Zwischen Erwartungen und Emotionen:Ungeplant schwanger: "War innerlich hin- und hergerissen"
von Clara Solf
Laura, Klara und Jacky halten unerwartet einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Was nun? Abtreiben oder behalten? Eine schwierige Entscheidung für die Frauen.
Eine ungeplante Schwangerschaft verändert alles. Klara weiß, was sie will. Für Jacky und Laura beginnt die Suche nach Antworten zwischen Erwartungen und Zukunftsträumen.
08.09.2026 | 28:40 min12. Januar - ein Datum, das Laura in ihrem Kalender eingekreist hat und an das sie sich auch jetzt, sieben Jahre später, noch genau erinnert. An diesem Tag hielt sie einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand.
"Ich war auf jeden Fall innerlich hin- und hergerissen", erzählt sie. Als Laura ungeplant schwanger wurde, hatte sie gerade ihren Bachelor abgeschlossen und mit ihrem Master in Kiel begonnen.
Laura wusste, dass sie irgendwann Mutter werden wollte. Doch in diesem Moment kreisten Sorgen und Zweifel in ihrem Kopf: "Das passt gerade nicht, und ich bin gar nicht bereit, weil ich gar nicht weiß, wo ich hinwill", dachte die damals 26-jährige Studentin.
Mit 18 Jahren wird Larissa ungeplant schwanger. Ist sie bereit, Mutter zu werden - und hat ihre Liebe zum Kindsvater so überhaupt eine richtige Chance?
18.11.2025 | 14:20 minEntscheidung: Kein drittes Kind
Knapp 30 Prozent der Schwangerschaften in Deutschland sind laut einer repräsentativen Studie unbeabsichtigt. Ausdrücklich ungewollt sind rund 15 Prozent aller Schwangerschaften. Von diesen werden etwa 55 Prozent ausgetragen und 45 Prozent abgebrochen.
Klara erlebte den Moment einer überraschenden Schwangerschaft erst vor kurzem. Wenige Tage nach der Trennung von ihrem damaligen Partner hielt sie den positiven Schwangerschaftstest in den Händen.
"Mein erster Impuls und mein erster Gedanke war einfach nur: Ich will nicht", sagt sie. Klara ist 33 Jahre alt und wochenweise alleinerziehende Mutter von zwei Schulkindern. Für sie stand von Anfang an fest:
Ich möchte nicht nochmal schwanger sein, gebären und nochmal Mama werden.
Klara, wochenweise alleinerziehende Mutter
Ihren beiden Kindern erzählte sie nichts von der Schwangerschaft. "Ich habe die ganze Zeit sagen müssen, dass ich eine Magen-Darm-Grippe habe", blickt Klara zurück. So habe sie ihnen die ständige Übelkeit erklärt.
Frauen, die schwanger sind und ihre Kinder nicht austragen wollen - was macht ein Schwangerschaftsabbruch mit ihnen?
21.05.2023 | 27:00 minZerreißprobe für die Beziehung
Für Jacky (28) und ihren Partner Eugen war die ungeplante Schwangerschaft vor drei Jahren zunächst eine Zerreißprobe für ihre Beziehung. Sie tendierte dazu, das Kind zu bekommen - Eugen anfangs eher dagegen. Gemeinsam gingen sie zu einer Schwangerschaftskonfliktberatung. Diese ist für alle Frauen in Deutschland verpflichtend, die einen Abbruch in Erwägung ziehen. Ein Schritt, der mit vielen Emotionen verbunden war.
Vor Ort war es natürlich auch nicht so einfach, als Paar dazustehen, das sich nicht einig ist.
Jacky, ging mit ihrem Partner zur Schwangerschaftskonfliktberatung
Entscheidung brachte der Moment, als die Beraterin Jacky fragte, ob sie aus Liebe zu Eugen einen Abbruch vornehmen lassen würde. In dem Augenblick wurde ihr klar: "Auf keinen Fall. Wenn ich das machen würde, dann würde unsere Beziehung kaputtgehen." Auch für ihren Partner war es ein Schlüsselmoment, in dem er wusste, dass er bleiben würde.
Jacky (l.) und Eugen haben sich mit ihren Kindern eine gemeinsame Zukunft aufgebaut.
Quelle: Privat"Dann war es ab einem gewissen Zeitpunkt so, als wäre es geplant - weil er und ich dabei waren. Und dann haben wir uns gefreut", sagt Jacky im Rückblick auf ihre erste Schwangerschaft. Mittlerweile hat ihr Sohn sogar ein Geschwisterkind bekommen, das zwar "nicht geplant, aber trotzdem gewollt" sei, wie die junge Mutter erzählt. Die beiden sind froh über ihre Entscheidung.
Jeder hat meiner Meinung nach das Recht, selbst zu entscheiden, ob man diesen Schritt gehen möchte oder nicht.
Jacky
Hürden auf dem Weg zum Schwangerschaftsabbruch
Für Klara stand der Entschluss von Anfang an fest. Auf dem Weg zum Schwangerschaftsabbruch musste sie sich jedoch auch mit anderen Meinungen auseinandersetzen: Sie hörte Sätze wie "Sie haben doch schon zwei Kinder, und ein drittes Kind ist da nicht auch noch drin?"
Die Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch bedeutete für Klara nicht nur medizinische Fragen, sondern auch organisatorische und bürokratische Hürden.
Quelle: Dawin MeckelDer Abbruch einer Schwangerschaft ist in Deutschland in der Regel bis zur zwölften Woche möglich. Damit er straffrei bleibt, gelten strenge Gesetze wie der verpflichtende Besuch einer Schwangerschaftskonfliktberatung sowie daran anschließende drei Tage Bedenkzeit.
Genau wie Klara entschied sich auch Laura damals für den Abbruch der Schwangerschaft. Eine Entscheidung, die ihr nicht leichtfiel.
Hätte ich das Kind bekommen, wäre ich, glaub ich, selbst ein bisschen daran zerbrochen.
Laura
Die Vorstellung einer Familie mit ihrem neuen Partner macht Laura glücklich, auch wenn sie mit Respekt in das Ungewisse blickt.
Quelle: PrivatFür Aufklärung und Selbstbestimmung
Seit drei Jahren engagiert sich Laura in einem feministischen Kollektiv in Kiel, das fordert, Schwangerschaftsabbrüche aus dem Strafgesetzbuch zu streichen.
Auch Klara bringt sich dort ein, wo sie Missstände sieht. Besonders häufig sehe sie diese bei Themen wie Sexualität, Behinderung oder Schwangerschaftsabbrüchen, sagt sie. Neben ihrer Tätigkeit als pädagogische Beraterin leitet sie auch Aufklärungsworkshops. Darin bringt sie etwa Menschen mit Behinderung den Umgang mit Periodenprodukten näher.
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