Ursprung des närrischen Treibens:Warum heißt es Karneval und Fastnacht?
Warum feiern die Menschen Karneval, Fastnacht und Fasching? Was haben Preußen und Kirche mit dem närrischen Treiben zu tun? Und was hat es mit der Zahl Elf auf sich? Ein Überblick.
Die Schwellköpp sind omnipräsent in der Mainzer Fassenacht. Doch warum heißt das Fest eigentlich so?
Quelle: dpaKarneval und Fastnacht: Woher kommt die Tradition?
Bereits lange vor dem 12. Jahrhundert, als der Begriff Fastnacht entstand, wurde ein altes Vorfrühlings- und Fruchtbarkeitsfest gefeiert, mit dem die Menschen die Angst vor Kälte und Krankheit vertrieben. Später wurde die bevorstehende christliche Fastenzeit zum Motiv für die ausgelassenen Feiern an deren Beginn. Die Kirche lehnte diese Ausschweifungen lange ab. Doch die Feierlichkeiten sind heute eng mit dem christlichen Glauben verbunden, beziehungsweise mit der siebenwöchigen Fastenzeit vor Ostern. Besonders in katholischen Gebieten wird gefeiert.
Denn vor der Fastenzeit galt es einst, Fleisch und verderbliche Lebensmittel - auch Bier - zu vernichten, am besten bei einem großen gemeinsamen Fest.
Ein Fest, das auch Geld bringt: Das Institut der Deutschen Wirtschaft rechnet zum Karneval mit einem Umsatz von fast zwei Milliarden Euro. Bei der Gastronomie, aber auch im Einzelhandel klingeln die Kassen.
09.02.2026 | 0:28 minWas hat es mit der Zahl Elf auf sich?
Die Session wird am 11.11. um 11:11 Uhr eröffnet. Gründe für die Vorliebe der Narren für die Zahl Elf sind nicht eindeutig geklärt, aber lassen sich schon im 14. Jahrhundert belegen. Die Elf wird teilweise als "magisch" angesehen, aus der Bibel abgeleitet, und manchmal auch als Zahl interpretiert, die die Gleichheit aller Menschen unter der Narrenkappe symbolisieren soll. Ab dem "Elften im Elften" gibt es Sitzungen mit Tanzgruppen, Reden und Musikbands. Diesen Veranstaltungen sitzt oft ein sogenannter Elferrat vor.
Ob Karneval, Fastnacht oder Fasching: In den Hochburgen feiern Närrinnen und Narren am 11.11. um 11:11 Uhr mit "Helau" und "Alaaf" den Beginn der fünften Jahreszeit.
11.11.2025 | 1:14 minWoher kommen die Begriffe Karneval, Fasching und Fasnacht?
Die fünfte Jahreszeit hat viele verschiedene Namen: In Bayern, Österreich und Sachsen ist der Begriff Fasching gebräuchlich. Er leitet sich ab von der mittelhochdeutschen Zusammensetzung "vast-schanc", womit der Ausschank von Alkohol vor der Fastenzeit gemeint ist.
In Südwestdeutschland, anderen Teilen Bayerns und der Schweiz wird dagegen Fastnacht, Fassenacht oder Fasnacht gefeiert. Das Wort Fastnacht setzt sich zusammen aus dem althochdeutschen "fasta" für Fastenzeit und "naht" für Vorabend. Ursprünglich war damit nur der Abend vor dem Beginn der Fastenzeit gemeint, der heutige Fastnachtsdienstag.
Auch in der Schweiz wird gefeiert: In Basel begann die dreitägige Fasnacht im letzten Februar mit dem traditionellen Morgenstreich um 4 Uhr in der Früh.
19.02.2024 | 1:01 minVon Karneval spricht man hingegen im Rheinland. Einer Theorie zufolge stammt das Wort vom Mittellateinischen "carne levare" ab, was "Fleisch wegnehmen" bedeutet.
Eine andere Theorie geht vom Begriff "carrus navalis" aus, dem "Narrenschiff", mit dem sich der Sage nach die verschiedenen Göttinnen des Frühlings und der Fruchtbarkeit fortbewegten und der bei den Fastnachtsumzügen wieder auftaucht. Dies weist auf den ursprünglichen heidnischen Hintergrund der Fastnachtszeit hin, der von christlichen Bräuchen überlagert wurde.
Ebenso werden die einzelnen Tage unterschiedlich benannt. Die Fastnachtswoche beginnt im schwäbisch-alemannischen Raum mit dem schmotzigen Donnerstag, im Rheinland dagegen mit der Weiberfastnacht und im Harzer Land mit dem Fetten Donnerstag.
Es folgen der Nelkensamstag, der Orchideen- oder Tulpensonntag, der Rosenmontag und schließlich der Veilchendienstag, der auch Fastnachtsdienstag genannt wird.
