Deutliche Zustimmung für Bewerbung:Kampf um Olympia: Rhein-Ruhr hat entschieden
von Ina Baltes und Peter Böhmer
In der Rhein-Ruhr-Region gibt es eine große Zustimmung für eine Olympia-Bewerbung. Die Entscheidung des DOSB für eine deutsche Stadt fällt dann im September.
In 17 Städten in Nordrhein-Westfalen wurde über eine mögliche Olympia-Bewerbung abgestimmt. Nach klarer Zustimmung steht fest, dass „KölnRheinRuhr“ sich für die Olympischen Spiele in Stellung bringt.
20.04.2026 | 1:58 minBei den Bürgerentscheiden in Nordrhein-Westfalen hat sich eine Mehrheit für eine Olympia-Bewerbung ausgesprochen. Nach Angaben des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) stimmten laut vorläufigem Endergebnis 66 Prozent für eine Bewerbung der Region "KölnRheinRuhr" für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044.
In 16 von 17 Kommunen wurde die erforderliche Zustimmung erreicht. Nur in Herten, wo zusammen mit Recklinghausen Mountainbike-Wettbewerbe geplant waren, wurde die erforderliche Mindestbeteiligung, das sogenannte Quorum, verfehlt.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) freute sich schon am Sonntagabend in Köln:
Ein überwältigender Abend mit ganz spektakulären Ergebnissen. Was für eine Klarheit. Was für ein breites Bürgervotum der Menschen für Olympia hier bei uns in Nordrhein-Westfalen.
Hendrik Wüst, Ministerpräsident Nordrhein-Westfalen
Isabell Werth freut sich über das "Ja" zur Olympiabewerbung in der Rhein-Ruhr-Region. Die Dressur-Olympiasiegerin sieht einen wirtschaftlichen und emotionalen Mehrwert für Nordrhein-Westfalen.
20.04.2026 | 3:23 minNRW-Landesregierung begeistert über Ergebnis
Die Stimmung unter den Olympia-Befürwortern ist am Sonntag früh gelöst. Als die ersten Zwischenergebnisse kommen, wird laut gejubelt auf der Party in einem Hochhaus am Rhein mit Blick über Köln. Dortmund und Duisburg legen vor mit 73 und 68 Prozent Ja-Stimmen für eine Olympia-Bewerbung. Auch Wüst zeigt sich zu diesem Zeitpunkt gegenüber ZDFheute schon begeistert: "Das war eine überwältigende Abstimmung heute. 1,4 Millionen Bürger haben sich beteiligt, so viele wie noch nie in der Geschichte von Olympischen Spielen."
Alles, was wir bisher sehen, ist eine überragende Zustimmung, das finde ich großartig.
Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen
Abgestimmt haben am Sonntagabend 17 Kommunen, es waren sogenannte Ratsbürgerentscheide zu der einfachen Ja-Nein-Frage: Soll sich ihre Stadt an einer Bewerbung um die Olympischen Spiele beteiligen? Die Zustimmung in den meisten Städten liegt am Sonntagabend deutlich über 60 Prozent. Schnell ist klar: Rhein-Ruhr will Olympische Spiele.
Stadt: Ja // Nein
- Aachen: 76,29 % // 23,71 %
- Bochum: 63,97 % // 36,03 %
- Dortmund: 68,27 % // 31,73 %
- Duisburg: 72,95 % // 27,05 %
- Düsseldorf: 67,24 % // 32,76 %
- Essen: 64,26 % // 35,74 %
- Gelsenkirchen: 74,19 % // 25,81 %
- Herten*: 73,79 % // 26,21 %
- Köln: 57,39 % // 42,61 %
- Krefeld: 64,41 % // 35,59 %
- Leverkusen: 62,7 % // 37,3 %
- Mönchengladbach: 74,45 % // 25,55 %
- Monheim am Rhein: 70,7 % // 29,3 %
- Oberhausen: 62,66 % // 37,34 %
- Pulheim: 70,19 % // 29,81 %
- Recklinghausen: 72,85 % // 27,15 %
- Wuppertal: 72,2 % // 27,8 %
* Herten hat das notwendige Quorum verfehlt, weil lediglich 12,55 Prozent aller Abstimmungsberechtigten mit Ja stimmten - notwendig gewesen wären 15 Prozent
Quelle: dpa
Olympia-Bewerbung von Rhein-Ruhr: Herzensprojekt des NRW-Ministerpräsidenten
Vier Millionen Wahlberechtigte durften abstimmen, 1,4 Millionen haben das getan. Die sogenannte "Leading City" soll Köln werden. Zum Konzept gehören aber auch Düsseldorf, Essen und Bochum oder mittelgroße Städte wie Aachen oder Oberhausen sowie die kleineren Kommunen Monheim am Rhein und Pulheim.
