"Corona 2.0" und "Plandemie":Diese Fake-News kursieren zum Hantavirus
von Jan Schneider und Oliver Klein
Kam das Virus aus der Ukraine? Ist es eine Impf-Folge? Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff explodieren die Gerüchte im Netz. Was hinter den Behauptungen steckt.
Passagiere des Kreuzfahrtschiffes sowie Kontaktpersonen werden nicht zu Hause isoliert, sondern verbringen ihre Quarantäne in Krankenhäusern. Das ist eine der Lehren aus der Corona-Zeit.
13.05.2026 | 2:05 minDas Kreuzfahrtschiff "Hondius", auf dem es Anfang Mai zu einem Hantavirus-Ausbruch gekommen war, ist am Montag im niederländischen Rotterdam angekommen. Dort sollten die letzten 27 Menschen das Schiff verlassen, darunter 25 Besatzungsmitglieder und zwei medizinische Mitarbeiter. Auch die Leiche einer Deutschen, die an den Folgen der Infektion gestorben war, sollte in Rotterdam von Bord gebracht werden.
Bereits vor rund einer Woche hatten mehr als 120 Passagiere und Crewmitglieder das Schiff auf Teneriffa verlassen und ihre Heimreise angetreten. Die "Hondius" soll nun umfassend gereinigt und desinfiziert werden. Für die verbleibenden Menschen an Bord wurden im Hafen von Rotterdam Quarantäne- und Isolationsmaßnahmen vorbereitet.
Parallel dazu kursieren in sozialen Netzwerken zahlreiche Falschbehauptungen über den Ausbruch. Beiträge auf X und anderen Plattformen sprechen von einer angeblichen "Plandemie", bringen das Virus mit Corona-Impfstoffen in Verbindung oder behaupten, der Erreger stamme aus der Ukraine. Viele dieser Behauptungen verbreiten sich millionenfach, obwohl es dafür keine Belege gibt. Welche Mythen besonders häufig kursieren - ZDFheute mit einem Überblick.
Die deutschen Reisenden der „Hondius“, auf der das Hantavirus ausgebrochen war, werden in vier Bundesländer gebracht. Die Evakuierung des vor Teneriffa liegenden Schiffs ist fast abgeschlossen.
11.05.2026 | 1:52 minHantavirus ist keine Nebenwirkung des Covid-Impfstoffs
"DAS IST EIN SCHOCKER!", postet der US-Verschwörungsideologe Alex Jones in Großbuchstaben bei X. Dokumente der US-Arzneimittelbehörde FDA würden "enthüllen, dass die mRNA-COVID-Impfung eine tödliche Hantavirus-Infektion des Herzens verursachen" könne. Als vermeintlichen Beweis zeigt Jones in seinem Clip einen Screenshot aus einer Analyse des Pharmaunternehmens Pfizer. Ähnliche Postings finden sich auch in anderen sozialen Netzwerken, unter anderem auf Deutsch bei Facebook - aber auch auf Französisch, Niederländisch, Portugisisch und selbst auf Chinesisch.
Doch die Behauptung ist irreführend: Die Analyse der Nebenwirkungen des mRNA-Impfstoffs Comirnaty gibt es zwar tatsächlich, darin kommt auch der Begriff "Hantavirus-Lungeninfektion" vor. Doch die Virusinfektion ist unter der Überschrift "Liste der unerwünschten Ereignisse von besonderem Interesse" angeführt - nicht als eine bestätigte Nebenwirkung, die durch die Impfung auftreten kann.
In dem Dokument wird auf Seite sechs klargestellt, dass Berichte über solche "unerwünschte Ereignisse" nicht zwangsläufig bedeuten, dass ein solches Ereignis durch das Arzneimittel verursacht wurde. Es könne "vielmehr auf eine zugrunde liegende Erkrankung oder andere Faktoren zurückzuführen sein." In der offiziellen Auflistung der Nebenwirkungen von Comirnaty wird das Hantavirus nicht genannt.
"Das ist kein Virus, das sich verbreitet", sagt der Präsident des RKI, Lars Schaade zum Vergleich mit dem Coronavirus. "Im Moment sieht es gut aus": Alle Kontakte seien ermittelt.
10.05.2026 | 3:23 minAuch die WHO nennt das Hantavirus nicht als Nebenwirkung der Covid-Impfung
Ähnlich verhält es sich mit einem weiteren Post, der im deutschsprachigen Raum kursiert - hier wird als angeblicher Beweis ein Screenshot der WHO-Datenbank VigiAccess geteilt. Auch in dieser Datenbank werden Verdachtsfälle von Nebenwirkungen aufgeführt, die in zeitlichem Zusammenhang nach einer Impfung aufgetreten waren.
Aber: "VigiAccess kann nicht verwendet werden, um einen bestätigten Zusammenhang zwischen einer vermuteten Nebenwirkung und einem bestimmten Medikament abzuleiten", heißt es auf der Startseite der Datenbank. Es werden vier dokumentierte Hantavirus-Infektionen nach einer Impfung mit Comirnaty genannt. Das ist eine verschwindend kleine Zahl angesichts von fast sechs Millionen Meldungen insgesamt - unter denen auch 660.000 andere Infektionen, rund 800 Verkehrsunfälle und selbst acht Schlangenbisse aufgeführt werden.
