Toxische Männlichkeitsbilder im Trend:"Es ist hart, ein Mann zu sein, das macht Druck"
von Lena Nagel
Was heißt es heute, ein Mann zu sein? Junge Männer suchen Orientierung auf Social Media, wo oft traditionelle Männlichkeitsbilder und frauenfeindliche Narrative vermittelt werden.
Häufig finden sich in sozialen Netzwerken traditionelle Rollenbilder und frauenfeindliche Narrative. Warum sind diese Botschaften so wirksam und was machen sie mit jungen Männern?
18.08.2026 | 28:38 minRapper Ego ist in Frankfurt aufgewachsen. Sein Traum war schon früh, Rapper zu werden. Heute verarbeitet er in seiner Musik Themen wie Status, Härte und Männlichkeit. Vor allem die Frage, was einen "richtigen Mann" ausmacht, beschäftigt ihn schon lange. "Keiner will so ein unerfolgreicher kleiner Typ sein, der überall rumgekickt wird", sagt er.
Gepflegtes Auftreten gehört für Ego ganz klar zum Auftreten eines "richtigen Mannes".
Quelle: ZDF; Tenzin SherpaFür ihn gehören ein "starkes und stabiles Auftreten und enormes Selbstbewusstsein" zu einem "richtigen Mann". Dieser Anspruch setzt ihn aber auch unter Druck: "Es ist hart, ein Mann zu sein, das macht Druck."
Wie stellt sich eine Frau einen Mann vor, den sie heiraten will? 1,85 groß, breit gebaut. Fährt Porsche.
Rapper Ego
Es gebe so typische Bilder, die einfach schon so seit Jahren bedient würden, "wo man sagt, okay, das ist ein Mann", sagt Ego.
Männlichkeit, Einsamkeit, Druck und Privilegien - bei "13 Fragen" sprechen sechs Männer offen über traditionelle Rollenbilder und neue Ideale.
07.08.2025 | 1:08 minVorbilder aus den Medien und der Musikbranche
Vorbilder für diese Annahmen findet er in Filmen und der Musikbranche. Diese hätten sein Männlichkeitsbild stark geprägt, berichtet Ego. Gleichzeitig beschreibt er eine Orientierungslosigkeit und die Sehnsucht nach klaren Rollenbildern - wie früher, so der 27-Jährige.
Diese Männerbilder sind gerade furchtbar erfolgreich, weil sie unglaublich stumpf und einfach sind. Und die Welt wird immer komplizierter (…).
Tobias Ginsburg, Experte für Männlichkeitsbilder
Und plötzlich sage einem jemand, alles was man sein müsse, sei "ein harter Mann", ergänzt Tobias Ginsburg. Der Journalist forscht seit Jahren zu digitalen Männerwelten und antifeministischen Milieus. Für Ginsburg ist der Trend dieser Männlichkeitsbilder ein Zusammenwirken aus individuellen Krisen, wirtschaftlichem Interesse und den sozialen Medien.
Autor und Journalist Tobias Ginsburg forscht seit Jahren zu digitalen Männerwelten und antifeministischen Milieus.
Quelle: Henning SliwaGinsburg beobachtet, dass junge Männer immer häufiger online Orientierung und Zugehörigkeit suchen: "Es ist so eine unglaubliche Industrie geworden, die ein immer jüngeres Publikum anspricht. Und da drin ist auch eine große Gefahr", warnt er.
Coaching mit festgefügten Rollenbildern
Auch Hendrik sucht nach dem Ende seiner ersten Beziehung nach Antworten. Heute arbeitet er als Dating-Coach und vermittelt über Social Media seine Vorstellungen von Männlichkeit, Rollenbildern und Beziehung. Er möchte jungen Männern helfen, die bei Frauen scheitern und gibt ihnen selbsterprobte Tipps.
Es ist nun mal so, dass Frauen von Natur aus einen Mann wählen, der gewisse Eigenschaften hat: Führungsstärke, seine Emotionen unter Kontrolle zu haben, Disziplin, ein Stück weit auch Konfliktbereitschaft, nicht rumzujammern.
Hendrik, Dating-Coach
Hendrik beim Eisbaden in der Donau
Quelle: Tenzin SherpaFür Hendrik steht im Fokus seiner Arbeit die männliche Energie. Seinen Kunden verkauft er, dass Frauen genau diese suchten und bräuchten. Für ihn hat der Mann "die Führung in der Hand".
Für Tobias Ginsburg sind das klassische Narrative aus dieser besonderen Coaching-Szene. Im Zentrum steht die Hoffnung der Kunden auf Liebe oder auf Sex. "Das Standard-Narrativ in dieser Männlichkeitsindustrie ist (…), 'du musst stärker werden, dann kannst du erst Erfolg haben'."
Was bedeutet es, heute ein Mann zu sein? Was ist typisch männlich? Fragen, auf die eine Ausstellung in Amsterdam Antworten sucht. Das Museum zeigt, wie unterschiedlich männlich sein aussehen kann
19.05.2026 | 2:14 minAbwertung und Verachtung für Frauen
Als Kapital verkaufen diese Coaches ihren Kunden die eigene Männlichkeit, die noch stärker und größer werden muss, um am Ende "die Mädchen zu bekommen", berichtet Ginsburg. Dabei ist für den Experten klar, dass ein Großteil dieser Szene nicht nur abwertend, sondern mit Verachtung über Frauen spricht.
Die Frau ist in erster Linie dafür da, um im Kontrast zu mir in meiner Männigkeit zu stehen. Sie ist entweder der Preis am Ende vom Spiel oder der Endgegner.
Tobias Ginsburg, Experte für Männlichkeitsbilder
Im Hinblick auf die Gefahren der Szene und die dadurch verfestigten Rollen- und Männerbilder appelliert Tobias Ginsburg an die eigenen Werte, die ebenso wie toxisches Verhalten regelmäßig hinterfragt werden sollten: "Es gibt für mich nichts, was unmännlich wäre oder eine falsche Männlichkeit", resümiert er.
Ihr Ziel: der perfekte männliche Körper. Ihr Preis: Schmerzen, Kosten, die eigene Gesundheit. Männer tun viel für ihren starken Wunsch nach Schönheit.
13.02.2026 | 43:38 minMehr zum Thema Männlichkeit
- FAQ
Ärzte warnen vor TikTok-Trend:Looksmaxxing: Gefährlicher Schönheits-Traum
von Bettina Blaß und Kim Bachmannmit Video44:30 Studie der Universität Lodz:Weinenden Männern glaubt man eher
mit Video17:34- Kolumne
Die Wissens-Kolumne von NANO und Terra X:Was der Trend "Manosphere" mit jungen Männern macht
von Markus Theunert Männer und Performancedruck:Leistungsdruck beim Sex: Wie "Mann" Versagensangst loswird
von Daria Eva Stancomit Video43:33