Ukraine: Zahl der Angriffe auf Personenzüge steigt

Angriffe auf ukrainische Züge:"Die Drohne greift an, wann immer sie kann"

Alica Jung

von Alica Jung

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Seit Beginn des Jahres steigt in der Ukraine die Zahl der Angriffe auf Personenzüge. Die ukrainische Bahn hat nun ein neues Konzept zur Evakuierung vorgelegt.

Dieses Foto, das am 04.10.2025 auf dem offiziellen Telegram-Kanal des stellvertretenden Ministerpräsidenten für den Wiederaufbau der Ukraine und Ministers für Gemeinden und Gebietsentwicklung der Ukraine, Oleksiy Kuleba, veröffentlicht wurde, zeigt einen brennenden Zugwaggon nach einem Drohnenangriff in Schostka, Region Sumy.

Nach Angriffen auf ukrainische Stromnetze und Heizkraftwerke hat Russland neue Ziele gefunden: Zugstrecken, Bahnhöfe und Güterlogistik. Wie geht man in der Ukraine mit der neuen Gefahr um?

07.04.2026 | 2:04 min

Die Bahn ist so etwas wie die Lebensader der Ukraine. Sie verbindet das gesamte Land miteinander, transportiert Menschen aus dem Westen bis hin zu den Städten nahe der Front im Süden und tief im Osten. Doch nun gibt es eine neue Gefahr für ukrainische Zivilisten. Seit Beginn des Jahres sind die Drohnenangriffe auf die ukrainische Bahn gestiegen, nicht nur auf Bahnhöfe und Logistik, sondern auch auf Passagierzüge.

Insgesamt sei das ukrainische Bahnnetz seit Jahresbeginn über 472 Mal angegriffen worden, meldet die ukrainische Bahn (Ukrzaliznytsia). Darunter waren demnach 40 Passagierwagen, 81 Lokomotiven, 145 Frachtzüge und zwölf Bahnhöfe.

Vor allem Regionalzüge würden zum Ziel, sagt der CEO der Bahn, Oleksandr Pertsovskyi, weil die Schienenverbindung für die Orte an der Front von entscheidender Bedeutung sei.

Anweisungen für Evakuierung auf der Strecke

Deshalb verteilt die ukrainische Bahn nun Sicherheitskarten in den Waggons mit Anweisungen für eine mögliche Evakuierung. Passagiere müssten sich so schnell und so weit weg wie möglich vom Abteil entfernen, wenn eine Drohne sich ihrem Zug nähert, egal wo er gerade fährt, erklärt Oleksandr Shevchenko, stellvertretender Direktor des Personenverkehrs. Die russischen Drohnen suchten sich nicht den Ort aus, der der Bahn oder den Fahrgästen gerade passe, "die Drohne greift an, wann immer sie kann".

Aktuell sieht man bei Social Media regelmäßig Videos von Menschen, die sich bei ihrer Evakuierung filmen, mitten in der Nacht oder mitten im Wald. Die ukrainische Bahn ist sich bewusst, dass eine solche Evakuierung unangenehm für die Fahrgäste sein kann, "aber es geht eben um die Gefahr, getötet zu werden versus der Gefahr, zu spät zum Frühstück in einer anderen Stadt anzukommen", sagt Oleksandr Shevchenko. Die Evakuierung erfolge erst, wenn sich eine Drohne in einer Reichweite von 15 bis 20 Minuten zum Zug befände.

Menschen legen Blumen am Majdan Nesaleschnosti in Kiyv nieder.

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Mehrere Tote bei Angriffen auf Züge

In den letzten drei Monaten sind bei Angriffen auf Züge bereits mehrere Menschen getötet worden. Im Falle eines direkten Treffers könne das Abteil zu einer Falle werden, sagt CEO Oleksandr Pertsovskyi. Durch den Einschlag beginne es zu brennen, das Metall verbiege sich schnell und Chemikalien würden freigesetzt. So starben bei einem Drohnenangriff auf einen Zug mit 155 Reisenden Ende Januar nahe Charkiw sechs Menschen.

Doch für viele Ukrainer bleibt die Bahn das wichtigste Verkehrsmittel, weil sie selbst kein Auto besitzen und viele alternative Fortbewegungsmittel teurer sind. So verspricht Pertsovskyi auch künftig, die Strecken Richtung Süden und Osten weiter befahren zu wollen, um das Land miteinander zu verbinden.

Die ukrainische Bahn war bislang in den Kriegsjahren fast immer auf die Minute pünktlich, nun wird sie wohl häufiger zu spät kommen, allerdings mit driftigem Grund.

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