Fake News in sozialen Medien:Warum durch Ebola wohl keine Pandemie droht - trotz WHO-Alarm
von Oliver Klein
Der Ebola-Ausbruch im Kongo besorgt Menschen weltweit, in sozialen Netzwerken kursieren bereits Verschwörungserzählungen. Experten sehen jedoch keine globale Pandemiegefahr.
In der Demokratischen Republik Kongo und Uganda breitet sich die Ebola-Epidemie weiter aus. Die WHO schätzt die Gefahr einer globalen Ausbreitung jedoch als gering ein.
20.05.2026 | 1:25 minDie Szenen wirkten dramatisch: Der hochinfektiöse Ebola-Patient, ein 39-jähriger US-amerikanischer Arzt, wurde nachts mit einer aufsehenerregenden Eskorte aus Polizeimotorrädern und Rettungswagen in einem Spezialfahrzeug in die Sonderisolierstation der Berliner Charité transportiert. Der Mann hatte sich im Kongo mit Ebola angesteckt, das sich dort rasch ausbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte deshalb bereits einen Gesundheitsnotstand von internationaler Tragweite ausgerufen.
Ebola: Falschinformationen kursieren im Netz
In sozialen Medien wird nun behauptet, dies alles sei bloß Panikmache: Der emeritierte Wirtschaftsprofessor Stefan Homburg etwa bezeichnet das Ebola-Virus - genau wie das Hanta- und Coronavirus - als "geniales Geschäftsmodell". In einem Video spricht er von "systematischer Angstmacherei" - auch beim Ausbruch des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff habe man nichts unversucht gelassen, "eine neue Pandemie herbeizureden". Homburg legt nahe, dass dahinter die Pharma-Industrie stehe, die neue Impfstoffe entwickeln und verkaufen wolle.
Ein US-Arzt, der sich in der Demokratischen Republik Kongo mit Ebola infiziert hat, wird in der Berliner Charité behandelt. Es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung, betont die Regierung.
20.05.2026 | 0:19 minHomburg war bereits während der Covid-Pandemie durch die Verbreitung von Falschinformationen zu dem Thema aufgefallen. Doch in vielen Kommentarspalten wird diese Erzählung bereitwillig aufgegriffen: Nutzer sprechen von einer "Inszenierung" und rechnen damit, dass bald alle gegen Ebola geimpft werden sollen.
Doch die allermeisten Experten erwarten keine weltweite Pandemie - obwohl Ebola zu den tödlichsten bekannten Infektionskrankheiten zählt und die WHO davon ausgeht, dass die Zahl der Erkrankungen in Afrika noch deutlich ansteigen wird. Wie passt das zusammen? Und welche Impfstoffe gibt es bereits gegen das Ebola-Virus? ZDFheute mit einem Überblick.
In der Demokratischen Republik Kongo ist eine besonders gefährliche Variante des Ebola-Virus ausgebrochen. Auch das Nachbarland Uganda ist betroffen.
17.05.2026 | 1:32 minWarum droht wohl keine Ebola-Pandemie?
Das Ebola-Virus wird nur durch engen Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen - also etwa durch Blut, Speichel oder Fäkalien - und nicht über Aerosole in der Luft, wie etwa das Coronavirus. Zudem sind Infizierte erst dann ansteckend, wenn sie Symptome zeigen. Es kann also kaum zu unbemerkten Ansteckungen kommen. Die Infektionskette lässt sich deshalb mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen wie Isolation, Schutzkleidung oder Hygiene unterbrechen.
Zudem werden Erkrankte schnell bettlägerig, was die Mobilität der Betroffenen stark einschränkt und eine unbemerkte globale Verbreitung nahezu unmöglich macht. So sind die bisherigen Infektionsfälle geografisch begrenzt und gut dokumentiert.
Die WHO ruft den Notstand aus. Warum eine neue Virusvariante Sorgen macht – und wie groß die Gefahr einer Ausbreitung ist: ZDFheute live ordnet ein.
