Bei Kreuzfahrt im Atlantik:WHO: Hanta-Übertragung auf Schiff wohl von Mensch zu Mensch
Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist selten beim Hantavirus - bei den Fällen auf einem Kreuzfahrtschiff könnte es aber der Fall gewesen sein, vermutet die WHO.
Nach dem Tod von drei Menschen im Zusammenhang mit dem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff dürfen die knapp 150 Passagiere noch immer nicht von Bord. Die WHO geht aktuell von bis zu sieben Fällen aus.
05.05.2026 | 2:07 minNach dem tödlichen Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik geht die Weltgesundheitsorganisation von einer Übertragung von Mensch zu Mensch aus. "Wir vermuten, dass es bei sehr engem Kontakt eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt", sagte die WHO-Epidemiespezialistin Maria Van Kerhove bei einer Pressekonferenz in Genf.
Bislang sind drei Passagiere gestorben, ein älteres niederländisches Ehepaar und ein Deutscher. Die WHO geht derzeit von insgesamt sieben Erkrankungsfällen aus. Üblicherweise wird das Virus durch Ausscheidungen von Nagetieren übertragen. Eine Infektion von Mensch zu Mensch ist der WHO zufolge selten.
Erste Ansteckung wohl noch an Land
Das kleine Kreuzfahrtschiff "Hondius" mit rund 150 Menschen an Bord hatte seine als Naturexpedition in die Antarktis beworbene Reise im März in Ushuaia in Südargentinien begonnen. Derzeit ankert das Schiff vor Kap Verde. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte. Van Kerkhove wies darauf hin, dass viele Passagiere der Expeditions-Kreuzfahrt Wildtier-Beobachtungen und ähnliche Aktivitäten unternommen hätten.
Die weitere Übertragung könnte dann an Bord zwischen Personen passiert sein, etwa in Kabinen, sagte Van Kerkhove. Sie schloss nicht aus, dass die Infektionen auch von Nagetieren auf afrikanischen Inseln stammen könnten, die im Zuge der Kreuzfahrt angefahren wurden. Laut Schiffsbetreiber seien keine Ratten an Bord, so die WHO-Expertin. Bei zwei der Todesopfer wurde das Virus inzwischen gesichert durch Labortests nachgewiesen, Untersuchungen zu den übrigen Infektionen und zum genauen Typ des Virus laufen.
Schiff darf offenbar Kanaren anlaufen
Ein schwer kranker Patient wird in Südafrika auf der Intensivstation behandelt, drei weitere haben leichtere Symptome und befinden sich laut WHO weiterhin an Bord des vor der Küste der Kapverden liegenden Schiffs. Die Behörden von Kap Verde weigern sich, die Passagiere an Land zu lassen. Der Transport von zwei der Patienten in die Niederlande werde derzeit vorbereitet, sagte Van Kerkhove.
Auf einer Atlantik-Kreuzfahrt sind nach Angaben der WHO drei Menschen ums Leben gekommen - mutmaßlich nach einer Infektion mit dem Hantavirus. Weitere drei Personen seien infiziert.
04.05.2026 | 0:18 minDer WHO-Epidemiespezialistin zufolge soll das Schiff nun voraussichtlich zu den Kanarischen Inseln fahren. Spanien habe sich bereit erklärt, die "Hondius" anlegen zu lassen, sagte Van Kerkhove. Ziel sei es, den Vorfall zu untersuchen, das Schiff gründlich zu desinfizieren und das Risiko für die verbleibenden Passagiere zu bewerten.
Übertragung von Mensch zu Mensch selten
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wird das Virus durch infizierte Nagetiere übertragen - etwa wenn Kot oder Urin von Mäusen aufgewirbelt und eingeatmet werden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist in begrenzten Fällen nur für den vor allem in Argentinien und Chile vorkommenden Andes-Typ des Virus dokumentiert - er wird hinter dem Ausbruch auf dem Schiff vermutet. Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, erklärt im ZDF-Interview:
Alle anderen Hantaviren, auch die, die bei uns in Deutschland vorkommen, werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen.
Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe
Dort sei der Mensch der "Endwirt", so Schmidt-Chanasit. Das hierzulande vorkommende Hantavirus weise zudem eine "sehr geringe Fallsterblichkeit" auf. Anders sei es bei den in Südamerika zirkulierenden Varianten, dort liege die Sterblichkeit nach einer Erkrankung bei 30 Prozent.
Die Krankheit beginnt mit grippeähnlichen Symptomen und kann zu Herz- und Lungenversagen führen. Da es keine spezifischen Medikamente gibt, konzentriert sich die Behandlung auf die Linderung der Symptome.
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