Prozessauftakt zum Fall des getöteten Zugbegleiters

Landgericht Zweibrücken:Getöteter Zugbegleiter: Worum es in dem Prozess geht

Anna Duda mit einem ZDF-Mikrofon.

von Anna Duda

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Zugbegleiter Serkan Çalar ist durch Faustschläge gegen den Kopf gestorben. Nun beginnt der Prozess. Anders als die Staatsanwaltschaft stuft das Gericht die Tat nicht als Mord ein.

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Ein Zugbegleiter stirbt nach einer brutalen Attacke bei einer Ticketkontrolle. Nun der Prozessstart. Statt Mord steht Körperverletzung mit Todesfolge im Raum, die Familie ist entsetzt.

24.06.2026 | 2:41 min

Es ist ein kalter Februarmontag, als Zugbegleiter Serkan Çalar auf der Strecke zwischen Landstuhl und Homburg in einem Regionalexpress der Deutschen Bahn Fahrkarten kontrolliert.

Kurz nach dem Halt im Bahnhof Landstuhl trifft Serkan Çalar auf einen Fahrgast, der kein gültiges Ticket hat, sich auch nicht ausweisen kann. Also fordert ihn Serkan Çalar auf, den Zug zu verlassen. Dann eskaliert die Situation.

Menschen stehen vor Blumen und Kerzen am Bahnsteig im Gedenken an den Tod eines Zugbegleiters.

Nach dem tödlichen Angriff auf Zugbegleiter Serkan C. bei Kaiserslautern ist das Entsetzen groß. Immer wieder und immer häufiger wird Zugpersonal von Fahrgästen angegriffen.

04.02.2026 | 1:45 min

Mehrere kräftige Faustschlägen gegen den Kopf

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Zweibrücken verletzte der Beschuldigte den Zugbegleiter Serkan Çalar mit mehreren kräftigen Faustschlägen gegen den Kopf. Serkan Çalar soll daraufhin bewusstlos zu Boden gestürzt sein. Er musste reanimiert werden und starb zwei Tage später an einer tödlichen Hirnblutung.

Der mutmaßliche Täter wurde noch im Zug festgenommen. Vor dem Landgericht Zweibrücken beginnt nun der Prozess gegen den 26-Jährigen.

"Der Angeklagte soll aus Verärgerung über eine alltägliche Ticketkontrolle und das konsequente Vorgehen des Geschädigten zur Durchsetzung der Rechte der Deutschen Bahn gehandelt haben," so die Staatsanwaltschaft Zweibrücken. Sie wertet die Tat als Mord. Doch das zuständige Gericht stuft die Anklage herab. Die Attacke auf den Zugbegleiter wird als Körperverletzung mit Todesfolge verhandelt.

Vorstellung der Kampagne der Deutschen Bahn für mehr Respekt in Bussen, Bahnen und Bahnhöfen am Berliner Hauptbahnhof

Zugbegleiter wereden immer wieder angegriffen. Jetzt starten das Bundesverkehrsministerium und die Deutsche Bahn eine Kampagne für mehr Respekt gegenüber dem Bahnpersonal.

05.05.2026 | 2:11 min

Familie des Opfers kann Entscheidung nicht nachvollziehen

Die Familie des getöteten Zugbegleiters ist darüber entsetzt. "Meiner Meinung nach ist es gar nicht gerecht", sagt Eray Çalar, der jüngere Bruder von Serkan Çalar.

Die Beweise sind da, jeder hat das mitbekommen, jeder weiß, er wurde angegriffen.

Eray Çalar, Bruder von Serkan Çalar

Eines der Beweismittel ist ein Video der Überwachungskamera aus dem Regionalzug.

Sein Bruder Yakup Çalar ergänzt: "Man sieht das alles offensichtlich, die Schläge, auch die Bewegungen." Die Familie kann die Entscheidung des Gerichts nicht nachvollziehen.

Baden-Württemberg, Mannheim: Eray Calar zeigt auf seinem Handy ein Foto seines getöteten Bruders Serkan Calar.

