Wie sich eine Betroffene damit fühlt:Smart Glasses: Heimlich gefilmt und ins Netz gestellt
von Liv Loos
Smart Glasses sehen aus wie normale Brillen, können aber unbemerkt filmen: Wie fühlt man sich, wenn man damit heimlich aufgenommen wird und die Aufnahmen im Netz landen?
Smart Glasses sind neu, haben integrierte Kameras. Sie bieten Funktionen wie Ortshinweise, können aber auch unbemerkte Aufnahmen ermöglichen. Immer häufiger tauchen Bilder in den sozialen Medien auf.
21.08.2026 | 2:52 minEs ist eine Begegnung von wenigen Minuten, die Lisa Damm noch Wochen später wütend macht. Die Innenstadt ist voller Menschen, als ein fremder Mann sie anspricht, weil er sie "cute" findet. Damm lehnt ab und wünscht ihm noch einen schönen Tag. Wochen später bekommt sie von einer Freundin ein Reel geschickt: "Bist du das?"
Ich fand es extrem dreist, dass jemand sich so diese Macht nimmt, ohne mein Wissen mich zu filmen. Also, dass ich in einer Situation kompletter Kontrolllosigkeit bin, was mit dem Bild von mir passiert.
Lisa Damm, Betroffene
Smart Glasses: Kaum von normalen Brillen zu unterscheiden
In dem Video ist Damm, die als Journalistin arbeitet, nicht nur zu sehen: Die gesamte Unterhaltung mit dem Mann wurde heimlich aufgezeichnet - mit seinen Smart Glasses.
Die Brillen sehen häufig wie gewöhnliche Modelle aus. Neben KI-Funktionen wie Echtzeit-Übersetzung und Sprachassistenten verfügen sie über Kameras und Mikrofone. Aktuelle Modelle von Meta und Ray-Ban sind für Außenstehende kaum von normalen Brillen zu unterscheiden.
Apple präsentiert seinen neuen Sprachassistenten. Doch das neue KI-Modell wird erstmal nicht auf den EU-Markt kommen. Grund sind fehlende Datenschutz- und Sicherheitsstandards.
09.06.2026 | 3:00 min"Pick-up-Artist" filmt Frauen
Veröffentlicht wurde das Reel von einem selbsternannten Pick-up-Artist - das sind Männer, die Strategien vermitteln, um mit fremden Frauen in Kontakt zu treten. Der Titel: "Typisch deutsche Frau." In den Kommentaren ziehen vor allem Männer über Damm her.
In so einem Moment, wo man gerade sowieso schon unterwegs ist und dann angesprochen wird, merkt man überhaupt nicht, dass jemand diese Brille trägt.
Lisa Damm, Betroffene und Journalistin
Anwalt: Beweismaterial sichern, Anzeige erstatten
Bei der Aufnahme leuchtet an der Seite der Brille ein kleines Licht. Doch das sei im Alltag nicht immer eindeutig zu erkennen, sagt Rechtsanwalt Thomas Schwenke: "Wenn ich mit einem solchen Gerät draußen bin, vor allem wenn es etwas heller oder geschäftiger ist, dann wird die Aufnahme nicht gesehen, vor allem wenn mich nicht jemand direkt anguckt."
Meines Erachtens ist die Aufnahme nicht eindeutig erkennbar.
Thomas Schwenke, Rechtsanwalt und Rechtsberater für Datenschutz und KI
Tracker sind wie Datenspione, die dem Absender den eigenen Standort verraten. Das Risiko für die digitale Privatsphäre wird immer größer.
12.12.2025 | 1:40 minSchwenke sieht die Gefahr von Smart Glasses vor allem in ihrer zunehmenden Verbreitung: Menschen müssten immer häufiger damit rechnen, unbemerkt gefilmt zu werden. Betroffenen rät er, Beweismaterial zu sichern und Strafanzeige zu erstatten.
Betroffene: "Habe direkt eine Defensivhaltung"
Auch Damm erstattete Anzeige und meldete das Reel bei Instagram. Die Polizei teilte ihr mit, mit Instagram in Kontakt zu stehen. Einen Monat später sollte Damm den Mann auf einem Foto identifizieren. Folgen hatte das bislang nicht.
"Seitdem das passiert ist, bin ich sensibler geworden. Ich habe direkt eine Defensivhaltung, wenn jemand auf mich zukommt. Ich achte auch mehr darauf, wenn andere Frauen angesprochen werden", sagt Damm.
Chinas totale Kontrolle gilt als Albtraum. Doch wie sieht das Leben unter Dauerüberwachung wirklich aus? Von mutigem Widerstand gegen ein scheinbar übermächtiges System.
21.08.2026 | 14:32 minSmart Glasses: Was rechtlich gilt
Rechtlich wird zwischen Aufnahme und Veröffentlichung unterschieden. Für die Veröffentlichung von Bildaufnahmen gilt grundsätzlich: Die abgebildete Person muss in der Regel einwilligen. Eine Aufnahme für private oder familiäre Zwecke ist hingegen grundsätzlich erlaubt, erklärt Rechtsanwalt Schwenke.
Die Gesetze sind alt, die Brillen aber neu. Wir haben das Problem, dass die moderne Technik nicht ganz auf die alte Gesetzeslage passt.
Thomas Schwenke, Rechtsanwalt und Rechtsberater für Datenschutz und KI
Er fordert deshalb unter anderem eine Registrierung der Geräte. Langfristig müsse klarer geregelt werden, wann das Filmen anderer Menschen einen Eingriff in die Privatsphäre darstellt. Sonst könnten Smart Glasses bereits weit verbreitet und etabliert sein, bevor die Rechtslage angepasst wird.
Lisa Damm wartet derweil auf das Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen. Das Video von ihr wurde inzwischen gelöscht. Wer das Video gelöscht hat, der Account selbst oder Instagram, bleibt unklar.
Liv Loos ist Redakteurin der ZDF-Tagesmagazine in Berlin.
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