Ebola im Kongo: Wenn die Epidemie den Alltag erreicht

Alltag zwischen Angst und Ansteckung:Wie Ebola das Leben im Kongo verändert

von Verena Garrett

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Die Zahl der Ebola-Fälle im Osten der Demokratischen Republik Kongo steigt weiter. Gewalt und Hunger erschweren die Bekämpfung der Epidemie, Helfer kommen kaum hinterher. 

Medical staff disinfect an ambulance used to carry people infected with Ebola at the Rwampara Hospital in Rwanpara, Ituri, Democratic Republic of the Congo, 09 June 2026. The outbreak is caused by the Bundibugyo strain of the Ebola virus, for which there is no treatment, although three vaccines are in development.

Der Alltag der Menschen im Kongo wird vom Virus stark eingeschränkt. Trotz Abstandsregeln steigt die Zahl der Toten. Und doch hält sich mancherorts das Gerücht, Ebola sei "Fake".

10.06.2026 | 2:34 min

Als Solange Hahati an ihrem Hochzeitstag zur Kirche kommt, wird schnell klar: Diese Feier wird anders als geplant. Statt 300 Gästen dürfen nur 50 Menschen an der Zeremonie teilnehmen. Küsse und Umarmungen sind tabu.

Im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo werden Hochzeiten normalerweise ganz groß gefeiert - mit mehreren hundert Gästen. Der Ebola-Ausbruch macht das unmöglich. Die Regeln sind: Begrüßungen werden auf ein Minimum reduziert, Körperkontakt möglichst vermieden.

Mensch in Schutzanzug und Grafik menschlicher Körper

In Zentralafrika gibt es einen Ebola-Ausbruch. Die gefährliche Virusinfektion löst hohes Fieber und Blutungen aus. Fakten und Daten zu bisherigen Ausbrüchen.

21.05.2026 | 1:00 min

Die Epidemie erreicht den Alltag

Die Auswirkungen des Ausbruchs reichen weit über private Feiern hinaus. In vielen Regionen des Landes prägt der christliche Glaube das gesellschaftliche Leben. Gottesdienste und religiöse Feste sind zentrale Treffpunkte der Gemeinden.

Bestimmte Sakramente finden nicht mehr statt. Firmung, Taufe und Priesterweihe sind bis auf Weiteres wegen Ebola ausgesetzt.

Aimé Lokanabego, Pater

Alltag zwischen Angst und Ansteckung

In einem Provinzkrankenhaus in Mongbwalu kümmert sich Krankenschwester Dorkas Aseane täglich um Patienten mit Ebola-Verdacht. Die Angst vor Ansteckung sei allgegenwärtig. "Wir brauchen einen Impfstoff, um die Sterblichkeitsrate zu senken", so Aseane.

Wir sind ständig einem Risiko ausgesetzt, können krank werden und einfach so sterben.

Dorkas Aseane, Krankenschwester Krankenhaus Mongbwalu

Sie habe Kollegen verloren in den letzten Wochen und sorge sich um ihre drei Kinder, erzählt sie. Es werde viel geredet:

Die Leute sagen: Es gibt keine Epidemie, das ist nur ein Spiel der Krankenschwestern und Ärzte. Das macht mich traurig, denn wir haben uns das nicht ausgesucht.

Dorkas Aseane, Krankenschwester Krankenhaus Mongbwalu 

Das neue Ebola-Behandlungszentrum in Bunia

Das Ebolavirus breitet sich im Kongo weiter aus. Deshalb wurde in der Stadt Bunia ein Behandlungszentrum für Infizierte eröffnet. Der Chef der WHO, Tedros, versprach internationale Unterstützung.

31.05.2026 | 0:19 min

Krise trifft auf Krise

Die Ebola-Epidemie trifft eine Region, die bereits durch bewaffnete Konflikte und extreme Armut belastet ist. Nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) sind rund 500.000 Menschen in der Provinz Ituri von akutem Hunger betroffen.

Hilfsorganisationen werden immer wieder angegriffen. Mitarbeiter, die über Ebola aufklären wollen, werden bedroht oder mit Steinen beworfen. Die Lage sei äußerst instabil, berichten Helfer. Die Menschen sind verunsichert, vielfach traumatisiert.