Eray Çalar zeigt auf seinem Handy ein Foto seines getöteten Bruders Serkan Çalar.

Quelle: dpa

"Wenn eine Staatsanwaltschaft Anklage erhebt, muss das Gericht entscheiden, ob es auf dieser Grundlage das Hauptverfahren eröffnet", sagt Rechtsexperte Daniel Heymann aus der ZDF-Redaktion Recht und Justiz. "Dabei findet eine Art rechtliche Vorprüfung statt. Und hier kam das Landgericht Zweibrücken - im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft - zu dem vorläufigen Ergebnis: Für Mord gibt es nicht ausreichend Anhaltspunkte."

Insbesondere hat das Gericht Zweifel am Vorsatz, also daran, ob der mutmaßliche Täter den Tod Serkan Çalars bei seinen Schlägen billigend in Kauf genommen hat.

Daniel Heymann, ZDF-Rechtsexperte

13.02.2026, Rheinland-Pfalz, Neustadt an der Weinstraße: Ein Kundenbetreuer steht bei einem Pressetermin der Deutsche Bahn (DB) auf einem Bahnsteig neben einem Regionalzug und trägt eine Bodycam an der Dienstkleidung.

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter hat die Bahn neue Sicherheitsmaßnahmen angekündigt. Alle Beschäftigen mit Kundenkontakt sollen Zugang zu Bodycams erhalten.

14.02.2026 | 1:53 min

Anwalt spricht von "Störgefühl"

Aber: Eine endgültige Entscheidung darüber, wie die Tat rechtlich zu bewerten ist, sei das noch nicht. Das Gericht könne auch in der Hauptverhandlung noch zu der Überzeugung kommen, dass es sich doch um einen Mord handelt. "In diesem Fall müsste das Gericht einen entsprechenden Hinweis erteilen, damit der Angeklagte sich gegen den neuen Vorwurf angemessen verteidigen kann", erklärt Heymann.

Rechtsanwalt Yalçın Tekinoğlu, der die Brüder von Serkan Çalar als Nebenkläger vertritt, sieht die Herabstufung der Anklage kritisch: "Es macht natürlich für die Familienangehörigen, aber auch für zahlreiche Kolleginnen und Kollegen des getöteten ehemaligen Kollegen bei der Deutschen Bahn und auch für die Öffentlichkeit einen ganz großen Unterschied, ob eine Anklage wegen Mordes erfolgt oder nur wegen Körperverletzung" meint Tekinoğlu.

Allein schon begrifflich entsteht auch bei mir da ein Störgefühl, wenn so eine massive, brutale Tat letzten Endes nur als Körperverletzung beurteilt und verhandelt wird.

Yalçın Tekinoğlu, Rechtsanwalt

Aktionsplan nach Tod von Zugbegleiter
:Bahn-Sicherheitsgipfel: Ergebnisse verärgern Mitarbeiter

Mehr Bodycams, mehr Sicherheitspersonal und weniger Kontrollen, die eskalieren könnten: Warum die Mitarbeiter über die Ergebnisse des Bahn-Sicherheitsgipfels verärgert sind.
von Gregor Burkhardt
mit Video1:53
Mitarbeiter DB Sicherheit mit Bodycam, Bahnchefin Palla, Verkehrsminister Schnieder, bayerischer Verkehrsminister Bernreiter

Bundesweite Debatte über Sicherheit

Die Tat hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst - und eine Debatte über Sicherheit im öffentlichen Personenverkehr. Auf einem Sicherheitsgipfel bei der Bahn im Februar wurde beschlossen: Mehr Body-Cams für Mitarbeitende mit Kundenkontakt und mehr Sicherheitspersonal auf den Bahnhöfen.

Dem Mitarbeiter-Wunsch nach Doppelbesetzung von Zugbegleitern in allen Zügen wurde nicht entsprochen. Bund und Länder konnten sich nicht auf eine Finanzierung verständigen.

Anna Duda berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Rheinland-Pfalz.

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Über diese Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 24.06.2026 ab 5:30 Uhr.

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