Neuer Papst gewählt:Katholiken feiern Leo XIV.
von Christoph Wiesel, Rom
Die katholische Kirche hat ein neues Oberhaupt. Zehntausende strömten auf den Petersplatz, um den US-Amerikaner Robert Francis Prevost, künftig Leo XIV., zu begrüßen.
Als Kardinalprotodiakon Dominique Mamberti am Donnerstagabend auf der Loggia des Petersdoms den neuen Papst verkündet, mischt sich in den Jubel zunächst Verunsicherung. "Haben Sie den Namen verstanden?", fragt eine Nonne die umstehenden Menschen.
Dicht gedrängt stehen sie auf dem Petersplatz, Zehntausende sind gekommen. Doch auch die Menschen um sie herum können nicht helfen. "Keine Ahnung, ich hab’s nicht gehört", ruft einer auf Italienisch herüber. "Und Handyempfang gibt’s hier auch nicht."
Es dauert mehrere Minuten, bis sich der Name unter den Wartenden herumspricht: Robert Francis Prevost - das neue Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken. Und der erste Papst aus den USA. Mit ihm hatte auf dem weitläufigen Platz vor der Petersbasilika kaum jemand gerechnet.
Um 18:07 Uhr steigt weißer Rauch auf
Als viele Gläubige hier am Nachmittag ankommen, ist noch nicht einmal klar, ob es an diesem Tag überhaupt eine Entscheidung gibt. Zweimal bereits war während des laufenden Konklaves schwarzer Rauch aus dem Kamin gekommen. Und als sich zwischenzeitlich eine Möwenfamilie am Schornstein der Sixtinischen Kapelle niederlässt, geht manch einer davon aus, dass so schnell keine bessere Gelegenheit für spontanen Jubel kommen könnte.
Doch um 18:07 Uhr gibt es plötzlich kein Halten mehr. Weißer Rauch steigt auf. "Viva il papa!", ruft ein Mann auf dem Platz und reißt die Hände in die Luft. Menschen umarmen sich, applaudieren, machen Selfies. Einige auf dem Platz sind sich zunächst noch nicht ganz sicher: "Schwarz, der Rauch ist schwarz", sagt einer in der Menge. Doch dann ist nicht mehr zu übersehen: Die katholische Kirche hat ein neues Oberhaupt - nach nur 24 Stunden Konklave.
Friedensappell des neuen Papstes
Der 28-jährigen Aimee Corentin schießen Tränen in die Augen. "Das ist ein unfassbarer Moment", sagt die junge Frau aus Irland. "Dafür gibt es keine Worte." Auf wen sie jetzt hoffe als Papst? Ganz egal, sagt sie. "Hauptsache, es gibt wieder einen." Andere tauschen die letzten Tipps aus. "Ich glaube, es wäre mal wieder Zeit für einen Italiener", sagt Francesco. Vor ihm werden Fahnen geschwenkt, Nonnen stimmen ein Lied an.
Erst eine Stunde später folgt die Auflösung: Auf dem wohl berühmtesten Balkon der Welt spricht Kardinalprotodiakon Mamberti das "Habemus Papam". Und schließlich tritt Robert Francis Prevost zum ersten Mal als Leo XIV. vor die Menge.
Der Friede sei mit euch allen.
Leo XIV.
Seine ersten Worte wiederholt er gleich mehrfach im Laufe der Rede.
Ich hoffe, dass dieser Friedensgruß alle Völker und alle Menschen erreicht.
Leo XIV.
Leo betont, die Kirche sei aufgerufen, Brücken zu bauen und den Dialog zu suchen. "Wir wollen gemeinsam unterwegs sein, den Frieden und die Gerechtigkeit ohne Furcht suchen. Wir wollen gemeinsam als Missionare unterwegs sein."
Erster Auftritt scheint geglückt
Immer wieder brandet im Laufe der Rede Applaus auf. Auch Daniela Rinaldi jubelt dem neuen Papst zu. "Als ich gehört habe, dass es ein Amerikaner ist, war ich zuerst etwas enttäuscht", sagt die Frau aus Rom. Von einem Kardinal Prevost habe sie vorher nie gehört.
Aber die Rede war wundervoll.
Daniela Rinaldi
Der Fokus auf Frieden und am Schluss das gemeinsame Ave Maria zu beten: "Das war sehr besonders." Und neben ihm fügt Paolo Velona hinzu, ihm gefalle nicht zuletzt der Name Leo XIV., den Prevost als Papst gewählt hat. "Denn Leo XIII. war ein sehr wichtiger Papst in der Kirche - er hat sie damals für die Gesellschaft geöffnet."
- Worauf die Namenswahl des Papstes hinweist
- Erste Rede des neuen Papstes Leo XIV.
Ximena Aispuro freut sich dagegen vor allem darüber, dass Prevost lange Jahre in Peru verbracht hat. Er gründete dort Pfarreien, leitete ein Priesterseminar und war in der Bischofsausbildung aktiv. "Für uns ist es toll, dass er diesen Bezug zu Lateinamerika hat", sagt die 24-Jährige, die aus Mexiko stammt, inzwischen aber in Berlin lebt.
Dass der neue Papst in seiner Rede oft von Franziskus gesprochen habe, lasse hoffen, dass er dessen Arbeit weiterführt.
Ich hatte schon etwas Sorge, dass es ein ziemlich konservativer Papst wird.
Ximena Aispuro
Am Freitagvormittag wird Leo XIV. nun seinen ersten Gottesdienst als Kirchenoberhaupt feiern - vor den Kardinälen in der Sixtinischen Kapelle. Am Sonntag soll er sich dann für das Mittagsgebet Regina Coeli erneut vor den Menschen auf dem Petersplatz zeigen. Sein erster Auftritt zumindest scheint geglückt.
Mit Material von AFP, dpa, KNA
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