Alltag zwischen Angst und Ansteckung:Wie Ebola das Leben im Kongo verändert
von Verena Garrett
Die Zahl der Ebola-Fälle im Osten der Demokratischen Republik Kongo steigt weiter. Gewalt und Hunger erschweren die Bekämpfung der Epidemie, Helfer kommen kaum hinterher.
Der Alltag der Menschen im Kongo wird vom Virus stark eingeschränkt. Trotz Abstandsregeln steigt die Zahl der Toten. Und doch hält sich mancherorts das Gerücht, Ebola sei "Fake".
10.06.2026 | 2:34 minAls Solange Hahati an ihrem Hochzeitstag zur Kirche kommt, wird schnell klar: Diese Feier wird anders als geplant. Statt 300 Gästen dürfen nur 50 Menschen an der Zeremonie teilnehmen. Küsse und Umarmungen sind tabu.
Im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo werden Hochzeiten normalerweise ganz groß gefeiert - mit mehreren hundert Gästen. Der Ebola-Ausbruch macht das unmöglich. Die Regeln sind: Begrüßungen werden auf ein Minimum reduziert, Körperkontakt möglichst vermieden.
In Zentralafrika gibt es einen Ebola-Ausbruch. Die gefährliche Virusinfektion löst hohes Fieber und Blutungen aus. Fakten und Daten zu bisherigen Ausbrüchen.
21.05.2026 | 1:00 minDie Epidemie erreicht den Alltag
Die Auswirkungen des Ausbruchs reichen weit über private Feiern hinaus. In vielen Regionen des Landes prägt der christliche Glaube das gesellschaftliche Leben. Gottesdienste und religiöse Feste sind zentrale Treffpunkte der Gemeinden.
Bestimmte Sakramente finden nicht mehr statt. Firmung, Taufe und Priesterweihe sind bis auf Weiteres wegen Ebola ausgesetzt.
Aimé Lokanabego, Pater
Alltag zwischen Angst und Ansteckung
In einem Provinzkrankenhaus in Mongbwalu kümmert sich Krankenschwester Dorkas Aseane täglich um Patienten mit Ebola-Verdacht. Die Angst vor Ansteckung sei allgegenwärtig. "Wir brauchen einen Impfstoff, um die Sterblichkeitsrate zu senken", so Aseane.
Wir sind ständig einem Risiko ausgesetzt, können krank werden und einfach so sterben.
Dorkas Aseane, Krankenschwester Krankenhaus Mongbwalu
Sie habe Kollegen verloren in den letzten Wochen und sorge sich um ihre drei Kinder, erzählt sie. Es werde viel geredet:
Die Leute sagen: Es gibt keine Epidemie, das ist nur ein Spiel der Krankenschwestern und Ärzte. Das macht mich traurig, denn wir haben uns das nicht ausgesucht.
Dorkas Aseane, Krankenschwester Krankenhaus Mongbwalu
Das Ebolavirus breitet sich im Kongo weiter aus. Deshalb wurde in der Stadt Bunia ein Behandlungszentrum für Infizierte eröffnet. Der Chef der WHO, Tedros, versprach internationale Unterstützung.
31.05.2026 | 0:19 minKrise trifft auf Krise
Die Ebola-Epidemie trifft eine Region, die bereits durch bewaffnete Konflikte und extreme Armut belastet ist. Nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) sind rund 500.000 Menschen in der Provinz Ituri von akutem Hunger betroffen.
Hilfsorganisationen werden immer wieder angegriffen. Mitarbeiter, die über Ebola aufklären wollen, werden bedroht oder mit Steinen beworfen. Die Lage sei äußerst instabil, berichten Helfer. Die Menschen sind verunsichert, vielfach traumatisiert.
Diese Region im Kongo gehört zu den am stärksten von Hunger und Versorgungsnot betroffenen Gebieten des Kontinents. Für die Menschen könnte es kaum schlimmer sein.
David Stevenson, WFP-Direktor im Kongo
In der Demokratischen Republik Kongo sind erste Hilfsgüter der EU für den Kampf gegen die Ebola-Epidemie eingetroffen. Darunter befinden sich dringend benötigte Medikamente und Schutzausrüstung.
29.05.2026 | 0:20 minStreit um internationale Reaktionen
Und die Lage bleibt unübersichtlich. In vielen Regionen können Kontakte nur lückenhaft nachverfolgt werden. International wächst die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung. Die USA haben bereits Einreiseverbote für ausländische Staatsbürger verhängt, die sich in den vorangegangenen 21 Tagen in der Demokratischen Republik Kongo, Uganda oder dem Südsudan aufgehalten haben. Nun fordern sie auch von Europa Einschränkungen. Die Argumentation aus Washington: Während es nur wenige Direktverbindungen aus Zentralafrika in die USA gibt, bestehen über europäische Drehkreuze zahlreiche tägliche Umsteigeverbindungen. Eine infizierte Person könnte so unbemerkt weiterreisen. Die Ausbreitung des Virus während der Fußball-Weltmeisterschaft sei unbedingt zu verhindern, heißt es.
Drastische Einschränkungen seien der falsche Weg, kritisiert die Weltgesundheitsorganisation WHO.
Solche Reisebeschränkungen gefährden die Transparenz - deshalb haben wir die internationale Gemeinschaft gebeten, davon abzusehen.
Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Direktor Weltgesundheitsorganisation WHO
In Europa stößt die Forderung der USA auf Zurückhaltung. Die Europäische Kommission sieht derzeit keine Hinweise darauf, dass zusätzliche Grenzmaßnahmen notwendig sind. Das Risiko für die Bevölkerung in Europa sei weiterhin sehr gering.
Der Ebola-Patient ist aus der Berliner Charité entlassen worden. Der US-Amerikaner zeige keine Symptome mehr, seine Labor-Werte seien normal, teilte das Krankenhaus mit.
06.06.2026 | 1:07 minVorsorgemaßnahmen ausgeweitet
Kongos Nachbarländer haben ihre Vorsorgemaßnahmen ausgeweitet. Uganda führt verstärkte Gesundheitskontrollen an Grenzübergängen durch, einzelne Fälle wurden dort bereits nachgewiesen. Sambia und weitere afrikanische Staaten haben ihre Überwachungssysteme an den Grenzen verstärkt.
Einheimische haben sich in Kenia gegen die Einrichtung einer Ebola-Quarantänestation auf einem Luftwaffenstützpunkt gewehrt. Sie befürchten eine Verschleppung des Virus.
10.06.2026 | 0:28 minDie Helfer laufen hinterher
Für die Menschen im Osten des Kongo bleibt Ebola eine tägliche Herausforderung. Die Epidemie verändert den Alltag der Menschen.
Und ein Ende ist bislang nicht in Sicht. Nach Einschätzung der WHO breitet sich das Virus vielerorts noch immer schneller aus, als es eingedämmt werden kann. Und die Helfer laufen dem Ausbruch hinterher.
Verena Garrett ist Studioleiterin des ZDF- Studios Johannesburg.
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