahrung des Völkerrechts an, doch eine klare Verurteilung bleibt aus. Russland und China zeigen sich empört - eine Konstellation, die die Glaubwürdigkeit westlicher Demokratien zum Thema macht.
Im heute journal update ordnet die FDP-Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann das europäische Zögern ein. Europa stecke in einem politischen Dilemma: zwischen der Abhängigkeit von den USA und dem Wissen, dass der Einsatz völkerrechtswidrig sei.
Nach dem US-Angriff auf Venezuela kündigt Präsident Trump an, amerikanische Konzerne beim Wiederaufbau der Ölindustrie zu fördern. Ziel ist der Zugang zu den größten Ölreserven der Welt.
06.01.2026 | 1:35 minStrack-Zimmermann bremst Erwartungen an Neuanfang in Venezuela
Strack-Zimmermann erklärt, man könne "natürlich erstmal froh sein, dass der Diktator verschwunden ist". Gleichzeitig bremst sie Erwartungen an einen politischen Neuanfang:
Wenngleich die Vizepräsidentin nicht besser ist. Es wird also kein Regime-Change geben vermutlich, sondern ein Diktatoren-Change.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Europapolitikerin
Die Schwierigkeit Europas liege darin, "mit Trump gut auszukommen, besonders wegen des Krieges Russlands in der Ukraine". Da brauche man Trump schließlich. Zugleich müsse man darauf hinweisen, dass der Einsatz "schlichtweg völkerrechtswidrig" gewesen sei. "Und das weiß auch jeder, das weiß auch der Bundeskanzler", so Strack-Zimmermann.
Die Entführung von Machthaber Maduro hat die Europäer in ein Dilemma gestürzt. Wie reagieren? Darüber ist eine politische Debatte entbrannt.
05.01.2026 | 2:41 minRecht des Stärkeren - ist das die neue Botschaft?
Nach Ansicht Strack-Zimmermanns wird das Völkerrecht derzeit von den Großmächten ausgehöhlt:
Die Vereinigten Staaten, Russland und China teilen die Welt im Grunde auf.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Europapolitikerin
Besonders problematisch sei, dass Russland und China sich empört über den US-Einsatz zeigten. Wenn Völkerrechtsverstöße gleichzeitig von Europa nicht klar benannt würden, belaste das die eigene Glaubwürdigkeit: "Wie wollen wir in den Demokratien denn anklagen, dass Putin die Ukraine überfällt, also völkerrechtswidrig vorgeht? Wie wollen wir denn - hoffentlich nicht - beklagen müssen, dass China Taiwan überfällt?", fragte Strack-Zimmermann mit Blick auf ein mögliches Vorgehen Chinas gegen Taiwan. "Und genau deshalb muss Europa - bei aller Freundschaft - deutlicher werden."
Trump gehe es um eine neue Weltordnung, sagt ZDF-Korrespondentin Claudia Bates. Seine Aussagen und Drohungen - auch gegenüber Grönland - dürften nicht mehr nur als bloße Rhetorik abgetan werden.
05.01.2026 | 9:11 minStrack-Zimmermann: Ohne wirtschaftliche Stärke bleibt Europa machtlos
Europa habe "momentan wenig in der Hand". Die Antwort könne daher nur sein, das eigene Potenzial zu nutzen. Europa sei größer als die USA und Russland - wirtschaftlich wie demografisch, betont die FDP-Verteidigungspolitikerin.
Es müsse jedoch das wirtschaftliche "Geknebel" enden. Wenn Europa seine Wirtschaft entfessele, habe es auch "die Kraft, Konkurrenz zu sein zu den USA". Wirtschaftliche Stärke sei zudem Voraussetzung für eine robuste Verteidigungsfähigkeit. Diese sei "dringend erforderlich", auch wenn es nach Jahrzehnten des Zögerns nicht leicht werde.
Die drei Weltmächte USA, Russland und China beanspruchen Länder für sich. Europa müsse sich in einen weltpolitischen Akteur verwandeln, sagt Politologe Herfried Münkler.
05.01.2026 | 14:16 minFDP-Politikerin: Angriff auf Grönland würde Nato zerstören
Ein Zugriff der USA auf Grönland wäre für Strack-Zimmermann ein Bruch:
Wenn die Vereinigten Staaten als Partner in der Nato einen eigenen Partner angreifen, dann zerstört Trump die Nato.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Europapolitikerin
Zwar brauche auch Trump die Nato - "es ist ja nicht so, dass er völlig allein auf dem Planeten ist" - dennoch sei dieses "unvorstellbare" Szenario tatsächlich "leider" vorstellbar.
Nach dem Einsatz des US-Militärs in Venezuela am Samstag beriet am Montag darüber der UN-Sicherheitsrat in einer Sondersitzung. Auch in Venezuela wird das Geschehene noch verarbeitet.
05.01.2026 | 1:40 minEuropa muss an der Seite der Dänen stehen
Strack-Zimmermann fügt hinzu, dass Dänemark sich gegen Einmischungsversuche der USA wehren würde. Europa müsse nun an der Seite der Dänen stehen. Es sei jetzt eine Aktion notwendig, die klarmache, dass Europa nicht zusehen werde, wie die USA nach Grönland greifen:
Wenn Sie mich fragen, wäre es an der Zeit, dass jedes europäische Land, das in der Nato ist, den US-Botschafter einbestellt und sagt: Leute, so geht das nicht.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Europapolitikerin
"Trump nimmt uns nicht ernst." Er halte Europa für schwach und werde darin bestätigt, solange Europa nicht bereit sei, sich klar zu positionieren.
Das Interview führte Nazan Gökdemir, zusammengefasst hat Fränzi Meyer.
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