Sicherheit an Fastnacht:Wie Mainz Frauen am Rosenmontag schützen will
von Luise Reinke
Rund 600.000 Menschen werden am Rosenmontag in Mainz erwartet. Mit einem Großaufgebot sind Einsatzkräfte vor Ort. Wie Frauen geschützt werden und sich selbst schützen können.
In Mainz steht am Rosenmontag vor allem die Sicherheit von Frauen vor sexualisierter Gewalt und Belästigung im Fokus. Neben Sicherheitskräften bietet auch der Frauennotruf Unterstützung.
16.02.2026 | 1:25 minHunderttausende feiern am Rosenmontag in Mainz, begleitet von einem der größten Sicherheitsaufgebote des Jahres. Mehr als 1.000 Polizistinnen und Polizisten, Hunderte Rettungskräfte und zusätzliche Sicherheitsdienste sollen dafür sorgen, dass die Fastnacht friedlich bleibt.
Wir bringen alles an den Start.
Frank Heinen, Leiter Polizeidirektion Mainz
Bereits im Vorfeld habe die Polizei 58 sogenannte Betretungsverbote für die Veranstaltung erteilt. Die Zahl habe sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Der Veranstalter engagiert zusätzlich einen privaten Sicherheitsdienst mit weiteren 500 Kräften, die den Zug und die Straßen drumherum absichern sollen.
In den Hochburgen an Rhein und Main startet der Straßenkarneval mit Weiberfastnacht. Trotz Regencapes und Schirmen bleibt die Stimmung ausgelassen und feierfreudig.
12.02.2026 | 1:15 minGlasverbot, Waffenverbot, Jugendschutz
Schon seit einigen Jahren gibt es für große Plätze ein Glasverbot. Zudem wurden Waffenverbotszonen eingerichtet, die an Rosenmontag auch schon im ÖPNV und an Bahnhöfen gelten. Davon sind auch realistisch aussehende Waffenattrappen betroffen.
Diejenigen, die Hilfe brauchen, sollen diese auch bekommen.
Michael Ehresmann, Feuerwehr Mainz
Feuerwehr und Rettungsdienst richten sich eine eigene Leitstelle für den Tag ein. Rund 600 bis 700 ehrenamtliche Kräfte im Sanitätsdienst sowie 40 zusätzliche Rettungswagen stehen bereit. Die DLRG sichert das Rheinufer mit einem Boot auf dem Rhein.
Die Polizei will in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf den Jugendschutz legen, so Frank Heinen. Gemeinsam mit den Jugendämtern wolle man besonders den Alkoholausschank an Minderjährige besser kontrollieren.
In den Karnevalshochburgen Köln und Mainz wurden die Motivwagen für Rosenmontag schon im Vorfeld präsentiert. Beliebte Motive: Friedrich Merz und Donald Trump.
10.02.2026 | 1:23 minFokus auf die Sicherheit von Frauen
Neben dem Schutz vor allgemeiner Kriminalität und alkoholbedingten Zwischenfällen legen Stadt und Einsatzkräfte seit einigen Jahren verstärkt einen Schwerpunkt auf den Schutz von Frauen. Dafür ist besonders der Frauennotruf an Rosenmontag von 13 bis 23 Uhr zusätzlich erreichbar. Es habe sich gezeigt, dass Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst Unterstützung bei der Betreuung von Frauen brauchen, die sexualisierte Gewalt erfahren, sagt Eva Jochmann vom Frauennotruf Mainz e.V..
Eine Mitarbeiterin berate Anrufende akut, suche mit ihnen nach schnellen Lösungen und vereinbare in der Regel auch noch einen Anschlusstermin zur Nachbesprechung.
Viele Frauen trauen sich in dem Moment nicht, schämen sich oder fühlen sich schuldig. Selbstbestimmung steht aber immer an erster Stelle. Egal ob sie getrunken haben oder nicht.
Eva Jochmann, Frauennotruf Mainz e.V.
Ist Deutschland ein unsicheres Land geworden? Dunja Hayali geht der Frage nach der inneren (Un-)Sicherheit nach. Ist diese ein Bauchgefühl oder hat sich in Deutschland etwas verändert?
21.08.2025 | 44:18 minDer Frauennotruf soll Betroffenen nicht nur akut helfen, sondern ein Signal an alle senden. "Eigentlich müsste es ein Appell geben an Männer: Nur Ja heißt Ja", so Jochmann. Das sei schwierig umzusetzen, "aber mit diesem Angebot soll darauf hingewiesen werden - vielleicht bleibt es im Kopf".