Diese Region im Kongo gehört zu den am stärksten von Hunger und Versorgungsnot betroffenen Gebieten des Kontinents. Für die Menschen könnte es kaum schlimmer sein.

David Stevenson, WFP-Direktor im Kongo

Demokratische Republik Kongo: Arbeiter entladen medizinische Hilfsgüter der Europäischen Union.

In der Demokratischen Republik Kongo sind erste Hilfsgüter der EU für den Kampf gegen die Ebola-Epidemie eingetroffen. Darunter befinden sich dringend benötigte Medikamente und Schutzausrüstung.

29.05.2026 | 0:20 min

Streit um internationale Reaktionen

Und die Lage bleibt unübersichtlich. In vielen Regionen können Kontakte nur lückenhaft nachverfolgt werden. International wächst die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung. Die USA haben bereits Einreiseverbote für ausländische Staatsbürger verhängt, die sich in den vorangegangenen 21 Tagen in der Demokratischen Republik Kongo, Uganda oder dem Südsudan aufgehalten haben. Nun fordern sie auch von Europa Einschränkungen. Die Argumentation aus Washington: Während es nur wenige Direktverbindungen aus Zentralafrika in die USA gibt, bestehen über europäische Drehkreuze zahlreiche tägliche Umsteigeverbindungen. Eine infizierte Person könnte so unbemerkt weiterreisen. Die Ausbreitung des Virus während der Fußball-Weltmeisterschaft sei unbedingt zu verhindern, heißt es.

Drastische Einschränkungen seien der falsche Weg, kritisiert die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Solche Reisebeschränkungen gefährden die Transparenz - deshalb haben wir die internationale Gemeinschaft gebeten, davon abzusehen.

Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Direktor Weltgesundheitsorganisation WHO

In Europa stößt die Forderung der USA auf Zurückhaltung. Die Europäische Kommission sieht derzeit keine Hinweise darauf, dass zusätzliche Grenzmaßnahmen notwendig sind. Das Risiko für die Bevölkerung in Europa sei weiterhin sehr gering.

Der Eingang zum Campus Virchow Klinikum (Virchow-Krankenhaus) der Charité am Augustenburger Platz am 21.05.2026.

Der Ebola-Patient ist aus der Berliner Charité entlassen worden. Der US-Amerikaner zeige keine Symptome mehr, seine Labor-Werte seien normal, teilte das Krankenhaus mit.

06.06.2026 | 1:07 min

Vorsorgemaßnahmen ausgeweitet

Kongos Nachbarländer haben ihre Vorsorgemaßnahmen ausgeweitet. Uganda führt verstärkte Gesundheitskontrollen an Grenzübergängen durch, einzelne Fälle wurden dort bereits nachgewiesen. Sambia und weitere afrikanische Staaten haben ihre Überwachungssysteme an den Grenzen verstärkt.

Demonstranten werden während einer Demonstration gegen ein geplantes US-Ebola-Quarantänezentrum auf dem Luftwaffenstützpunkt Laikipia mit Tränengas beschossen

Einheimische haben sich in Kenia gegen die Einrichtung einer Ebola-Quarantänestation auf einem Luftwaffenstützpunkt gewehrt. Sie befürchten eine Verschleppung des Virus.

10.06.2026 | 0:28 min

Die Helfer laufen hinterher

Für die Menschen im Osten des Kongo bleibt Ebola eine tägliche Herausforderung. Die Epidemie verändert den Alltag der Menschen.

Und ein Ende ist bislang nicht in Sicht. Nach Einschätzung der WHO breitet sich das Virus vielerorts noch immer schneller aus, als es eingedämmt werden kann. Und die Helfer laufen dem Ausbruch hinterher.

Verena Garrett ist Studioleiterin des ZDF- Studios Johannesburg.

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Über dieses Thema berichteten verschiedene Sendungen, unter anderem das heute journal am 09.06.2026 in dem Beitrag "Ebola bestimmt den Alltag in DR Kongo" ab 21:45 Uhr.

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