Die Evakuierung der "Hondius" in Teneriffa läuft. Einordnung bei ZDFheute live.
10.05.2026 | 10:09 minDas Hantavirus stammt nicht aus der Ukraine
In X-Posts wird behauptet, das Virus sei "aus der Ukraine gekommen". Dort sei das Virus vor drei Monaten aufgetreten und Teile der Besatzung der "Hondius" kämen aus der Ukraine. Als Beleg wird ein Video einer Ärztin präsentiert, die auf Ukrainisch über das Hantavirus spricht. Mittlerweile verbreiten unzählige Posts diese These, besonders reichweitenstarke Posts kommen auf über 250.000 Aufrufe.
Das Video der Ärztin stammt tatsächlich von der Facebookseite eines Krankenhauses für Infektionskrankheiten in der ukrainischen Stadt Chmelnyzkyj. Es geht in dem Clip jedoch nicht um den Ausbruch des Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff - die Ärztin Oksana Poddubna berichtet vielmehr von zwei Hantavirus-Fällen, die in ihrer Klinik in diesem Jahr erfolgreich behandelt wurden. Einen Zusammenhang mit dem Ausbruch auf der "Hondius" stellt sie nicht her.
Post bei X, der behauptet, das Hantavirus sei aus der Ukraine auf das Kreuzfahrtschiff gekommen.
Bekannt ist, dass sich fünf ukrainische Staatsangehörige als Besatzungsmitglieder an Bord des Schiffs befunden haben. Das ukrainische Außenministerium teilte mit, dass bei keinem von ihnen Krankheitszeichen festgestellt wurden. Vier der fünf sollten an Bord verbleiben, um das Schiff in die Niederlande zu überführen - und sich dort vorsorglich in medizinische Quarantäne begeben. Ein fünftes Crewmitglied habe das Schiff im Zuge eines Evakuierungsflugs verlassen.
Grundsätzlich gibt es - wie in Deutschland - auch in der Ukraine jedes Jahr Dutzende Fälle von Hantavirus-Infektionen. Laut dem Sprecher des ukrainischen Gesundheitsamts, Mykola Hanich, handele es sich dabei aber stets um Infektionen die von Nagetieren auf den Menschen übertragen wurden und nicht um den auf dem Kreuzfahrtschiff aufgetretenen Virenstamm, der von Mensch zu Mensch übertragen wird.
Eine Infektion mit dem auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius entdeckten Hantavirus kann tödlich enden. Infektiologe Robert Krause erklärt, warum für Europa aber kaum Gefahr besteht.
07.05.2026 | 27:32 minKeine Hinweise auf Ausbruch unter Soldaten
Die Ukraine ist auch noch Ziel einer weiteren Behauptung, verbreitet von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass. Kurz nach Bekanntwerden der Infektionen auf dem Kreuzfahrtschiff berichtete Tass, dass sich das Hantavirus "rasch in den Regionen Charkiw, Sumy und Lwiw" ausbreite. Ukrainische Einheiten würden dort Ausfälle erleiden, "die nicht auf Kampfhandlungen zurückzuführen sind".
Es gibt für die russische Darstellung keinerlei Belege. Als Quelle werden lediglich russische Sicherheitskreise genannt.
Nach drei Todesfällen auf einem Kreuzfahrtschiff hält die EU-Kommission das Ansteckungsrisiko in Europa für gering. Eine symptomfreie Kontaktperson ist in Düsseldorf angekommen.
07.05.2026 | 2:41 minKeine Parallelen zur Corona-Pandemie
Der Hantavirus-Ausbruch sei inszeniert, behauptet US-Verschwörungsideologe Jones bei X: "Sie haben ihr neues Covid 2.0 gestartet", erklärt er seinen rund viereinhalb Millionen Followern. Genau wie bei der Corona-Pandemie würde nun Panik vor mutierten Viren geschürt, Lockdowns vorbereitet und Impfstoffe entwickelt, so Jones. Mehrfach sprach er von "Plandemie". Sein Video wurde inzwischen über eine Million Mal angezeigt.
Der Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Tedros Adhanom Ghebreyesusnahm ging auf die Behauptungen von Jones direkt bei X ein: "Ich verstehe, woher diese Angst kommt. Covid-19 hat uns alle gezeichnet", schrieb er. Dann wandte er sich direkt an Jones: "Aber Alex, die Fakten von heute erzählen eine andere Geschichte."
Es gibt keinen "Rollout" und keine "Hype". Bis heute gibt es weltweit nur zehn bestätigte Fälle.
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus
"Alle Todesfälle hängen mit dem Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius zusammen", so Ghebreyesus weiter. "Daher bleibt die Einschätzung der WHO, dass das Risiko für die Weltbevölkerung gering ist."
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zum Hantavirus
- FAQ
Nach Todesfällen auf Kreuzfahrtschiff:Was sind Hantaviren und wie gefährlich sind sie?
mit Video2:41 Nachrichten | ZDF-Mittagsmagazin:Hantavirus-Ausbruch ist "lokales Geschehen"
Video4:09Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff:Hantavirus: Weltgesundheitsorganisation bestätigt sechs Fälle
mit Video1:36Erkrankte bei Kreuzfahrt im Atlantik:WHO: Hantavirus wohl von Mensch zu Mensch übertragen
mit Video0:24