Afghanen-Aufnahme: Dobrindt will strenge Prüfungen vor Einreise

Aufnahmeflüge nach Deutschland:Dobrindt kündigt Überprüfung von Afghanen an

Dominik Rzepka
von Dominik Rzepka
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Am Montag kommen etwa 50 Afghanen in Hannover an. Innenminister Dobrindt will alle Afghanen vor der Einreise prüfen lassen. Wer keinen Anspruch habe, erhalte künftig kein Visum.

Alexander Dobrindt

Dobrindt: "Die Sicherheitsüberprüfung muss stattfinden"

29.08.2025 | 0:56 min

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat Sicherheitsüberprüfungen aller Afghanen angekündigt, die im Rahmen eines Aufnahmeprogramms nach Deutschland einreisen werden. Dobrindt sagt ZDFheute:

Wir werden jeden einzelnen Fall einer Prüfung zuführen.

Alexander Dobrindt, CSU

Es müsse eine Sicherheitsüberprüfung stattfinden und ein Aufnahmeverfahren durchlaufen werden. "Je nachdem werden dann die Entscheidungen getroffen, ob es zu Aufnahmen kommen kann oder eben auch nicht", so Dobrindt.

Ferienflieger bringt Flüchtlinge zurück in den Irak.

Deutschland will die Aufnahmeprogramme für gefährdete Afghanen beenden. In Pakistan warten noch über 2000 Menschen mit einer Aufnahme-Zusage auf ihre Ausreise.

25.08.2025 | 1:40 min

Ankunft am Flughafen Hannover erwartet

Hintergrund ist, dass die Bundesregierung in der kommenden Woche ihr derzeit noch ausgesetztes Aufnahmeprogramm für afghanische Staatsbürger wieder aufnehmen wird. Am Montag ist die Ankunft am Flughafen Hannover geplant. Die Rede ist von etwa 50 Afghanen sein, darunter auch Frauen und Kinder.

Die Afghanen gehören zu den knapp 2.300 Menschen, die derzeit noch mit einer vorläufigen Aufnahmezusage aus Deutschland in Pakistan festsitzen.

Die Hauptantragsteller sind Personen, die Deutschland tatsächlich als sogenannte Ortskräfte - etwa als Dolmetscher - während des Bundeswehreinsatzes am Hindukusch geholfen haben oder die aufgrund ihres Engagements gegen das Taliban-Regime als gefährdet gelten.

Taliban personnel shout slogans as they celebrate the fourth anniversary of their takeover of Afghanistan near the Kabul Polytechnic University in Kabul on August 15, 2025.

In Afghanistan hat sich laut Amnesty International unter den Taliban die Rechtslage drastisch verschlechtert. Willkürliche Urteile, Folter und Hinrichtungen seien Alltag.

15.08.2025 | 0:26 min

Dobrindt: "Geerbtes Thema"

Dobrindt sagt, dass ein Teil dieser Personen eine rechtsverbindliche Aufnahmezusage habe. Diese Personen könnten "darauf pochen, dass diese Aufnahmen auch erfüllt werden". Aber:

Wer keine rechtsverbindliche Aufnahmezusage der Bundesrepublik Deutschland aus der Vergangenheit hat, der wird auch nicht nach Deutschland kommen können.

Alexander Dobrindt, CSU

Juristischer Druck zwingt Bundesregierung zum Handeln

Zugleich weist Dobrindt darauf hin, dass das Aufnahmeprogramm noch "aus der letzten Wahlperiode" stamme. Die Durchführung dieses Verfahrens dauere seine Zeit. "Etwas, was über Monate oder Jahre nicht abgearbeitet worden ist, das kann man auch nicht erwarten, dass das jetzt in Wochen stattfindet", so Dobrindt.

Die Vorwürfe, die da verteilt werden, die bitte ich in die Vergangenheit zu richten, weil da hat man dieses Programm aufgesetzt und es offensichtlich nicht abgearbeitet, so dass man jetzt mit diesem geerbten Thema umgehen muss.

Alexander Dobrindt, CSU

Alexander Dobrindt

Innenminister Dobrindt sagt, dass das Aufnahmeprogramm für afghanische Staatsbürger noch "aus der letzten Wahlperiode" stamme. Die Durchführung dieses Verfahrens dauere seine Zeit.

29.08.2025 | 0:53 min

Deutschland hatte Ortskräften Aufnahme zugesichert

Nach der Machtübernahme der islamistischen Taliban in Afghanistan vor vier Jahren hatte die Bundesregierung besonders gefährdeten Menschen - sogenannten Ortskräften, Menschenrechtlern und Journalisten - eine Aufnahme in Deutschland zugesichert.

Laut Angaben des Auswärtigen Amtes waren in den vergangenen Tagen mehr als 450 afghanische Staatsangehörige mit deutscher Aufnahmezusage in Pakistan verhaftet worden. 245 von ihnen wurden nach Vermittlung der Bundesregierung wieder aus Abschiebelagern entlassen.

Die Bundesregierung hatte Anfang der Woche ihren monatelangen Aufnahmestopp für gefährdete Afghanen beendet - nicht zuletzt durch juristischen Druck. Demnach droht dem Auswärtigen Amt ein Zwangsgeld, falls es Afghanen mit einer verbindlichen Aufnahmezusage für Deutschland keine Visa erteilt.

Quelle: ZDF, KNA

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