Erkrankte bei Kreuzfahrt im Atlantik:WHO: Hantavirus wohl von Mensch zu Mensch übertragen
Auf einem Kreuzfahrtschiff könnte das Hantavirus von Mensch zu Mensch übertragen worden sein, vermutet die WHO. Das Schiff darf nun auf den Kanarischen Inseln anlegen.
Das vom Hantavirus-Ausbruch betroffene Kreuzfahrtschiff darf einen Hafen auf den kanarischen Inseln anlaufen. Dort sollen Passagiere und Besatzung medizinisch versorgt werden.
06.05.2026 | 0:24 minNach dem tödlichen Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von einer Übertragung von Mensch zu Mensch aus. "Wir vermuten, dass es bei sehr engem Kontakt eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt", sagte die WHO-Epidemiespezialistin Maria Van Kerkhove bei einer Pressekonferenz in Genf.
Bislang sind drei Passagiere gestorben, ein älteres niederländisches Ehepaar und eine deutsche Person. Die WHO geht derzeit von insgesamt sieben Erkrankungsfällen aus. Üblicherweise wird das Virus durch Ausscheidungen von Nagetieren übertragen. Eine Infektion von Mensch zu Mensch ist der WHO zufolge selten.
Kreuzfahrtschiff darf in Spanien anlegen
Spanien hat dem Kreuzfahrtschiff derweil das Anlaufen eines Hafens auf den Kanarischen Inseln erlaubt. Diese Entscheidung sei in Abstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU gemäß internationalem Recht und humanitären Prinzipien getroffen worden, teilte das Gesundheitsministerium in Madrid mit.
Auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik sterben drei Passagiere mutmaßlich an dem Hantavirus, darunter auch ein Deutscher. Die Gäste sitzen auf dem Schiff fest.
05.05.2026 | 1:36 minDas Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) untersuche das Schiff eingehend, um festzustellen, welche Personen dringend von Kap Verde aus evakuiert werden müssten, teilte das Ministerium weiter mit.
Die übrigen Passagiere werden mit dem Kreuzfahrtschiff demnach zu den Kanarischen Inseln fahren, wo sie voraussichtlich innerhalb von drei bis vier Tagen eintreffen werden.
Erste Ansteckung wohl noch an Land
Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte. Van Kerkhove wies darauf hin, dass viele Passagiere der Expeditions-Kreuzfahrt Wildtierbeobachtungen und ähnliche Aktivitäten unternommen hätten.
Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf einem niederländischen Kreuzfahrtschiff sind drei Passagiere verstorben, darunter ein Deutscher. Bisher ist unklar, wo das Schiff anlegen kann.
05.05.2026 | 2:31 minDie weitere Übertragung könnte dann an Bord zwischen Menschen passiert sein, etwa in Kabinen, sagte Van Kerkhove. Sie schloss nicht aus, dass die Infektionen auch von Nagetieren auf afrikanischen Inseln stammen könnten, die während der Kreuzfahrt angefahren wurden. Laut Schiffsbetreiber seien keine Ratten an Bord, so die WHO-Expertin.
Rund 150 Menschen an Bord
Bei zwei der Todesopfer wurde das Virus inzwischen gesichert durch Labortests nachgewiesen, Untersuchungen zu den übrigen Infektionen und zum genauen Typ des Virus laufen.
Das kleine Kreuzfahrtschiff "Hondius" mit rund 150 Menschen an Bord hatte seine als Naturexpedition in die Antarktis beworbene Reise im März in Ushuaia in Südargentinien begonnen. Derzeit ankert das Schiff vor Kap Verde.
Aus Traumreise wird Alptraum: Drei Menschen starben nach dem mutmaßlichen Ausbruch des Hanta-Virus auf einem niederländischen Kreuzfahrtschiff im Atlantik. Derzeit darf niemand von Bord gehen.
05.05.2026 | 1:58 minVeranstalter: Zwei Erkrankte werden ausgeflogen
Wie der niederländische Kreuzfahrtveranstalter Oceanwide Expeditions am Dienstagabend mitteilte, sollen die zwei erkrankten Menschen an Bord sowie eine weitere Person nun in die Niederlande ausgeflogen werden. Die medizinische Evakuierung der zwei Erkrankten, die eine Notfallversorgung benötigen, erfolge mit zwei speziellen Flugzeugen, die sich derzeit auf dem Weg nach Kap Verde befinden, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens.
Danach solle die Fahrt des Schiffes fortgesetzt werden: "Wir planen, zu den Kanarischen Inseln zu fahren, entweder nach Gran Canaria oder Teneriffa, was eine Fahrtzeit von drei Tagen bedeutet."
Der Veranstalter hatte zuvor erklärt, es seien - abgesehen von den bereits gemeldeten Fällen - keine "neuen symptomatischen" Infektionen an Bord des Schiffes festgestellt worden.
Auf einer Atlantik-Kreuzfahrt sind nach Angaben der WHO drei Menschen ums Leben gekommen - mutmaßlich nach einer Infektion mit dem Hantavirus. Weitere drei Personen seien infiziert.
04.05.2026 | 0:18 minHantavirus greift Herz und Lunge an
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wird das Virus durch infizierte Nagetiere übertragen - etwa wenn Kot oder Urin von Mäusen aufgewirbelt und eingeatmet werden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sei in begrenzten Fällen nur für den vor allem in Argentinien und Chile vorkommenden Andes-Typ des Virus dokumentiert - er wird hinter dem Ausbruch auf dem Schiff vermutet.
Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, erklärt im ZDF-Interview:
Alle anderen Hantaviren, auch die, die bei uns in Deutschland vorkommen, werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen.
Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe
Dort sei der Mensch der "Endwirt", so Schmidt-Chanasit. Das hierzulande vorkommende Hantavirus weise zudem eine "sehr geringe Fallsterblichkeit" auf. Anders sei es bei den in Südamerika zirkulierenden Varianten, dort liege die Sterblichkeit nach einer Erkrankung bei 30 Prozent.
Die Krankheit beginnt mit grippeähnlichen Symptomen und kann zu Herz- und Lungenversagen führen. Da es keine spezifischen Medikamente gibt, konzentriert sich die Behandlung auf die Linderung der Symptome.
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