Hantavirus: Warum die Ausbreitung in Europa unwahrscheinlich ist

Interview

Tödlicher Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff:Infektiologe: Hantavirus-Variante keine Gefahr für Europa

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Eine Infektion mit dem auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius entdeckten Hantavirus kann tödlich enden. Infektiologe Robert Krause erklärt, warum für Europa aber kaum Gefahr besteht.

Kreuzfahrtschiff MV Hondius im Atlantik

Infektionen mit dem Hantavirus enden in Europa selten tödlich. Im Gegensatz zu den Fällen auf einem Kreuzfahrtschiff, die immer mehr Fragen aufwerfen.

06.05.2026 | 27:32 min

ZDFheute: Was sollten wir über das Virus wissen?

Robert Krause: Das Andes-Hantavirus ist ein spezielles Hantavirus, das es in Südamerika gibt, vor allem in Argentinien und in Chile. Das kommt bei uns in Europa nicht vor.

Es handelt sich hier um ein Hantavirus der sogenannten neuen Welt. Es gibt beispielsweise in Nordamerika auch solche Hantaviren der neuen Welt, die heißen dann Sin-Nombre-Viren. Diese Hantaviren zeichnen sich dadurch aus, dass sie schwerere Krankheitsverläufe machen und gefährlicher sind im Vergleich zu den Hantaviren, die wir in Europa finden.

... forscht seit mehreren Jahren zum Hantavirus. Er ist Leiter der Klinischen Abteilung für Infektiologie an der Medizinischen Universität Graz. Gemeinsam mit internationalen Partnern untersucht er unter anderem die Immunantwort von Patientinnen und Patienten nach Hantavirus-Infektionen und arbeitet an möglichen Therapieansätzen.


ZDFheute: Die neue Variante kann auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Wie läuft eine solche Erkrankung ab und was macht sie so gefährlich?

Robert Krause: Bei der Infektion mit diesen Andesviren kommt es zu einer Krankheit, die man Hantavirus kardiopulmonales Syndrom nennt. Das ist ein medizinischer Begriff, der beschreibt, dass es hier zu einer Beeinträchtigung der Lungenfunktion kommt. Es kommt zu einem Lungenversagen und auch zu einem Herzversagen, also zu einem Versagen von zwei lebenswichtigen Organen.

Eine Gesamtansicht des Universitätsklinikums Düsseldorf in Düsseldorf, Deutschland, am 7. Mai 2026.

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07.05.2026 | 1:34 min

Wenn so eine Krankheit auftritt, muss man maschinell das Lungenversagen behandeln oder beatmen,  um diese schwierige Phase dieser akuten Infektionskrankheit zu überstehen und ein Überleben zu ermöglichen.

Es ist leider bei dieser Erkrankung so, dass die Todesrate sehr hoch ist. Sie liegt bei ungefähr 40 bis 50 Prozent.

Robert Krause

ZDFheute: Der Verlauf ist ziemlich dramatisch. Gibt es noch kein Medikament dagegen?

Krause: Leider gibt es bei dieser Virusinfektion kein direkt gegen die Viren wirksames Medikament. Es gibt hier Versuche mit Medikamenten, die die Erkrankung eindämmen können. Das sind Medikamente, die vor allem den Austritt von Flüssigkeiten in die Lunge beeinträchtigen oder verhindern können.

Ambulanzboot mit Schutzanzug-Crew nähert sich der MV Hondius vor Praia zur Evakuierung Erkrankter nach Hantavirus-Ausbruch.

Das vom Hantavirus-Ausbruch betroffene Kreuzfahrtschiff darf einen Hafen auf den kanarischen Inseln anlaufen. Dort sollen Passagiere und Besatzung medizinisch versorgt werden.

06.05.2026 | 0:24 min

Somit könnte man den Krankheitsverlauf abschwächen, das wurde bisher bei einzelnen Fällen durchgeführt. Auch wir machen das ab und an bei schwer verlaufenden Hantavirusinfektionen, die wir in Europa finden, die aber selten sind im Vergleich zu den Hantavirusinfektionen in Amerika. Es gibt hier leider keine gegen die Viren wirksame Therapie, sondern nur eine symptomatische Therapie.

ZDFheute: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Hantavirus-Variante auch hier in Europa ausbreitet?

Krause: Also ausbreiten wird sich die in Europa gar nicht, weil man bei den Personen, bei denen man bereits weiß, dass sie infiziert sind, jetzt Vorsichtsmaßnahmen ergreifen kann. Es gibt dafür bestimmte Abläufe in den Krankenhäusern, um solche Infektionen beim Personal oder bei Personen, die solche Menschen betreuen, zu verhindern.

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Und der Überträger dieser Andesviren kommt in Europa nicht vor. Das ist eine besondere Nagetierart. Das ist die Reisratte mit einem langen Schwanz. Und die gibt es in Europa nicht und somit kann sich das Virus bei uns nicht weiter ausbreiten. Das wurde mit diesem Schiff und mit den Personen jetzt importiert nach Europa.

Dieses Krankheitsbild wird sich bei uns aber nicht weiter ausbreiten.

Robert Krause

Das Interview führte Nano-Moderatorin Yve Fehring.

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Über dieses Thema berichtete Nano am 06.05.2026 um 18:30 Uhr.

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