Toter Buckelwal vor Dänemark: Ist es Timmy? Das sagt ein Biologe

Interview

Walkadaver vor Dänemark:Ist der tote Wal "Timmy"? Das sagt ein Meeresbiologe

von Silas Thelen

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Ist "Timmy" tot? Mit dem Fund eines toten Wals vor der dänischen Insel Anholt beginnen die Spekulationen. Biologe Fabian Ritter sieht Anhaltspunkte - und will aus dem Fall lernen.

Biologe Fabian Ritter

Ein toter Wal wurde vor der Insel Anholt gefunden. Ob es sich um den Buckelwal "Timmy" handelt, könne man nur herausfinden, indem man das Tier eingehend untersucht, so Wal-Experte Fabian Ritter.

15.05.2026 | 11:05 min

Der Fund eines toten Wals nahe der Insel Anholt vor Dänemark sorgt für Spekulationen: Handelt es sich bei dem Tier um "Timmy"? "Dass es ein Buckelwal ist, steht außer Zweifel", erklärt Meeresbiologe Fabian Ritter bei ZDFheute live.

Vom Zeitpunkt und vom Ort her gibt es eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass es sich tatsächlich um diesen Buckelwal handelt.

Fabian Ritter, Meeresbiologe

Sicherheit gebe es noch nicht, so der Experte: "Das müssen letztlich jetzt Menschen und Experten vor Ort herausfinden." Medienberichten zufolge war ein mutmaßlicher Buckelwalkadaver auf der dänischen Insel Anholt im Kategatt zwischen Dänemark und Schweden angeschwemmt worden.

Es könnte sich um den jungen Buckelwal handeln, der wochenlang vor der deutschen Ostseeküste umhergeirrt und von einer privaten Rettungsinitiative mit einem Lastkahn vor der Nordspitze Dänemarks freigesetzt worden war.

15.05.2026, Dänemark, Anholt: Ein toter Wal liegt vor der dänischen Insel Anholt.

Vor der dänischen Insel Anholt ist ein toter Wal entdeckt worden, vermutlich ein Buckelwal. Unklar ist, ob es sich um "Timmy" handelt.

15.05.2026 | 0:20 min

Ist "Timmy" tot? Gewebeprobe soll Aufschluss bringen

Dass sich Buckelwale in der Ostsee aufhielten, sei "extrem selten", berichtet auch ZDF-Reporter Timm Kruse aus Kiel. Der aktuelle Fundort des Wals vor der Insel Anholt spreche in Verbindung mit dem Ort der Freilassung und den Windverhältnissen dafür, dass es sich bei dem toten Tier um "Timmy" handle.

Es wäre schon ein seltsamer Zufall, wenn das jetzt nicht Timmy wäre. (…) Aber wir bewegen uns weiter in der Spekulation.

Timm Kruse, ZDF-Reporter in Kiel

Eine Gewebeprobe aus der Schwanzflosse soll nun Aufschluss bringen. Für die Analyse wurden 30 bis 50 Zentimeter lange Stücke des Wals in Labore sowohl in Deutschland als auch in Dänemark gebracht, so Kruse.

Karte die den Ort zeigt, wo der tote Wal in der nähe von Anholt angespühlt wurde.

Der tote Wal in der Nähe der dänischen Insel Anholt angespült. Ob es sich um Buckelwal "Timmy" handelt, wird geprüft.

Quelle: ZDF

Biologe: "Wal ganz eindeutig ein Opfer der Fischerei"

Biologe Fabian Ritter erneuert seine Skepsis gegenüber der privaten Rettungsaktion bei ZDFheute live. Aktuell sei es jedoch eher geboten, "in die Zukunft zu schauen", so Ritter. Nun müsse es um die Frage gehen, "wie können wir verhindern, dass sich solche Schicksale wiederholen." Denn: "Der Wal ist ganz eindeutig ein Opfer der Fischerei geworden, er war in ein Netz verheddert, aus dem man ihm mühsam herausgeholfen hat."

Es gebe mehrere Hunderttausende Wale und Delfine, die weltweit auf ähnliche Weise sterben, so der Biologe. Sein Appell: "Ich wünsche mir, dass da ein Umdenken passiert - ein Bewusstseinswandel. Dass wir erkennen, wie schlimm wir mit den Walen, Delfinen, Meeren umgehen."

Wenn sich das Verhalten der Menschen ändert, dann ist dieser Wal - egal welcher Wal das jetzt ist - nicht umsonst gestorben.

Fabian Ritter, Meeresbiologe

Vor der dänischen Insel Anholt ist ein toter Wal gefunden worden.

Vor der dänischen Insel Anholt ist ein toter Wal gefunden worden. Bisher ist unklar, ob es "Timmy" ist. ZDFheute live zu dem, was bekannt ist und wie es jetzt weitergeht.

15.05.2026 | 25:08 min

Wie können wir Strandungen künftig verhindern?

Um Strandungen von Walen künftig zu verhindern, müsse man dafür sorgen, dass "die Gefahrenfaktoren abnehmen", so Biologe Ritter: Insbesondere Stellnetze seien "der Todesbringer Nummer eins für Wale und Delfine". Diese Vorrichtungen müsse man stärker reglementieren, um sie so von Schutzzonen fernzuhalten.

Zusätzlich habe jeder Einzelne über den privaten Fischkonsum "einen ziemlich großen Hebel" zur Verfügung, den Meeren etwas Gutes zu tun, so der Experte.

Die Interviews führte ZDFheute-live Moderatorin Barbara Parente.

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Quelle: Mit Material von AFP
Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 15.05.2026 ab 17:30 Uhr in "Ist "Timmy" tot?".

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