Experte: Vorfall in Ostsee Teil einer Kampagne Russlands

Interview

Militärexperte bei ZDFheute live:Vorfall in Ostsee "Teil groß angelegter Kampagne" Russlands

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Von einem russischen Schiff sollen Leuchtraketen auf einen dänischen Hubschrauber gefeuert worden sein. Für Militärexperte Pawlak ein Signal für Moskaus steigende Risikobereitschaft.

Julian Pawlak, Experte für maritime Sicherheit bei der Stiftung für Wissenschaft und Politikin einem schwarzen Sakko und weißem Hemd. Im hintergrund ist eine weiße Wand.

Eine russische Fregatte hat in der Ostsee zwei Leuchtkörper auf einen dänischen Hubschrauber abgefeuert. Wie brisant ist der Vorfall? ZDFheute live analysiert mit einem Sicherheitsexperten.

15.09.2026 | 10:01 min

Nach dem Vorfall mit einer russischen Fregatte in der Ostsee beschuldigen sich Dänemark und Russland gegenseitig. Die dänische Armee hatte am Montagabend mitgeteilt, dass die Fregatte zwei Leuchtraketen in Richtung eines dänischen Hubschraubers abgefeuert und diesen nur knapp verfehlt habe. Aus dem Hubschrauber heraus seien in einem Routineeinsatz Fotos von dem Kriegsschiff gemacht worden. Der russische Botschafter sprach von einer Provokation und "gefährlichen Manövern" gegenüber russischen Schiffen.

Wie gefährlich war der Vorfall tatsächlich? Und wie sollte die Nato reagieren? Darüber sprach ZDFheute live mit Julian Pawlak, Experte für maritime Sicherheit bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik.

Sehen Sie das Interview oben im Video in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagte Pawlak zur ...

... Brisanz des Vorfalls in der Ostsee

Die Situation könne durchaus als gefährlich oder brisant bezeichnet werden, sagte Pawlak. "Selbst wenn es sich dabei jetzt um keine tatsächliche militärische Munition gehandelt hat, können solche Einsätze (...) durchaus zu Unfällen führen und im schlimmsten Fall dazu führen, dass auch so ein Helikopter abstürzen könnte und damit Menschenleben gefährdet."

Dänischer Verteidigungsminister Jeppe Bruus

Bei einem routinemäßigen Fotoeinsatz eines Hubschraubers der dänischen Luftwaffe habe eine russische Fregatte zwei Leuchtraketen in Richtung des Helikopters abgefeuert.

15.09.2026 | 0:31 min

Dabei sei die Überwachung russischer Kriegsschiffe "täglicher Standard", betonte Pawlak. Die Schiffe würden von den Nato-Partnern nicht nur fotografiert, sondern teilweise auch eskortiert. In der Nähe von deutschen Hoheitsgebieten übernehme diese Aufgabe zum Beispiel auch die Bundeswehr.

Dass Russland nun ein Zeichen setze, dass es damit nicht einverstanden ist, sei ein Signal seiner zunehmend angespannten Beziehung zu den Nato-Partnern.

Julian Pawlak, Experte für maritime Sicherheit bei der Stiftung für Wissenschaft und Politikin einem schwarzen Sakko und weißem Hemd. Im hintergrund ist eine weiße Wand.
Quelle: ZDF

… forscht und publiziert bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) zu Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Seine Schwerpunkte sind hybride Kriegsführung und der Schutz maritimer kritischer Infrastrukturen, maritime Sicherheit, Ostseeraum und Nato-Nordflanke sowie Nord- und Osteuropa. Die SWP ist ein sogenannter Think Tank und berät politische Entscheidungsträger in Deutschland wie Bundestag und Bundesregierung sowie internationale Organisationen EU, Nato und Vereinte Nationen.

(Quelle: SWP)


... russischen Strategie, die dahinter steckt

Der Vorfall in der Ostsee müsse als Teil einer "groß angelegten Kampagne" Russlands in Europa betrachtet werden, sagte Pawlak. Er zeige, dass die Risikobereitschaft Moskaus steige.

Russland möchte hier ganz eindeutig zeigen, wie stark seine Abschreckungsfähigkeit ist (...).

Julian Pawlak

Der Vorfall lasse sich in eine Reihe weiterer Ereignisse einordnen: Erst vor wenigen Wochen habe eine russische Militäreinheit im Ärmelkanal Warnschüsse gegenüber einem zivilen Boot abgefeuert. Vor zwei Jahren habe es zudem schon einmal Berichte über ein russisches Schiff in der Ostsee gegeben, das mit Signalraketen in Richtung eines Militärhubschraubers geschossen haben soll.

Man sehe eine ganz klare Tendenz Russlands für eine Bereitschaft, in der Ostsee auch gefährliche Aktionen herbeizuführen, so der Marineexperte. Die Aktivitäten der russischen Streitkräfte beschränkten sich jedoch nicht auf den Ostseeraum, sagte Pawlak mit Blick auf russische Drohnen, die auch immer wieder in den Luftraum von Nato-Partnern, insbesondere in Rumänien und Polen, eingedrungen seien.

Nico Lange

Aus dem Archiv: Nach dem versuchten Anschlag auf den Leipziger Flughafen hat Deutschland ein härteres Vorgehen gegen die Schattenflotte angekündigt. Droht eine Konfrontation in der Ostsee? ZDFheute live mit einer Einordnung.

03.09.2026 | 35:08 min

... möglichen Reaktion der Nato

Auf die Frage, ob die dänische Reaktion, den russischen Botschafter einzubestellen, angemessen gewesen sei, antwortete Pawlak: "Das ist in erster Linie ein richtiger, wichtiger diplomatischer Schritt, den man hier gehen kann."

Damit sei es aus seiner Sicht allerdings nicht getan:

Es bräuchte hier noch viel mehr eine stringente, eine gemeinsame europäische Antwort, um wirklich zu zeigen, dass man sich dieses Verhalten nicht länger auf diese Art und Weise gefallen lassen möchte.

Julian Pawlak

Als weitere Schritte nannte Pawlak, sich bei der weiteren Unterstützung der Ukraine nicht verunsichern zu lassen und Russland dort zu begegnen, "wo es konkret wehtut". Für die russische Kriegsfinanzierung seien Ölexporte, Finanzflüsse und konkret in der Nord- und Ostsee auch die Schattenflotte wichtig, zählte er auf.

Das Interview führte ZDFheute live-Moderatorin Jessica Zahedi. Die Zusammenfassung ist von Anja Engelke.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 15.09.2026 ab 19:30 Uhr.

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