Pekings Panda-Diplomatie:Kulleraugen statt Kontroll-Staat
von Miriam Steimer, Peking
China nutzt seine Riesenpandas zur Image-Pflege und als diplomatisches Symbol: Wer sich mit Peking gut stellt, kriegt sie - wie Bayern. Wer nicht, muss sie zurückgeben - wie Japan.
Japan stellt sich gegen Chinas Ansprüche auf Taiwan. Als Reaktion darauf fordert China die Tiere jetzt zurück. Die Pandas sollten ein Symbol der chinesisch-japanischen Freundschaft sein.
27.01.2026 | 0:59 minMit Plüsch-Pandas, Panda-Fähnchen und Tränen, so verabschieden sich in Tokio viele Menschen von Xiao Xiao und Lei Lei. Manche standen mehr als drei Stunden Schlange, um die Panda-Zwillinge ein letztes Mal zu sehen. Denn heute sollen sie Japan verlassen und nach China zurückkehren.
Seit 1972 ist Japan damit zum ersten Mal Panda-los - und wird es wohl erstmal bleiben. Die Beziehungen zwischen China und Japan sind auf einem Tiefpunkt.
"Endlich zurück zu Hause"
Auf den streng kontrollierten chinesischen Social-Media-Plattformen werden die Pandas mit Herzen und "endlich zurück zu Hause"-Kommentaren gefeiert. "Wer China erniedrigt, bekommt keinen Panda", kommentiert ein Nutzer auf Weibo.
Riesenpandas oder Sanae Takaichi? Ihr habt die Wahl.
Nutzer auf Douyin, dem chinesischen Vorbild unserer Tiktok-App
Denn ohne dass das als offizieller Grund angegeben wird, erfolgt die Rückforderung der Pandas zu einer Zeit, in der die Beziehung zwischen China und Japan so schlecht ist wie lange nicht.
Anfang November hatte die neue Ministerpräsidentin Sanae Takaichi angedeutet, dass ein hypothetischer Angriff Chinas auf das demokratisch regierte und von der Volksrepublik beanspruchte Taiwan eine militärische Reaktion Tokios auslösen könnte.
China hat eine großangelegte Militärübung um Taiwan begonnen. Dabei geht es nicht nur um die Insel, sondern auch um die USA und Japan. ZDFheute live erklärt den aktuellen Konflikt.
29.12.2025 | 22:02 minTakaichis Äußerung zu Taiwan: Peking verärgert
Peking reagierte verärgert mit Exportbeschränkungen, Flugstreichungen, Konzertabsagen und einer erneuten Reisewarnung kurz vor dem chinesischen Neujahrsfest, der längsten Ferienzeit des Landes. Hinzu kommt, dass Japan seine Pandas zurückgeben muss. Die Tiere als "Symbol der Freundschaft" passen Peking wohl aktuell nicht ins chinesisch-japanische Verhältnis.
Zu Beginn von Pekings Panda-Diplomatie wurden die Riesenpandas noch verschenkt: 1957 zum ersten Mal, an die Sowjetunion. Inzwischen werden die Tiere teuer verliehen. Etwa eine Million US-Dollar pro Jahr sollen die Gastgeber-Länder sich die Panda-Ausleihe kosten lassen. Die Tiere bleiben Chinas Eigentum, möglicher Nachwuchs ebenso. Das bedeutet auch: Sie können jederzeit zurückgefordert werden.
Taiwan ist Vorzeige-Demokratie und Wirtschaftsmacht. Die Sorge steigt, dass die Insel zum Kriegsschauplatz werden könnte. Ein Konflikt, der vor etwa hundert Jahren begann.
22.09.2024 | 30:33 minZwei Pandas für München
Peking nutzt die Pandas als Soft Power. Sie sind niedlich, selten, unpolitisch und sollen ein positives China-Bild verbreiten. Peking ist es lieber, wenn die ganze Welt beim Stichwort China an niedliche Bambus mampfende Tiere denkt, als an Überkapazitäten, Aufrüstung oder Menschenrechts-Verletzungen.
Japan ohne Pandas: Xiao Xiao und Lei Lei werden am Dienstag aus dem Ueno Zoo in Tokio nach China geschickt. (Archivbild: 25.01.2026)
Quelle: epaGerade durch die Unruhe, die US-Präsident Donald Trump in den westlichen Bündnissen verbreitet, wittert Peking eine Chance und setzt die Pandas als außenpolitisches Instrument ein.
Chinesische Firmen hätten in der Vergangenheit immer wieder versucht, sich an Infrastruktur oder Wirtschaftsprojekten in Grönland zu beteiligen, so Peking-Korrespondentin Miriam Steimer.
21.01.2026 | 2:54 minDeshalb dürfte Peking auch sehr zufrieden damit sein, dass Deutschland ab 2028 einen zweiten Panda-Standort bekommt. Neben den beiden Pandas Meng Meng und Jiao Qing im Berliner Zoo und ihrem Nachwuchs Meng Hao und Meng Tian, soll der Münchener Tierpark Hellabrunn zwei weitere bekommen.
Die im August 2024 im Berliner Zoo geborenen Panda-Zwillinge Leni und Lotti (ihre offiziellen Namen sind Meng Hao und Meng Tian) machen ihre ersten Schritte.
08.01.2025 | 1:10 minDort können sie dann von großen Kinderaugen bewundert werden, bis auch Deutschland in Pekings Augen das nächste Mal in Ungnade fällt.
Miriam Steimer ist Korrespondentin und als Studioleiterin des ZDF-Studios Ostasien zuständig für die Berichterstattung u.a. aus China, Japan, Korea und den Philippinen.
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