Berlin, München, Rhein-Ruhr:Hamburg raus: Wie geht es im deutschen Olympia-Rennen weiter?
Nach der Olympia-Absage aus Hamburg sind noch drei deutsche Bewerber beim DOSB im Rennen um die Ausrichtung Olympischer Spiele in Deutschland. Es sind Berlin, München und NRW.
Hamburg ist für eine Austragung der Olympischen Spiele nicht mehr im Rennen. In die heiße Phase geht es für die Bewerber Berlin, die Region Köln-Rhein-Ruhr in Nordrhein-Westfalen sowie München.
01.06.2026 | 0:24 minFür die deutschen Olympia-Planer ist das Hamburger Nein Stimmungsdämpfer und Warnsignal. Das Rennen um die nationale Kandidatur für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 ist so ein Dreikampf geworden. Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds, beteuerte:
Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass die Menschen bundesweit mehrheitlich für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland sind.
Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB)
Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) zog umgehend die Bewerbung zurück. Damit dürfen sich nur noch München, die Rhein-Ruhr-Region mit Köln als Zentrum und Berlin Hoffnungen auf den Zuschlag durch den DOSB machen.
Wie geht es nun weiter?
Am Donnerstag läuft die Frist zur Einreichung der Bewerbungsunterlagen beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ab. München und Rhein-Ruhr haben sich für ihre Pläne die klare Zustimmung der Bürger gesichert. In Berlin hat das Abgeordnetenhaus mehrheitlich für eine Bewerbung gestimmt.
Die Hamburgerinnen und Hamburger haben in einem Referendum gegen eine Bewerbung ihrer Stadt für die Olympischen Spiele gestimmt - und das unerwartet deutlich.
31.05.2026 | 2:23 minIn den kommenden Monaten bewerten DOSB und die Fachverbände die vorliegenden Bewerbungen mit Hilfe einer Matrix. Wichtig sind die internationale Strahlkraft der Bewerbung und die Wirtschaftlichkeit. Eine Evaluierungskommission wird eine Empfehlung abgeben, ehe am 26. September eine außerordentliche DOSB-Mitgliederversammlung in Baden-Baden den deutschen Bewerber kürt.
Was bedeutet das Votum in Hamburg für das weitere Rennen?
Dass Deutschlands zweitgrößte Stadt zum zweiten Mal nach 2015 wieder gegen Olympia stimmte, könnte auch die deutschen Bemühungen beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vorerst belasten. Diesen Eindruck will der DOSB aber möglichst gar nicht erst aufkommen lassen.
Hamburgs Nein sei "ein Beweis dafür, dass es der richtige Weg war, den Bewerbern erst die Möglichkeit zu Referenden und anderen Beteiligungsformaten zu geben", versicherte DOSB-Vorstandschef Otto Fricke. Die deutsche Dachorganisation setzt darauf, dass der Schub der zuvor erfolgreichen Bürgerentscheide am Ende stärker ist als der Gegenwind aus Hamburg.
Wer ist aktuell der Favorit im nationalen Wettlauf?
München dürfte mit breiter Brust in die finalen Wochen bis zur DOSB-Entscheidung gehen. Die klare Mehrheit von 66,4 Prozent beim Bürgerentscheid war das erste erfolgreiche Referendum zu Sommerspielen weltweit und ein echtes Signal an die Konkurrenz. Zudem kann die bayerische Landeshauptstadt mit ihrer Wirtschaftskraft und der internationalen Bekanntheit auch dank des Oktoberfests punkten. Darüber hinaus fanden die letzten Spiele in Deutschland ebenfalls in München statt. Überschattet wurden sie damals aber vom Anschlag der Palästinenserorganisation "Schwarzer September".
Zum ersten Mal in der Geschichte "hat es eine Bürgerbefragung gegeben, die positiv für Sommerspiele ist", sagt Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender Deutscher Olympischer Sportbund.
26.10.2025 | 5:27 minWie sind die Chancen für die anderen beiden Bewerber?
Mindestens so stark wie bei München ist gewiss die internationale Strahlkraft des Tourismus-Magneten Berlin. Als Hauptstadt mit großer Historie und ikonischen Sehenswürdigkeiten könnte Berlin dem leuchtenden Beispiel von Paris 2024 folgen. Doch die Pläne der Spree-Metropole wirkten lange mutlos und gebremst. Weil Berlin aus verfassungsrechtlichen Gründen kein Referendum abhielt und die Opposition im Falle des Zuschlags durch den DOSB mit einem Volksentscheid gegen Olympia droht, wäre die Wahl der Hauptstadt für die Dachorganisation ein Risiko.
Nordrhein-Westfalen dagegen holte sich beim Referendum in den Gastgeber-Kommunen eine ähnlich hohe Zustimmung wie München. Die Macher der Rhein-Ruhr-Bewerbung setzen vor allem auf den möglichen Rekord von 14 Millionen Tickets für die Sommerspiele. Die Frage ist, wie attraktiv das IOC die international eher weniger bekannte Region finden würde.
Im April konnten rund vier Millionen Bürger in Nordrhein-Westfalen über eine Olympiabewerbung der Rhein-Ruhr-Region abstimmen. Dabei geht es um die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044.
19.04.2026 | 1:46 minWelche Chancen hat eine deutsche Bewerbung überhaupt?
Indien und Katar gelten als mögliche Kandidaten für 2036, in Europa haben Madrid, Budapest und Istanbul Olympia-Pläne. Der Norden Großbritanniens prüft für die Zeit ab 2040 eine Bewerbung.
Noch aber ist offen, wann und nach welchem Modus künftige Spiele vergeben werden. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hat eine Kommission einberufen, die den aktuellen Auswahlprozess überprüfen soll. Ende Juni werden Ergebnisse erwartet, dann werden auch die Olympia-Planer in Deutschland ihr weiteres Vorgehen anpassen.
Isabell Werth freut sich über das "Ja" zur Olympiabewerbung in der Rhein-Ruhr-Region. Die Dressur-Olympiasiegerin sieht einen wirtschaftlichen und emotionalen Mehrwert für Nordrhein-Westfalen.
20.04.2026 | 3:23 minFür und Wider Olympischer Spiele in Deutschland?
Der deutsche Sport hat es aus Sicht von Fachverbänden, Athletenvertretern und Bundesregierung dringend nötig, ein Fernziel mit großer Strahlkraft zu bekommen, um sich finanziell und strukturell besser aufzustellen. "Unser Land will und braucht diese Spiele", sagte Sport-Staatsministerin Schenderlein nach den jüngsten Winterspielen in Italien, bei denen das deutsche Team erneut sein Medaillenziel verfehlte.
Die Kritiker argumentieren, so ein Großevent koste viel zu viel. In die aktuellen Ausgabenrechnungen seien viele Kosten wie zum Beispiel für die Sicherheit noch gar nicht eingerechnet. Zudem melden Gegner Zweifel an, dass Olympia wirklich auch dem Breitensport hilft.
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