Experte zu Deutschlands Umgang mit Russland: Zu vorsichtig

Russlands hybride Angriffe:Militärexperte Lange: Mehr Druck auf Russland war überfällig

von Lisa Hofmann

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Deutschland verschärft den Kurs gegen Russlands Schattenflotte. Militärexperte Nico Lange hält das für überfällig und fordert mehr Entschlossenheit gegen hybride Angriffe Moskaus.

Nico Lange

Nach dem versuchten Anschlag auf den Leipziger Flughafen hat Deutschland ein härteres Vorgehen gegen die Schattenflotte angekündigt. Droht eine Konfrontation in der Ostsee? ZDF heute live

03.09.2026 | 35:08 min

Nach dem mutmaßlich russischen Sprengstoffanschlag auf eine Frachtmaschine in Leipzig kündigte die Bundesregierung ein schärferes Vorgehen gegen die russische Schattenflotte an. Moskau reagierte mit scharfer Kritik.

Militärexperte Nico Lange erklärt bei ZDFheute live, warum Deutschland aus seiner Sicht entschlossener auf Russlands hybride Angriffe reagieren muss.

Sehen Sie oben das ganze Interview oder lesen Sie es hier in Auszügen.

Militärexperte: "Druck an der richtigen Stelle"

Der Militärexperte hält es für den richtigen Ansatz, Druck auf russische Schattenflotten in der Ostsee zu erhöhen. Diese Schiffe fahren unter der Flagge sogenannter Flaggenstaaten und transportieren große Mengen an Öl, erklärt Lange. So tragen sie laut dem Militärexperten zur Finanzierung des russischen Kriegs gegen die Ukraine sowie hybrider Angriffe gegen Deutschland bei und umgehen gegen Russland verhängte Sanktionen.

Nico Lange
Quelle: Tobias Koch

... ist Senior Fellow bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Von 2004 bis 2006 forschte und lehrte er in St. Petersburg - später leitete er die Auslandsbüros der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in der Ukraine und in den USA. Von 2019 bis 2022 war er Leiter des Leitungsstabes im Bundesministerium der Verteidigung.


Großbritannien und Frankreich sind laut Lange bereits gegen Schiffe der russischen Schattenflotte vorgegangen und haben Tanker festgesetzt. Wie Deutschland künftig Druck auf die Schattenflotte ausüben will und ob dies gemeinsam mit anderen Staaten geschieht, sei bislang offen.

Kriminaltechniker der Polizei sind in der Nähe eines ukrainischen Flugzeugs auf dem Flughafen Leipzig/Halle im Einsatz.

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Hybride Angriffe Russlands als Teil eines Musters

Lange begrüßt es, dass Deutschland Russland klar als Verantwortlichen benennt:

Zunächst mal ist es richtig, dass man sagt, wir wehren uns gegen solche Angriffe. Wir lassen uns nicht alles gefallen. Das war höchste Zeit.

Nico Lange

Es sei zudem ein "großer Fortschritt", dass Vorfälle wie der Drohnenvorfall in Leipzig nicht mehr als Einzelfälle betrachtet würden. Das Bundesinnenministerium erkenne inzwischen, dass sie Teil eines umfassenderen Musters russischer hybrider Angriffe seien. Auch in anderen europäischen Ländern gab es laut Lange russische Anschläge, darunter Morde, Explosionen, Brandstiftungen und Drohnenflüge.

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Lange: Reaktion Deutschlands ist gerechtfertigt

Vor diesem Hintergrund hält der Militärexperte die Reaktion der deutschen Regierung für gerechtfertigt. Lange zeigt wenig Verständnis für die Sorge, Deutschland riskiere einen Krieg, wenn es sich entschlossener gegen Russland zur Wehr setze: "Wir versuchen immer noch, die Vernünftigen zu sein, die sagen, wir dürfen nicht eskalieren. Diese Eskalationen gehen ja ganz klar von Russland aus."

Seiner Ansicht nach sei Russland bislang "relativ ungestraft" davongekommen, während deutsche Unternehmen seit Jahren Milliardenschäden durch russische Cyberangriffe erleiden.

Ich finde das ja ganz erstaunlich, dass Deutschland da immer noch so vorsichtig ist.

Nico Lange, Militärexperte

Investigativ-Journalist Bojan Pancevski vor dem Bild einer ukrianischen Antonov

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Militärexperte: Deutschland muss sich besser schützen

Die Bundesregierung müsse sich stärker darauf konzentrieren, Deutschland gegen russische Angriffe zu schützen, sagt Lange. Man müsse zeigen, dass man sich nicht provozieren und "nicht mehr alles gefallen lasse". Andernfalls würde das von russischer Seite als Schwäche wahrgenommen werden und die Angriffe gingen weiter, so der Militärexperte.

Wir sollen aus meiner Sicht darüber nachdenken, wie wir unsere Angst überwinden und Russland klarmachen können: 'Tut das nicht, das wird schwerwiegende Folgen für euch haben.'

Nico Lange

Dabei könne man sich ein Beispiel an baltischen und skandinavischen Staaten nehmen, die getreu dem Motto "nur mit Stärke und Härte wird man Russland Einhalt gebieten können", handelten.

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Lange: Skepsis gegenüber Putins Verhandlungsbereitschaft

Um in eine Verhandlungsposition mit Russland zu kommen, müsse Deutschland "auf eigene Stärke" setzen, sagt Lange. Er glaube nicht daran, dass "plötzlich der gute Putin zum Vorschein kommt, der verhandeln will".

Kritisch äußert sich Lange auch zum Vorgehen der US-Regierung im Ukraine-Krieg. Es sei "skandalös", dass die Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner "ständig die russische Position zu bewerben versuchen", obwohl sie bislang noch nie in Kiew gewesen seien.

Deshalb sei es ein Fortschritt, dass die beiden nun in die Ukraine reisen wollen, so Lange. Hoffnung auf erfolgreiche Verhandlungen hat der Militärexperte jedoch nicht: "Man kann von Trump und seinen Leuten im Moment nicht viel erwarten und man sieht ja in der Auseinandersetzung mit Iran und anderswo, dass die jetzt nicht die erfolgreichsten Verhandler aller Zeiten sind."

Das Interview führte ZDFheute live-Moderatorin Alica Jung.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 03.09.2026 ab 19:30 Uhr.

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