Streit um Kooperation:Manfred Weber weist bei "Lanz" Zusammenarbeit mit AfD zurück
von Bernd Bachran
Bei "Markus Lanz" streitet Manfred Weber (CSU) ab, mit der AfD kooperiert zu haben - Eva Quadbeck sieht dagegen "koalitionsähnliche" Zusammenarbeit mit der AfD in Brüssel.
Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 25. März 2026 in voller Länge.
25.03.2026 | 76:51 minIn der vergangenen Woche berichtete die dpa, dass sich die EVP in Brüssel mit drei Rechtsaußenfraktionen, darunter der AfD-Fraktion im Europaparlament, auf einen gemeinsamen Gesetzentwurf zur Migrationspolitik geeinigt hat. Recherchen haben nachgewiesen, dass Politiker der EVP, darunter auch CDU- und CSU-Abgeordnete, in Brüssel enger mit der AfD sowie weiteren rechten Parteien zusammengearbeitet haben, als öffentlich bekannt war.
Nach Informationen der dpa sollen Vertreter der EVP unter anderem in einer gemeinsamen Chatgruppe mit AfD-Politikern an Vorschlägen zur Verschärfung der europäischen Migrationspolitik mitgewirkt haben.
Am Donnerstag, 26.03.2026, stimmen die Abgeordneten im Europaparlament über die Aufnahme von Verhandlungen mit dem Rat über die Reform der EU-Rückführungspolitik für Migranten ohne Aufenthaltsrecht ab.
Die Konservativen im Europa-Parlament arbeiten wohl deutlich enger mit rechten Fraktionen zusammen als bisher bekannt. Es soll Absprachen in Chatgruppen und persönlichen Treffen gegeben haben.
16.03.2026 | 5:01 minWeber streitet strukturelle Zusammenarbeit mit der AfD ab
Bei "Markus Lanz" wehrte sich der Partei- und Fraktionsvorsitzende der EVP im EU-Parlament, Manfred Weber (CSU), vehement gegen den Vorwurf einer Zusammenarbeit mit der AfD: "Unsere Position ist das, was auch die Bundesregierung in Brüssel eingebracht hat. Und die versuche ich mehrheitsfähig zu bekommen."
Es gab und gibt keine strukturelle Zusammenarbeit mit der AfD.
Manfred Weber, Partei- und Fraktionsvorsitzender der EVP im EU-Parlament
Weber erklärte, die Sozialdemokraten in Brüssel seien nicht bereit gewesen, die Positionen mitzutragen, die im Rat von den Innenministern beschlossen worden seien. Diese Positionen versuche er nun trotzdem mehrheitsfähig zu machen und den entsprechenden Vorschlag zur Abstimmung zu stellen.
Die EVP-Fraktion kooperiert im Europaparlament deutlich enger mit der AfD und anderen rechten Parteien als angenommen. Ulf Röller berichtet aus Brüssel über die Absprachen und Abstimmungen.
14.03.2026 | 1:49 minQuadbeck: "Koalitionsähnliche" Zusammenarbeit zwischen EVP und AfD
Was von Manfred Weber klang, wie ein normaler politischer Vorgang, war für die Chefredakteurin beim Redaktionsnetzwerk Deutschland, Eva Quadbeck, "keine Zufallsmehrheit", sondern sie sprach von "inoffizieller Zusammenarbeit".
Da würde ich schon davon sprechen, dass das eine Zusammenarbeit ist, die koalitionsähnlich ist.
Eva Quadbeck, Chefredakteurin beim Redaktionsnetzwerk Deutschland
Weiter erläuterte Quadbeck, dass man nach ihrer Kenntnis die Rechtsaußen-Fraktionen des EU-Parlaments nicht einfach nur gefragt habe: 'Macht ihr mit?', "sondern die Rechtsradikalen haben auch noch die Möglichkeit bekommen, das Gesetz zu verändern." Demnach hat eine deutsche AfD-Abgeordnete, dafür gesorgt, dass noch ein weiterer Punkt in den Gesetzentwurf geschrieben wurde.
Manfred Weber betonte dazu wiederholt: "Es gab in der Frage keine inhaltliche Zusammenarbeit." Auch wenn es diese WhatsApp-Gruppen gegeben habe und dort über Inhalte des Gesetzentwurfs geschrieben worden sei, könne man doch nicht nachweisen, dass aufgrund dieser Absprachen in den WhatsApp-Gruppen eine Radikalisierung des Entwurfs stattgefunden habe.
Die Brandmauer in Europa bekomme große Risse, so ZDF-Korrespondent Ulf Röller über bekannt gewordene Chatverläufe zwischen EVP und rechten Parteien im EU-Parlament.
14.03.2026 | 1:58 minMarkus Lanz wollte daraufhin vom Partei- und Fraktionsvorsitzenden der EVP im EU-Parlament wissen, ob dieser von dieser WhatsApp-Gruppe wusste. Darauf Weber:
Ich wusste davon nichts. Ich habe 300 Mitarbeiter in der Fraktion. (…) Aus 27 Ländern. (…) Ich kontrolliere nicht die WhatsApp-Gruppen.
Manfred Weber, Partei- und Fraktionsvorsitzender der EVP im EU-Parlament
Weber: Sozialdemokraten nicht kompromissbereit
Manfred Weber erklärte, man habe zu diesem Gesetzentwurf ein Jahr lang mit den Sozialdemokraten verhandelt und "hunderte von Stunden beisammengesessen". "Am Schluss haben die Sozialdemokraten den Sitzungssaal verlassen und gesagt: 'Wir wollen keinen Kompromiss.' Dann stand ich vor der Frage: Akzeptiere ich die Blockade oder will ich meine Positionen zur Abstimmung stellen?"
Weber weiter: "Ich bin in der irren Situation, dass ich mich dafür rechtfertigen muss, dass ich Berliner Regierungspositionen vertrete, aber Klingbeil nicht gefragt wird, warum denn seine Sozialdemokraten in Brüssel das nicht mittragen."
Mehr zur EVP
Kanzler fordert Aufklärung:Merz kritisiert EVP-Chats mit AfD: "Wir missbilligen das"
mit Video5:01Interne Chatprotokolle:EVP kooperiert stärker mit Rechten als bislang bekannt
mit Video1:49Europaparlament:Manfred Weber als EVP-Chef wiedergewählt
mit Video4:26EVP-Chef bei "Markus Lanz":Weber verteidigt Abstimmung mit rechtem Lager im EU-Parlament
von Bernd Bachranmit Video2:33