Fachstelle zum Thema sexualisierte Gewalt
Rufbereitschaft (13 -21 Uhr)
Telefon: 06131 - 22 12 13
Signal-Chat: 0177 - 323 73 82
Vorsicht vor K.-o.-Tropfen
Die Polizei warnt zudem vor K.-o.-Tropfen. Diese seien farb- und geruchlos und könnten bereits nach zehn bis zwanzig Minuten Übelkeit, Schwindel oder plötzliche Schläfrigkeit auslösen. Betroffene könnten sich später oft nicht erinnern.
Sie sind farblos, schmecken nach Nichts und sind hochgefährlich. Sogenannte K.-o.-Tropfen kursieren seit Jahrzehnten und werden missbraucht, um Frauen und Männer willenlos zu machen.
05.11.2025 | 43:15 minDas Landeskriminalamt empfiehlt daher, in Gruppen zu feiern, Getränke nicht unbeaufsichtigt zu lassen und keine offenen Getränke von Unbekannten anzunehmen. Wer sich "komisch fühlt", solle sich sofort an Freunde, Personal oder die Polizei wenden. Konkrete Zahlen zu Vorfällen nannte die Polizei im Vorfeld nicht.
Sollte es doch zu einem Übergriff kommen, können sich Betroffene beim landesweiten Programm "Vertrauliche Hilfe nach Gewalt" melden. Dort können sie zudem medizinische Versorgung und gerichtsfeste Spurensicherung in Anspruch nehmen ohne Anzeige erstatten zu müssen.
Das Angebot "Vertrauliche Hilfe nach Gewalt" ermöglicht Frauen und allen Menschen ab 14 Jahren, die von sexualisierter oder häuslicher Gewalt betroffen sind, eine kostenlose und vertrauliche medizinische Versorgung in insgesamt zehn teilnehmenden Kliniken in Rheinland-Pfalz. Die Behandlung unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht und erfolgt ohne Verpflichtung zur Strafanzeige.
Auf Wunsch können Verletzungen dokumentiert und Spuren gerichtsfest und anonym gesichert werden. Diese werden mehrere Jahre sicher aufbewahrt und nur mit Zustimmung der betroffenen Person und nach einer Anzeige an die Ermittlungsbehörden weitergegeben. Je früher die Untersuchung erfolgt, desto besser können Verletzungen und Spuren gesichert werden.
Geschulte Fachärztinnen und -ärzte gewährleisten eine sensible Betreuung und rechtsmedizinisch verwertbare Dokumentation. Zusätzlich kann Kontakt zu regionalen Unterstützungsstellen vermittelt werden.
"Wir passen auf uns selber auf"
Wie sicher fühlen sich Frauen beim Feiern? Die Meinungen gehen dabei auseinander. "Man darf da nicht drüber nachdenken. Ich bleibe doch deshalb jetzt nicht zu Hause" sagte Anja ZDFheute an Weiberfastnacht. Sie gehe davon aus, dass alles gut gehe.
Allein abends im Bus oder in der Bahn - für viele Frauen kein gutes Gefühl. Belästigung und Unsicherheit sind Alltagserfahrungen. ZDF-Reporterin Stefanie Hayn geht der Frage nach, ob separate Frauenabteile eine Lösung sein könnten.
05.06.2025 | 3:52 minViele Frauen setzen aber vor allem auf gegenseitige Unterstützung: "Wir sind immer als große Gruppe unterwegs, da fühlen wir uns sehr sicher", berichtet Iris. "Wir passen auf uns selber auf." Keine gehe alleine irgendwo hin, so werde das immer schon im Vorhinein vereinbart.
Andere setzen aber auch darauf, dass es ein Miteinander ist: "Ich fühle mich schon ziemlich sicher in Mainz", sagt Katharina. Solange jeder ein bisschen auf sich achte und man Freunde dabei hat, die mit aufpassen, dann werde das schon alles gehen.
Die Botschaft der Behörden bei der großen Zahl der Feiernden bleibt klar: Wer Hilfe braucht, soll sie bekommen - schnell und unkompliziert. Damit Rosenmontag für alle ein Fest bleibt.
Das ZDF übertrug live aus dem Kurfürstlichen Schloss die legendäre Fastnachtssitzung "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" - die "Mutter aller Fernsehsitzungen".
13.02.2026 | 228:34 minMehr zum Thema Karneval
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