Andy Burnham: Was er als Premier fürs Vereinigte Königreich plant

Diese fünf Punkte will er ändern:Großbritannien: Andy Burnham ist neuer Premierminister

von Sonja Dawson, London

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Das Vereinigte Königreich hat einen neuen Premierminister. Doch was will Andy Burnham anders machen als sein Vorgänger Keir Starmer? Die wichtigsten Punkte im Überblick.

neuer premier burnham

Großbritannien hat einen neuen Premierminister: Labour-Chef Andy Burnham. Er soll das Land aus der Krise führen. Für die Briten ist es der siebte Regierungschef in zehn Jahren.

20.07.2026 | 2:18 min

Andy Burnham ist neuer Premierminister des Vereinigten Königreichs. König Charles III. beauftragte den Chef der sozialdemokratischen Labour-Partei mit der Regierungsbildung. Burnham wurde Nachfolger von Keir Starmer, den er bereits am Freitag als Chef der Mitte-links-Regierungspartei Labour ersetzt hatte. Burnham ist der siebte Premierminister Großbritanniens innerhalb von zehn Jahren.

Andy Burnham umringt von Pressepersonen.
Britischer Premierminister Keir Starmer
Rishi Sunak
Britische Außenministerin Liz Truss verlässt Downing Street nach Treffen mit Boris Johnson
Boris Johnson in der Downing Street
Theresa May vor Downing Street No. 10 zu Ihrem Amtsantritt als Premierministerin am 13.07.2016
Ex-Premier Cameron verlässt Downing Street 10.

Andy Burnham ist neuer Premierminister

Ein neuer Vorsitzender für die Labour Party, ein neuer Premier für das Vereinigte Königreich: Andy Burnham beginnt seine Amtszeit mit großen Plänen.

Quelle: AFP

Burnham hat sich außerhalb von Westminster einen Namen gemacht, indem er als Bürgermeister des County Greater Manchester die Region durch eine Phase rasanten Wirtschaftswachstums geführt hat. Die Labour-Partei hofft, mit ihm erfolgreicher zu sein als mit Keir Starmer.

Antrittsrede: Andy Burnham ist neuer britischer Premier

Die ganze Rede von Premierminister Andy Burnham zu seinem Amtsantritt.

20.07.2026 | 12:04 min

Reformen wagen, investieren und gleichzeitig Geld sparen. Geht das? Andy Burnham steht vor der Quadratur des Kreises. ZDFheute mit einem Überblick, was er schaffen will.

1. Mehr Wachstum außerhalb Londons

Burnhams zentrales politisches Thema ist die sogenannte "Devolution" - die Verlagerung von Kompetenzen weg aus London. Er kritisiert, dass England zu stark von Westminster aus regiert werde, zum Nachteil des Nordens. Das will er ändern: Wirtschaftlich verfolgt er das Ziel, "Wachstum in jeder Postleitzahl" zu erreichen. Politisch fordert er mehr Kompetenzen für die Regionen; als Vorbild nennt er häufig Deutschland und dessen föderale Struktur.

Deutschland zeigt uns, dass regionale Ungleichheiten besser bekämpft werden können, wenn die Regeln gesetzlich verankert sind.

Andy Burnham

Burnham sprach zudem von einem "No. 10 in the North" - einer Art Filiale von 10 Downing Street, dem Amtssitz des Premiers, in Manchester.

Großbritannien, London: König Charles III. (r) empfängt Andy Burnham bei einer Audienz im Buckingham Palace

ZDF-Korrespondent Wolf-Christian Ulrich zum Regierungswechsel in London

20.07.2026 | 5:04 min

2. Lebenshaltungskosten senken

Keir Starmers Labour-Regierung hat bereits eine öffentliche Energiegesellschaft geschaffen und eine erste Eisenbahn-Linie verstaatlicht. Burnham möchte diesen Ansatz weiterverfolgen. Bereiche wie die Wasserversorgung oder der Nahverkehr sollen stärker öffentlich kontrolliert werden.