17.05.2026 | 12:08 minHistorische Ausbrüche zeigen zudem: Ebola hatte auch früher schon nicht unkontrolliert um sich gegriffen. Selbst ein großer Ebola-Ausbruch in Westafrika 2014 bis 2016 mit 11.325 von der WHo bestätigten Toten konnte sich nicht über den afrikanischen Kontinent hinaus ausbreiten. "Ebola hat nicht das Potenzial für eine weltweite Pandemie", erklärt Amesh Adalja, ein leitender Wissenschaftler am Johns Hopkins Center for Health Security, der US-Zeitschrift "Scientific American".
Dass Ebola weniger ansteckend ist als beispielsweise das Coronavirus SARS-CoV-2, zeigt sich auch an der sogenannten Basisreproduktionszahl. Diese Kennzahl beschreibt, wie viele gesunde Personen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Bei Ebola lag dieser Wert beim Ausbruch 2014 einer Studie zufolge etwa bei 1,8. Die Reproduktionsrate von SARS-CoV-2 liegt bei der Ursprungsvariante einer Untersuchung zufolge bei rund 2,9, für die Omikron-Variante werden bis zu 20 angegeben.
Warum breitet sich das Ebola-Virus dennoch so schnell aus?
Eine Reihe von Faktoren trägt dazu bei: Das Epizentrum des Ausbruchs liegt in der Provinz Ituri im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo. Die Region ist von anhaltenden bewaffneten Konflikten und extremer Armut geprägt, das Gesundheitswesen ist massiv geschwächt, medizinische Einrichtungen sind zerstört, was die Eindämmung enorm erschwert. Auch bei traditionellen Bestattungsritualen, die den direkten Kontakt mit den hochinfektiösen Verstorbenen beinhalten, stecken sich offenbar viele an.
Zudem blieb der Ausbruch offenbar wochenlang unentdeckt. Aktuell grassiert die seltene Bundibugyo-Variante des Virus - Menschen, die sich damit infizieren, entwickeln zunächst Symptome wie bei einer Grippe oder bei Malaria. Dies kann die Diagnose verzögern. Auch viele Ebola-Tests können die Bundibugyo-Variante nicht zuverlässig erkennen.
ZDF-Korrespondentin Anna Feist berichtet über die aktuelle Entwicklung der Epidemie.
20.05.2026 | 1:07 minWelche Impfstoffe gibt es gegen das Ebola-Virus?
Gegen das Ebola-Virus listet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) auf seiner Webseite drei Impfstoffe auf. Das Problem: Sie alle richten sich gegen die Ebola-Variante Zaire. Es gibt aber weitere Ebola-Arten, die für Menschen gefährlich sind, vor allem der Erreger hinter dem aktuellen Ausbruch, Bundibugyo.
Alle Impfstoffe gegen das Bundibugyo-Virus seien noch im präklinischen Stadium, sagt César Muñoz-Fontela vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Heißt: Keiner wurde bisher an Menschen erprobt. Nach der großen Epidemie von 2014 hatten Fachleute eigentlich darauf gedrungen, Impfstoffe gegen alle gefährlichen Ebola-Arten auf ihre Sicherheit zu testen und dann in ausreichender Menge zu produzieren, um sie bei einer Epidemie einsetzen zu können. Ein Versäumnis, das sich nun rächt.
Fazit: WHO-Experten gehen zwar von einer ernsten Lage in Zentralafrika aus - auch, weil es keine Impfstoffe gegen den aktuellen Erreger gibt. Sie betonen aber gleichzeitig, dass sie keine Gefahr für eine Pandemie sehen. Dass die Weltgesundheitsorganisation eine neue Pandemie "herbeireden" wolle, ist von den Fakten nicht gedeckt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen des Ausbruchs einer seltenen Ebola-Variante im Osten der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Unter folgendem Konto können Hilfen für Menschen vor Ort gespendet werden:
Aktionsbündnis Katastrophenhilfe
Spendenkonto: Commerzbank
IBAN: DE65 100 400 600 100 400 600
Stichwort: ZDF Nothilfe Ebola
Im Aktionsbündnis Katastrophenhilfe haben sich Caritas international, Deutsches Rotes Kreuz, UNICEF und Diakonie Katastrophenhilfe zusammengeschlossen.
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