An der Bewerbung "KölnRheinRuhr" beteiligten sich Aachen, Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Herten, Köln, Krefeld, Leverkusen, Mönchengladbach, Monheim am Rhein, Oberhausen, Pulheim, Recklinghausen und Wuppertal. Köln führt die Bewerbung als sogenannte "Leading City" an. Lediglich in Herten wurde die Mindestbeteiligung für eine Zustimmung nicht erreicht.
Kiel hat ebenfalls über die Frage abgestimmt, ob sich die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt als Austragungsort für die olympischen und paralympischen Segelwettbewerbe sowie möglicherweise für weitere Sportarten wie Freiwasserschwimmen und Coastal Rowing bewerben soll. Der Bürgerentscheid ergab dabei ein klares Votum: 63,5 Prozent der Stimmberechtigten votierten dafür. Kiel bietet sich dabei allen vier deutschen Bewerbungen (Berlin, Hamburg, München und Rhein-Ruhr) als Satelliten-Standort an. Bei der Hamburger Bewerbung ist die Stadt bereits fest eingeplant.
Die Olympia-Bewerbung von Rhein-Ruhr ist ein Herzensprojekt des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wüst. Es sollen, so sagt er, die "spektakulärsten, kompaktesten und nachhaltigsten Spiele" werden. Dafür tourte er seit Monaten durchs Land.
Olympia in Rhein-Ruhr, das könnte Schwimmen auf Schalke bedeuten in der Veltins-Arena oder ein Marathon am Kölner Dom. Deborah Levi, zweifache deutsche Olympiasiegerin im Zweierbob, ist begeistert von der Idee: "Die Spiele müssen nachhaltiger und vor allem auch dezentraler gedacht werden. Ich muss sagen, ich finde es super, wenn nicht alles neu gebaut wird. Und es ist auch schön, wenn es danach noch genutzt werden kann. Und da hat NRW auch ein gutes Konzept vorgelegt."
Rund vier Millionen Bürger in Nordrhein-Westfalen konnten über eine Olympiabewerbung der Rhein-Ruhr-Region abstimmen. ZDF-Reporterin Ina Baltes berichtet aus Köln – der sogenannten Leading City.
19.04.2026 | 1:14 minSorgen vor Kosten: Ist Olympia zu teuer?
Viele Befürworter versprechen sich zudem einen Imagegewinn für die Region. Größte Sorge sind die möglichen Kosten, man rechnet derzeit mit Ausgaben von schätzungsweise 4,8 Milliarden Euro. Jörg Detjen von der Linken im Kölner Stadtrat rechnet dagegen vor: "Die Durchführungskosten in Paris lagen 2024 bei 6,6 Milliarden. Wir wollen das jetzt für 4,8 Milliarden machen. Das kann ja gar nicht sein. Dann kommt dazu, dass wir im Prinzip die Investitionskosten noch gar nicht reingerechnet haben. Aus Nordrhein-Westfalen hört man da überhaupt keine Zahl."
Entscheidung über deutsche Bewerbung im September
Wer am Ende tatsächlich Kandidat für Deutschland wird, entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund DOSB im September. Die Konkurrenz ist schon innerhalb Deutschlands groß: Berlin bewirbt sich, auch München und Hamburg wollen ins Rennen gehen.
Nach der DOSB-Entscheidung stünde dann die "große" Entscheidung des IOC an. Die Frage ist noch, für welches Jahr Deutschland dann ins Rennen ginge: 2036, 2040 oder 2044.
Beobachter sehen eher andere Kontinente im Vorteil wie zum Beispiel Asien. Johannes Aumüller, Journalist der Süddeutschen Zeitung, erklärt: "2040 oder 2044 ist wahrscheinlich ein Slot, in dem Europa nochmal zum Zuge kommt. Das Bewerberfeld sortiert sich da gerade. Aus Istanbul hat man schon Interesse vernommen, aus Budapest. Und wenn von dort starke Bewerbungen kommen, sind das sicherlich auch solche, wo der deutsche Sport nicht davon ausgehen kann, die Favoritenrolle innezuhaben."
Klare Zustimmung und Olympia-Begeisterung in der Rhein-Ruhr-Region, das ist das Signal der Bürgerentscheide. Nun blicken auch von NRW aus alle gespannt auf den 26. September - den Tag, an dem der DOSB über den deutschen Olympia-Kandidaten entscheidet.
Ina Baltes und Peter Böhmer sind Korrespondenten im ZDF-Studio in Düsseldorf.
In der Region Rhein-Ruhr haben Millionen Menschen über die Bewerbung für die Olympischen Spiele abgestimmt - Bürgerentscheide gab es in 17 Städten in NRW.
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