Zudem sollen kleine Unternehmen und Pubs gezielt gefördert werden. Eine Steuererhöhung für sehr hohe Einkommen schließt er nicht aus.

3. Mehr Sozialwohnungen und Reform der Sozialpflege

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum gehört für Burnham zu den größten Problemen im Vereinigten Königreich. Er fordert das größte kommunale Wohnungsbauprogramm seit der Nachkriegszeit.

Wenn man den Menschen kein gutes Zuhause bietet, welche Chance haben sie dann auf ein gutes Leben?

Andy Burnham

Als ehemaliger Gesundheitsminister legt Burnham zudem großen Wert auf eine Reform der Sozialpflege. Die Idee, dass die Erbschaftssteuer durch eine nationale Pflegeabgabe ersetzt wird, um so Pflege verlässlicher zu finanzieren, steht im Raum.

Nach dem Rücktritt von Keir Starmer übernimmt der neue Labour-Parteivorsitzende Andy Burnham das Amt des Premierministers.

Der neue Labour-Parteivorsitzende Andy Burnham wurde heute zum neuen Premierminister Englands ernannt. ZDF-Korrespondentin Hilke Petersen berichtet.

20.07.2026 | 1:18 min

4. Außen- und sicherheitspolitisch weitgehend Kontinuität

Was Deutschland, die EU und vor allem die Ukraine jetzt besonders interessiert: In der Außenpolitik dürfte Burnham weitgehend auf Kontinuität setzen und Keir Starmers Kurs fortsetzen.

Das heißt weiterhin eine pragmatische Annäherung: weniger Handelshemmnisse, engere Zusammenarbeit in Forschung und Wissenschaft sowie mehr Kooperation in Sicherheitsfragen. Eine Rückkehr Großbritanniens in die EU hält er für unrealistisch. Auch die Unterstützung der Ukraine und die enge Zusammenarbeit mit der Nato dürften unter Burnham fortgesetzt werden.

Großbritanniens Unterstützung für die Ukraine wird nicht wanken.

Andy Burnham

Auf die Frage nach dem anhaltenden Konflikt zwischen Israel und Palästina entschuldigte sich Burnham - während er die Hamas scharf verurteilte - für die anfängliche Reaktion der Labour-Partei. Großbritannien habe zu lange gezögert, einen Waffenstillstand zu fordern.

Der Labour-Kandidat Andy Burnham ist umringt von Anhängern.

Nach der gewonnenen Nachwahl des Labour-Politikers Andy Burnham im englischen Makerfield erwarteten viele, dass er Premierminister Keir Starmer als Chef der Labour-Partei herausfordern wird.

19.06.2026 | 3:34 min

5. Reform des Wahlrechts

Burnham will das britische Wahlsystem reformieren. Das derzeitige System bevorzugt große Parteien, da nur der Gewinner eines Wahlkreises einen Sitz erhält.

Ich bin ein starker Befürworter einer Wahlreform, unter anderem, weil ich überzeugt bin, dass sie eine kooperativere Politik ermöglicht.

Andy Burnham

Er befürwortet ein Verhältniswahlrecht, bei dem die Sitzverteilung stärker dem landesweiten Stimmenanteil entspricht. Da eine Wahlrechtsreform nicht im Wahlprogramm der Labour-Partei unter Starmer stand, ist sie in dieser Legislaturperiode jedoch unwahrscheinlich.

Die größte Herausforderung: die Finanzierung

Viele von Burnhams Vorhaben kosten sehr viel Geld. Genau dies wird seine größte politische Herausforderung. Auch wenn er und seine Ideen laut Umfragen beliebt sind, wird er nicht denselben Handlungsspielraum haben, den er als Bürgermeister von Greater Manchester und als "King of the North" genannter Regionalpolitiker hatte. Es stehen schwierige Entscheidungen in Bezug auf Steuern, Ausgaben und Verschuldung an, wenn Andy Burnham seinen Erfolg im Norden auf das ganze Land ausweiten will.

Mit Material von dpa und AFP

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Über das Thema berichtete das ZDF-Morgenmagazin am 20.07.2026 ab 5:30 Uhr.

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