Typische Masken beim schwäbisch-alemannischen Fastnachtsumzug in Oberkirch (Archivbild)
Quelle: ImagoWoher kommt der Begriff "Weiberfastnacht"?
Mit Weiberfastnacht, auch Altweiber oder Weiberfasching genannt, beginnt vielerorts in Deutschland die Fastnachtswoche.
Die Ursprünge der Weiberfastnacht sind eng mit der christlichen Fastenzeit verbunden. Im Mittelalter nutzte man die Tage vor Aschermittwoch dazu, noch einmal ausgelassen all jene Dinge zu genießen, die während der vierzigtägigen Fastenzeit untersagt waren. Somit wurde häufig eine Woche vor Aschermittwoch ausgelassen gefeiert, gegessen und getrunken.
Frauen waren damals meist von den Feierlichkeiten ausgeschlossen. Doch im Jahre 1824 schlossen sich die Wäscherinnen aus Bonn-Beuel zum "Alten Damenkomitee" zusammen, um am bislang den Männern vorbehaltenen Karneval teilzunehmen. Aus ihrer Rebellion gehen heute Traditionen wie das Krawatten-Abscheiden und der Rathaussturm hervor, die eine symbolische Machtergreifung darstellen. Weiberfastnacht war also der Tag, an dem Frauen das Karnevalsregiment übernahmen.
Welche Unterschiede gibt es zwischen den Regionen?
Im rheinischen Karneval spielt der Straßenkarneval mit vielfältigen, gern von Jahr zu Jahr neuen Kostümen eine zentrale Rolle - ebenso wie Uniformen, die an das Militär erinnern. Denn unter dem Eindruck der wechselnden französischen und preußischen Obrigkeiten entstand in Köln der typisch rheinische Karneval. Dieser parodierte Hofstaat, Uniformen, Garden und Orden und setzte sich zunächst in ganz Deutschland durch.
Zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es aber im schwäbisch-alemannischen Raum eine Art Fastnachts-Konterrevolution, mit der sich das mittelalterlich-frühneuzeitliche Fastnachtsbrauchtum wieder durchsetzte. Dort behalten etwa die Träger ihre teils furchteinflößenden Masken stets bei. Oft ist es üblich, sie von Generation zu Generation zu vererben.
Düsseldorfs bekannter Karnevalswagenbauer Tilly steht wegen seiner Putin-Pappfiguren in Russland vor Gericht. Aus der deutschen Politik bekommt er Zuspruch.
28.01.2026 | 2:13 minWarum verkleidet man sich?
Ursprünglich spielte die Idee, in eine andere Rolle zu schlüpfen - und damit die Machtverhältnisse auf den Kopf zu stellen - eine entscheidende Rolle. Im 19. Jahrhundert ließen sich auf diese Weise Kontakte über Klassen- und Standesgegensätze hinweg knüpfen. So konnte auch unerkannt bzw. ohne Konsequenzen Kritik an der herrschenden Schicht geäußert werden.
Heute gibt es eher Debatten darüber, welche Verkleidungen noch vertretbar sind: Wann wird es sexistisch oder rassistisch? Wo beginnt kulturelle Aneignung? Sind Verkleidungen als Winnetou oder Old Shatterhand noch okay? Ob ein falscher Papst oder eine aufreizende Nonne die Kirche verunglimpfen könnten, wird dagegen kaum noch diskutiert. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann als Tier, Blume oder Fabelwesen gehen - oder als Süßigkeit.
Eine Stadt im Kostümrausch: Viele bunte Kostüme und eine Parade im südenglischen Bath - auch beim Karneval. Und das alles Dank des Streaming-Erfolgs Bridgerton.
26.07.2024 | 2:12 minWas hat es mit dem Prinzenpaar auf sich?
Der Prinz ist in vielen Regionen das Oberhaupt der Narren. Er regiert allein, mit einer Prinzessin, einem Zeremonienmeister oder in einem Dreigestirn. Die Analogie zum Adelstitel, die sich auch in einer festlichen Uniform spiegelt, deutet auf die Umkehrung der Verhältnisse hin: An vielen Orten "übernehmen" die Tollitäten für die Dauer von Karneval das Rathaus. Auch ist das Amt mit vielen repräsentativen Pflichten während der gesamten Session verbunden.
Warum wird Schmalzgebäck gegessen?
Da in der Fastenzeit früher nicht nur der Verzehr von Fleisch, sondern auch der von Eiern, Schmalz, Fett und Butter strengstens verboten war, wurde während der Fastnachtszeit nochmals ausgiebig geschlachtet und geschlemmt. Dabei mussten verderbliche Produkte wie Eier und Fett verbraucht werden. So entstand die noch heute beliebte Fastnachtssitte des Schmalzgebäcks mit vielen Eiern, bekannt als Pfannkuchen, Krapfen, Fastnachtsküchle oder -Kreppel und in den meisten Regionen auch Berliner genannt.
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