Mit Hilfe rechter Parteien:EU-Parlament: Ja zu Abschiebezentren in Nicht-EU-Staaten
Das EU-Parlament hat für eine umstrittene Verschärfung der EU-Einwanderungspolitik gestimmt. Zustande kam der Beschluss nur mit Hilfe rechter Parteien, darunter auch der AfD.
Das europäische Parlament hat heute eine Verschärfung der Asylpolitik beschlossen. Abgelehnte Asylsuchende sollen künftig auch in Abschiebezentren außerhalb der EU untergebracht werden können.
26.03.2026 | 1:43 minDas Europaparlament hat grünes Licht für Verschärfungen der Abschiebe-Regeln gegeben. Die Abgeordneten stimmten in Brüssel über die sogenannte Rückführungsverordnung ab. Danach bekommen Mitgliedstaaten der Europäischen Union etwa die Möglichkeit, ausreisepflichtige Menschen bis zu 24 Monaten in Abschiebehaft zu nehmen und Rückkehrzentren - sogenannte "Return Hubs" - außerhalb der EU in Betrieb zu nehmen.
Abgelehnte Asylbewerber könnten so nicht nur in ihre Heimatstaaten, sondern auch in Länder abgeschoben werden, zu denen sie keine Verbindung haben. Die neuen Regelungen sehen schärfere Maßnahmen vor, wenn Menschen, die kein Recht zum Aufenthalt in der EU haben, nicht kooperieren. Außerdem verschärft die Richtlinie die Regeln für Personen, die ein Sicherheitsrisiko darstellen.
Das europäische Parlament hat heute eine Verschärfung der Asylpolitik beschlossen. Abgelehnte Asylsuchende sollen künftig auch in Abschiebezentren außerhalb der EU untergebracht werden können.
26.03.2026 | 1:43 minDebatte über mögliche Zusammenarbeit mit Rechtsaußen-Parteien
Für zusätzliche Brisanz sorgte nicht nur der Inhalt des Vorschlags, sondern auch sein politisches Zustandekommen. Die christdemokratische EVP-Fraktion hatte laut Medienberichten mit Rechtsaußen-Parteien wie der AfD über den Text verhandelt. Demnach gab es unter anderem Absprachen in einer WhatsApp-Gruppe sowie ein persönliches Treffen von Abgeordneten. Zur EVP-Fraktion gehören auch CDU und CSU.
"Die EVP bleibt dabei - das Gesetz sei nicht verändert worden in einer Zusammenarbeit mit der AfD, es seien ihre Positionen, 'EVP pur' nennen sie das", berichtet ZDF-Korrespondent Andreas Stamm aus Brüssel. "Und vor allem: Die Stimmen der AfD seien nicht entscheidend gewesen für die Mehrheitsbildung." Laut EVP habe man sehr lange mit den Parteien der demokratischen Mitte verhandelt, aber man sei bei diesem wichtigen Thema nicht kompromissbereit gewesen.
Die EVP-Fraktion kooperiert im Europaparlament deutlich enger mit der AfD und anderen rechten Parteien als angenommen. Ulf Röller berichtet aus Brüssel über die Absprachen und Abstimmungen.
14.03.2026 | 1:49 minZDF-Korrespondent: Grüne und SD sprechen von Erpressung
"Dem widersprechen etwa SD und Grüne vehement", berichtet Stamm. Den Aussagen zufolge wurden keine Verhandlungen geführt - "man sei eher erpresst worden, nach dem Motto: 'Entweder laufe es so, wie die EVP das wolle, oder wir machen es mit den Rechten.' Und deren langanhaltender Applaus nach der Abstimmung spreche Bände, heißt es aus den Reihen der Parteien der demokratischen Mitte."
Zu diesen Fraktionen zählen die konservativ-rechtspopulistische EKR um die Europaabgeordneten der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die Patrioten für Europa (PfE) mit den Politikern der Partei Rassemblement National (RN) von Frankreichs Rechtspopulistin Marine Le Pen sowie die Parlamentarier der Parteienfamilie Europa der souveränen Nationen (ESN) mit den AfD-Europaabgeordneten.
Der Grünen-Europaabgeordnete Erik Marquardt sagte, der Entwurf enthalte an 38 Stellen Formulierungen, mit denen auf die ESN-Fraktion, der auch die AfD angehört, zugegangen worden sei, teilweise seien deren Forderungen direkt übernommen worden.
Es sei falsch, der AfD inhaltlich hinterherzulaufen, um sie zu bekämpfen. "Man kann nur davor warnen, die EU-Rückführungspolitik von einer Partei abhängig zu machen, die aufgrund ihrer Remigrationsfantasien von vielen als rechtsextrem eingestuft wird", sagte Marquardt.
Im Februar hat der Bundestag die neuen Regeln des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems der EU in nationales Recht umgesetzt.
27.02.2026 | 2:34 min"Viel Porzellan zerschlagen worden"
Nach Einschätzung von ZDF-Korrespondent Stamm dürfte es künftig schwieriger werden, Mehrheiten in der demokratischen Mitte aus KON, SD und Liberalen zu finden. "Da ist viel Porzellan zerschlagen worden."
Die europäische Brandmauer ist zumindest mal eine äußerst wackelige Angelegenheit geworden.
ZDF-Korrespondent Andreas Stamm
Mit dem Votum legte das Europäische Parlament seine Verhandlungsposition fest. Nun können die Gespräche mit den EU-Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission über die endgültige Ausgestaltung beginnen.
Nach Angaben der EU-Kommission reist aktuell nur etwa jeder fünfte Mensch, gegen den eine Rückkehrentscheidung vorliegt, aus Europa aus. Nach der Zustimmung des Parlaments müssen sich nun Vertreter vom Rat der EU, dem Parlament und der Kommission auf den endgültigen Rechtstext einigen.
EVP-Chef bei "Markus Lanz":Weber verteidigt Abstimmung mit rechtem Lager im EU-Parlament
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