Aktionsplan nach Tod von Zugbegleiter:Bahn-Sicherheitsgipfel: Ergebnisse verärgern Mitarbeiter
von Gregor Burkhardt
Mehr Bodycams, mehr Sicherheitspersonal und weniger Kontrollen, die eskalieren könnten: Warum die Mitarbeiter über die Ergebnisse des Bahn-Sicherheitsgipfels verärgert sind.
Vergangene Woche wurde der Zugbegleiter Serkan C. zu Tode geschlagen. Auf dem Sicherheitsgipfel der Bahn ging es darum, wie das Bahnpersonal künftig besser geschützt werden soll.
13.02.2026 | 1:53 minOben im Berliner Bahn-Tower haben sie Freitagmittag gerade ihren Aktionsplan präsentiert und sich danach für Fotos aufgestellt - mit einem Mitarbeiter von DB Sicherheit an der Seite, der die Bodycam an der Weste vorzeigt.
Noch in diesem Jahr sollen alle Zugbegleiter im Nah- und Fernverkehr so eine Kamera bekommen, wenn sie wollen. Und das soll nur eine von mehreren kurzfristigen Maßnahmen sein - elf Tage nach dem tödlichen Angriff auf Serkan Ç., der einen Schwarzfahrer aus einem Regionalzug in Rheinland-Pfalz verweisen wollte.
Um besser geschützt zu sein, tragen einige Zugbegleiter eine Bodycam, die brenzlige Situationen entschärfen soll. In den letzten zehn Jahren haben Angriffe auf Bahnpersonal erheblich zugenommen.
13.02.2026 | 1:36 minGewerkschaft fordert Bahn-Gipfel vom Kanzler
Unten vor dem Bahn-Tower bauen sich nur ein paar Minuten später Gewerkschaftschef und Betriebsräte der Deutschen Bahn auf. Schnell wird klar: Zufrieden ist hier niemand nach dem Sicherheitsgipfel.
Es kann nicht sein, dass unsere Kolleginnen und Kollegen jeden Tag in die Arbeit gehen und um ihr Leben fürchten.
Heike Moll, DB-Betriebsratsvorsitzende
Neben Bodycams wird für die Sicherheit der Bahnmitarbeiter eine Doppelbesetzung in den Zügen gefordert. ZDF-Korrespondentin Diekmann mit einer Einschätzung zum Sicherheitsgipfel aus Berlin.
13.02.2026 | 0:56 minDer Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, Martin Burkert, fordert Bundeskanzler Friedrich Merz auf, eine Sonderkonferenz der Ministerpräsidenten einzuberufen.
Es ist, wie angenommen, wieder das Pingpong zwischen Bund und Ländern.
Martin Burkert, EVG-Chef
Gemeint ist die Diskussion um mehr Personal in den Zügen und die Frage, wer dafür zahlen soll.
Der bayerische Verkehrsminister hätte sich sein Ticket in die Hauptstadt dafür sparen können, ätzt der Chef des Gesamtbetriebsrats von DB Regio, Ralf Damde. Statt Finanzierungsvorschlägen habe es nur Forderungen gegeben, dabei bliebe schon genug Geld übrig, wenn das Deutschlandticket zentral und nicht mehr von vielen Verkehrsverbünden verkauft würde, rechnet Damde vor.
Gestern fand die Trauerfeier für den totgeprügelten Bahnmitarbeiter statt. Innenminister Dobrindt fordert deshalb härtere Strafen, während Bahnchefin Palla einen Sicherheitsgipfel angekündigt hat.
06.02.2026 | 1:57 minAktionsplan: Was Zugbegleiter schützen soll
Evelyn Palla ist noch keine fünf Monate Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn; sie will den Konzern dezentraler, schlanker und effizienter machen. Mitten im Umbau musste sie Anfang Februar reagieren und die Sicherheit ihrer Mitarbeiter ganz nach vorn stellen.
Wir wollen handeln, bevor etwas passiert.
Evelyn Palla, DB-Vorstandsvorsitzende
An diesem Freitagmittag stellt sie ein ganzes Paket an kurzfristigen Maßnahmen bei der Bahn vor:
- Bodycams für alle Mitarbeitenden mit Kundenkontakt im Nahverkehr, Fernverkehr und an Bahnhöfen
- 200 zusätzliche Einsatzkräfte für DB Sicherheit auf Bahnhöfen
- Notknöpfe für den Ernstfall
- Ab März müssen Zugbegleiter der DB Regio neben Tickets nicht mehr Ausweise kontrollieren
Vor allem beim Abgleich von Deutschlandticket und Ausweis kommt es offenbar immer wieder zu Auseinandersetzungen.
Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter soll das Bahnpersonal besser geschützt werden. Ein entsprechender Gesetzentwurf werde derzeit überarbeitet, sagte Bundesjustizministerin Hubig.
06.02.2026 | 0:23 minWas fehlt: Doppelbesetzung in Zügen
Auf die weitreichendste Forderung beim Sicherheitsgipfel haben die Bahnchefin und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder aber offenbar keine zufriedenstellende Antwort. Eine flächendeckende Doppelbesetzung in Regionalbahnen wollten Gewerkschaft und Betriebsräte, sodass kein Zugbegleiter mehr allein kontrollieren muss.
Die Frage ist, wie man das macht, in welchen Zügen man das macht, in welchen Zeiträumen man das macht.
Patrick Schnieder, Bundesverkehrsminister
Schnieder schlägt KI-gestützte Videoüberwachung vor, um kritische Situationen rechtzeitig zu erkennen. Er fordert strafrechtliche Verschärfungen. Aber über mehr Personal müssten sich die Länder untereinander unterhalten.
Den Ländern fehlten 40 Milliarden Euro an Regionalisierungsmitteln bis 2031 für den Bahnverkehr, antwortet ihm Bayerns Finanzminister Bernreiter. Mehr Geld für mehr Personal auf den Zügen?
Die finanziellen Mittel dazu haben wir nicht.
Christian Bernreiter, Verkehrsminister Bayerns
Ob darüber demnächst auf einem Gipfel mit dem Bundeskanzler gesprochen wird? Ganz sicher wird das Thema die Konferenz der Verkehrsminister Ende März beschäftigen.
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